Produktion in der deutschen Industrie wächst wieder
Produktion in der deutschen Industrie wächst wieder
- Stärkster Leistungszuwachs seit Februar 2012
- Auftragseingang stabilisiert sich
- Kräftigster Stellenabbau seit 6 Monaten
Für die deutsche Industrie zeigt sich zu Beginn des neuen Jahres endlich wieder das erhoffte Licht am Ende des Tunnels. Während Auftragseingang und Produktion fast im gesamten letzten Jahr schrumpften, wurde im Januar leichtes Wachstum verzeichnet.
Der finale saisonbereinigte Markit/BME Einkaufsmanager Index kletterte um satte 3.8 Punkte – was die stärkste Monatsverbesserung seit Juli 2009 markiert – und erreichte einen Stand von 49.8. Wie in den vergangenen 10 Monaten bleibt der PMI damit dennoch weiterhin im Schrumpfungsbereich. Dies ist hauptsächlich dem beschleunigten Stellenabbau geschuldet, der sich deutlich negativ auswirkte. Der Index spiegelt das Ergebnis der aktuellen Umfrage unter mehr als 500 Unternehmen zur Industriekonjunktur in Deutschland in einem Wert wider.
Nach neun Monaten schrumpfender Produktionszahlen kam es im Januar erstmals wieder zu einem leichten Leistungszuwachs. Allerdings blieb dieses Wachstum derzeit auf die Konsum- und Vorleistungsgüterbranche beschränkt. Die Investitionsgüterindustrie meldete saldiert weiterhin Einbußen.
Die insgesamt optimistisch stimmende Entwicklung basierte hauptsächlich auf der sich stabilisierenden Auftragslage. Im Dezember hatte es hier noch herbe Einbußen gegeben. Am deutlichsten verbesserte sich dabei die Nachfrage auf dem heimischen Markt. Die exportorientierten Unternehmen hingegen mussten auch zu Jahresbeginn leichte Verluste bei den Auftragseingängen hinnehmen. Aber auch hier zeigte sich eine gewisse Entspannung, da der wieder zunehmende Bedarf aus Asien die nach wie vor schwache Nachfrage aus Südeuropa zumindest teilweise kompensierte.
Auch bei den Auftragsbeständen machte sich eine gewisse Konsolidierung bemerkbar, so dass der Rückgang nur noch marginal ausfiel und den schwächsten in der aktuellen Rückgangsphase, die im Oktober 2011 begann, darstellt. Eine nicht unbedeutende Rolle spielte dabei die erfolgreiche Anpassung der Produktionskapazitäten an die verminderte Auftragslage.
Trotz hoffnungsvoller Signale bei Produktion und Auftragslage setzt sich der Stellenabbau in der Industrie zunächst fort. Der Personalabbau signalisierte zu Jahresbeginn sogar die stärkste Rückgangsrate seit Juli 2012. Alle drei Industriesektoren nahmen dabei gleichermaßen kräftige Einschnitte vor.
Entspannung machte sich hingegen an der Preisfront bemerkbar. Die Einkaufspreise gaben den zweiten Monat in Folge nach, was den Druck auf die Gewinnmargen etwas minderte. Unter anderem zeigte sich dabei eine gewisse Preisberuhigung auf dem Stahlmarkt, was wichtigen Teilen der Industrie zu Gute kam. Die günstigeren Einkaufspreise wurden von den Herstellern teilweise durch reduzierte Verkaufspreise an die Kunden weitergeben. In einigen Fällen forderten die Abnehmer Preisreduzierungen aber sogar ein, so die Befragten.
Aus Kostengründen hielten die Unternehmen am Abbau der Vormaterial- und Fertigproduktlager fest, wobei sich jedoch die Rückgangsrate im Vergleich zu Dezember jeweils deutlich abschwächte.
Tim Moore, Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit/BME Einkaufsmanager Index:
“Die deutsche Industrie hat zu Jahresbeginn eine deutliche Trendwende erlebt. Hierbei haben die Rückkehr zu Produktionswachstum und die Stabilisierung der Auftragseingänge kräftig dazu beigetragen, dass der Markit/BME Einkaufsmanager Index im Vormonatsvergleich den größten Schub seit Mitte 2009 erhalten hat.
Die Anhebung der Produktionsleistung ist vielleicht das bisher stärkste Anzeichen dafür, dass sich die deutsche Wirtschaft nach dem BIP-Rückgang im vierten Quartal 2012 wieder auf Wachstumskurs befindet. Einzig der verstärkte Stellenabbau bremste den Einkaufsmanager Index im Januar noch ab. Doch angesichts der sich stabilisierenden Ordereingänge und Auftragsbestände ist davon auszugehen, dass sich auch der Beschäftigungstrend bald bessern wird.”