Massive Kritik an Vermögensbericht der Gemeinde Wien
Massive Kritik an Vermögensbericht der Gemeinde Wien
Eine große Ungerechtigkeit deutet der Vermögensbericht der Gemeinde Wien an, weil 30% der Wiener über 92% des Vermögens verfügen würden. Dabei entspricht der Anteil von 30% einfach dem Anteil der Wiener, der Wohnungsbesitzer ist. Dass dies nur 30% sind, ist der Wohnbau-Subventionierung durch die Gemeinde Wien geschuldet.
Nicht ungerecht: 30% besitzen 92%
Laut Sozialbericht der Stadt Wien vom 28.12.2012 sind die Vermögen in der Hauptstadt besonders ungleich verteilt: Demnach besäßen 30% der Wiener 92% des Vermögens. Laut Michael Hörl, Wirtschaftspublizist aus Salzburg, liegt das aber an Österreichs Tradition als Mietergesellschaft begründet – und vor allem an der Politik der Stadt Wien. Denn zwei Drittel des Vermögens bestehen in Form von Immobilien, der Rest als Firmenwert.
Die Gemeinde Wien besitzt 220.000 Wohnungen, zusätzlich gibt es 60.000 Genossenschaftswohnungen. Damit verbilligt die Gemeinde mit Steuergeld ihre Mieten künstlich unter Marktniveau und hält Mieter so davon ab, sich für Wohnungseigentum zu interessieren.
Damit besitzen 600.000 (!) Wiener am Papier zwar kein Eigentum (was die Gemeinde Wien indirekt wiederum kritisiert), sie verfügen aber immerhin über eine höhere Realkaufkraft als Wohnungs-Eigentümer. Zumindest bis zur Pension.
Geldschwemme blies Immobilienwerte auf
30% der Wiener Vermögenden entsprechen ziemlich genau den 30% der Wiener, die Wohnungs- oder Hauseigentümern sind. Die exzessive Ausweitung staatlichen Notenbank-Geldes in Europa (und den USA) hat bekanntlich die Immobilienwerte aufgeblasen. Von der Geldschwemme konnten folglich nur Eigentümer und nicht Mieter profitieren.
Nur weil eine Eigentumswohnung statt 100.000 Euro jetzt aber 200.000 Euro wert ist, ist sie gleichzeitig nicht auch größer geworden. Der Vermögenszuwachs entstand rein auf dem Papier. Warum soll der nun fiktiv „reiche Besitzer“ jetzt aber Vermögenssteuer bezahlen, wie Arbeiterkammer und Gemeinde Wien nun unisono fordern?
Gemeindewohnungen verkaufen
Hörl, Autor der „Gemeinwohl-Falle“: Mieten führt zu Altersarmut und macht politisch abhängig. Will man die Wiener vom Preisanstieg bei Immobilien profitieren lassen, muss man sie zu Immobilien-Eigentümern machen. Der schnellste Weg besteht darin, Gemeindewohnungen an Mieter zu verkaufen.“
Nach 20 Jahren Miete sollten die Wiener ihre Wohnung gegen eine Abstandszahlung erwerben können. Alternativ könnten Gemeindewohnungen auch bei kürzeren Mietzeiten zum Marktpreis erworben werden bzw. mit künftigen Mieten gutgerechnet werden können. In beiden Fällen müsste ein 20jähriges Veräußerungsverbot vereinbart werden.
Gemeinde Wien: Anständigkeit gefragt
Wer Vermögens-Ungleichheiten ehrlich bekämpfen will, darf die Bevölkerungsmehrheit nicht mehr trickreich vom Immobilieneigentum fernhalten. Und wenn er es tut, dann muss er so anständig sein, dies in seinem eigenen Vermögensbericht entsprechend zu erläutern.
Überdies entsteht wieder einmal der Eindruck, eine weitere SPÖ-geführte Organisation würde kunstvoll Armut und Ungerechtigkeit herbeirechnen, um die Wut in der Bevölkerung zu schüren. Damit könne man sich dann (am Wahltag) als Retter in der Not positionieren.
MMag. Michael Hörl
Bisher erschienen:
Die Gemeinwohl-Falle oder Wie man eine Gesellschaft mit Halb- und Unwahrheiten aufwiegelt (2012)
Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute (2011)