Verlangsamte Talfahrt der Eurozone-Industrie im November

Verlangsamte Talfahrt der Eurozone-Industrie im November



Abgeschwächte Rückgänge bei Produktion, Auftragseingang und Beschäftigung sorgten dafür, dass sich die Talfahrt der Eurozone-Industrie im November leicht verlangsamt hat. Darauf deutet der finale Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI) hin, der gegenüber Oktober um 0.8 Punkte auf ein Acht-Monatshoch von 46.2 zulegte und damit die Vorabschätzung bestätigte. Allerdings verharrte der Index zum 16. Mal hintereinander unter der Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird.

Mit Ausnahme Irlands verzeichneten alle übrigen von der Umfrage erfassten Länder in ihren jeweiligen Industriesektoren Geschäftseinbußen. Verlangsamt hat sich der Abwärtstrend am stärksten in Österreich, doch auch Deutschland, Frankreich, Spanien und Griechenland vermeldeten abgeschwächte Schrumpfungsraten. In Italien und den Niederlanden beschleunigte sich die Talfahrt hingegen, Griechenland blieb Schlusslicht.

Der 9. Produktionsrückgang in Folge fiel insgesamt schwächer aus als in den zurückliegenden sechs Monaten. Die Konsumgüterhersteller steigerten ihre Erzeugung, im Investitions- und Vorleistungsgüterbereich wurde die Produktion hingegen erneut zurückgefahren.

Aufgrund der schwachen Nachfrage auf den heimischen Märkten und rückläufiger Handelsströme innerhalb und außerhalb der Eurozone schlug beim Neugeschäft abermals ein Minus zu Buche. Gleichwohl fielen die Verluste beim Auftragseingang und bei den Exportbestellungen niedriger aus als in den sieben Vormonaten.

Wegen ausbleibender Neuaufträge von Ländern innerhalb der Eurozone und der globalen Konjunkturschwäche wies der Index Export-neuaufträge das 17. Minus in Folge aus. Lediglich die Niederlande und Irland vermeldeten in dieser Kategorie Zuwächse. Die höchsten Exportorderverluste schlugen erneut in Griechenland und Deutschland zu Buche, wenngleich das Minus in Deutschland niedriger ausfiel als in den letzten sieben Monaten.

Da der Eurozone-Industriesektor trotz der Nachfrageflaute weiter mit Überkapazitäten zu kämpfen hatte, nahmen nicht nur die Auftragsbestände zum 18. Mal hintereinander ab, auch die Beschäftigung wurde in fast allen von der Umfrage erfassten Ländern weiter reduziert. Gleichwohl fiel der 10. Jobabbau in Folge insgesamt weniger gravierend aus als im Oktober. Beschleunigt hat sich der Stellenabbau nur in den Niederlanden, verlangsamt hat er sich in Deutschland, Frankreich, Spanien, Österreich und Griechenland. In Deutschland kam es nur noch ganz vereinzelt zu Entlassungen.

Nicht nur die wiederholten Stellenstreichungen, auch der anhaltende Abbau der Vormaterial- und Fertigwarenlager sowie die drastische Reduzierung der Einkaufsmenge deuten darauf hin, dass Kostensenkungsmaßnahmen im November weiter konsequent umgesetzt wurden. Die Vormateriallager gingen besonders stark zurück, da die Einkaufsmenge überdurchschnittlich stark gekürzt wurde.

Der 3. Anstieg der durchschnittlichen Einkaufspreise in Folge fiel schwächer aus als in den beiden Vormonaten und zum Jahresbeginn. Die Verkaufspreise wurden wegen der Nachfrageflaute und dem scharfen Wettbewerb ein weiteres Mal leicht reduziert.

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:

“Trotz der niedrigsten Schrumpfungsrate seit acht Monaten steckte die Eurozone-Industrie laut unseren finalen PMI-Daten auch im November tief in der Krise. Dies deutet darauf hin, dass sich die Rezession im Währungsgebiet im Schlussquartal 2012 weiter verschärft und die Wirtschaftsleistung damit das dritte Quartal in Folge schrumpft. Auf Basis der bisherigen PMIs dürfte der BIP-Rückgang in Q4 jedenfalls deutlich stärker ausfallen als die überraschend niedrigen 0.1 Prozent in Q3.

Gleichwohl hellt sich das Lagebild so langsam auf. So dürften wir den Tiefpunkt der Krise bereits im Juli hinter uns gelassen haben. Und der Produktions- und Beschäftigungsrückgang dürfte sich in den nächsten Monaten dank einer langsam wieder anziehenden Exportnachfrage aus den USA und Asien weiter verlangsamen.

Die Euro-Krise sorgt jedoch weiter für Unsicherheit und belastet nicht nur das Geschäftsklima, sondern veranlasst die Unternehmen auch zu strikter Kostenkontrolle. Ein robuster Aufschwung scheint jedenfalls in weiter Ferne. Und der Konjunktur droht ein abermaliger Rückschlag, falls sich die Krise wieder verschärft.“