Deutschland: Geschäftstätigkeit steigt im Dezember zum ersten Mal seit fünf Monaten
Deutschland: Geschäftstätigkeit steigt im Dezember zum ersten Mal seit fünf Monaten
Nach einem viermonatigen Rückgang wies der finale saisonbereinigte Service-Index Geschäftstätigkeit im Dezember wieder einen Zuwachs aus: Er legte von 49.7 Punkten im November auf 52.0 im Dezember zu. Zwar notierte er damit unter seinem Langzeit-Durchschnitt von 52.9 Zählern, zeigte aber dennoch das stärkste Wachstum seit April an. Das größte Plus verzeichneten die Bereiche Hotels & Gaststätten und Vermietung & Unternehmensnahe Dienstleistungen.
Der saisonbereinigte finale Composite Index Produktion, der die Ergebnisse von Industrie- und Dienstleistungssektor zusammenfasst, legte von 49.2 Punkten im November auf 50.3 im Dezember zu und überschritt damit zum ersten Mal seit acht Monaten die neutrale Wachstumsgrenze von 50 Punkten. Zwar konnten die Dienstleister im Dezember Geschäftszuwächse erzielen; da aber die deutsche Industrie einen Produktionsrückgang verzeichnete, nahm sich der Anstieg für die deutsche Privatwirtschaft insgesamt nur gering aus.
Den neuen Auftrieb verdanken die Dienstleister nicht zuletzt dem leichten Anstieg an Neu- und Folgeaufträgen. Dieser weist auch darauf hin, dass sich nach acht Monaten sinkender Neuaufträge eine weitgehende Nachfragestabilisierung eingestellt hat. Die Hersteller mussten dagegen herbe Auftragseinbußen hinnehmen. Dadurch fiel auch das Gesamtergebnis für Industrie und Dienstleister negativ aus.
Trotz des Auftriebs bauten die Dienstleister zum zehnten Mal hintereinander ihre Auftragspolster ab, wobei die Abbaurate jedoch auf den niedrigsten Wert seit Mai zurückging. Auf den Privatsektor umgerechnet schwanden die Auftragsbestände den 18. Monat in Folge.
Auch die Beschäftigtenzahlen wurden bei den Dienstleistern im Dezember wieder leicht angehoben, nachdem im November noch vereinzelt Stellen gestrichen worden waren. Als Entscheidungsgrund für die vermehrten Neueinstellungen gaben die meisten Unternehmen eine erhöhte Geschäftstätigkeit und langfristige Expansionspläne an. Im Industriesektor hingegen fand ein moderater Jobabbau statt, so dass das Beschäftigungsniveau auf privatwirtschaftlicher Ebene weitgehend konstant blieb.
Die Geschäftsaussichten für die nächsten zwölf Monate waren im Dezember weitgehend ausgewogen. Je etwa ein Fünftel der befragten Dienstleistungsunternehmen sieht dem kommenden Jahr erwartungsfroh bzw. skeptisch entgegen. Obwohl der entsprechende Index weit unter seinem Langzeit-Durchschnitt notierte, stellt das aktuelle Umfrageergebnis eine deutliche Verbesserung gegenüber den negativen Prognosen der letzten drei Monate dar. Der Bereich Vermietung & Unternehmensnahe Dienstleistungen zeigte sich hierbei am zuversichtlichsten, während der größte Pessimismus in den Bereichen Hotels & Gaststätten und Vermittlung von Finanzdienstleistungen vorherrschte.
Hinsichtlich ihrer Gewinnmargen mussten die Dienstleister einen erneuten Rückgang in Kauf nehmen. Die Umfrageergebnisse verwiesen auf einen weiter verstärkten Kostenanstieg, der sich zum Teil auf erhöhte Treibstoff- und Nebenkosten zurückführen lässt. Die Angebotspreise der Dienstleister stiegen hingegen nur geringfügig an. Auch in den beiden Vormonaten hatten die Unternehmen ihre Preise erhöht, der jüngste Anstieg fiel im Vergleich hierzu aber geringer aus.
Dennoch fielen die Preiserhöhungen im Dienstleistungssektor markanter aus als die -nachlässe in der Industrie, wodurch sich auch für die gesamte deutsche Privatwirtschaft ein Preisanstieg feststellen ließ.
Tim Moore, Ökonom bei Markit, kommentiert die finalen Markit-Indizes:
„Den deutschen Dienstleistern gelang es im Dezember, die Privatwirtschaft über die Wachstumsschwelle zu hieven und damit einen erneuten Rückgang im Industriesektor auszugleichen. Die Dienstleister konnten den größten Geschäftszuwachs seit April 2012 verzeichnen, welcher jedoch unter seinem langjährigen Mittel lag. Einer der Hauptgründe hierfür war die relativ geringe Zahl an Neu- und Folgeaufträgen. Diese war auch dafür verantwortlich, dass die Dienstleister ihre Auftragspolster weiter abbauten und der Beschäftigungszuwachs im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2012 sehr bescheiden ausfiel.
Hinsichtlich der Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist war die Stimmung bei den Dienstleistern insgesamt annähernd ausgeglichen, da die Besorgnis im Bereich Vermittlung von Finanzdienstleistungen den Optimismus in anderen Bereichen weitgehend aufwog.”