Eurozone-Industrie im Mai: Schwäche der Peripherie greift auf Kernländer über und sorgt für stärksten Wachstumsrückgang seit knapp drei Jahren

Eurozone-Industrie im Mai: Schwäche der Peripherie greift auf Kernländer über und sorgt für stärksten Wachstumsrückgang seit knapp drei Jahren



Die Talfahrt der Eurozone-Industrie hat sich im Mai weiter beschleunigt. Dies zeigt der finale Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (EMI), der gegenüber April 0.8 Punkte auf 45.1 sank, die erste Schätzung jedoch um 0.1 Zähler übertraf. Hohe Produktions- und Auftragseinbußen sorgten abermals für einen Stellenabbau. Seit zehn Monaten schrumpft die Eurozone-Industrie nun bereits ununterbrochen.

Lediglich Irland signalisierte noch leichtes Wachstum, Österreich näherte sich der Stagnation weiter an, in allen übrigen Ländern kam es zu Geschäftseinbußen gegenüber April.

In Deutschland, Frankreich und Spanien sanken die jeweiligen PMIs auf ihre tiefsten Werte seit Mitte 2009, und in den Niederlanden rutschte der Index auf ein 5-Monatstief ab. In Italien und Griechenland verlangsamten sich die Rückgänge zwar leicht, blieben aber stärker als im Eurozone-Durchschnitt. Erstmals seit Januar 2010 war Griechenland nicht mehr Schlusslicht, sondern gab die rote Laterne an Spanien ab.

Bei Produktion und Auftrageingang ging es im Mai so stark bergab wie zuletzt im Juni 2009. Neben der schwachen Binnennachfrage waren die Unternehmen auch mit weiter rückläufigen Export-bestellungen konfrontiert, hauptsächlich wegen der lahmenden Weltkonjunktur und des niedrigeren Handelsvolumens zwischen den Eurozone-Ländern. Die höchsten Exportverluste vermeldeten Deutschland, Spanien und Griechenland. Lediglich Irland wies sowohl beim Gesamt- als auch beim Exportauftragseingang ein Plus aus.

Stärkster Jobabbau seit Februar 2010

Infolge der Geschäftseinbußen und des scharfen Wettbewerbs konzentrierten sich die Firmen auch im Mai auf Kosteneinsparungen und bauten zum vierten Mal hintereinander per Saldo Stellen ab. In Deutschland, Frankreich, Spanien und den Niederlanden beschleunigte sich der Jobabbau jeweils, Griechenland war in dieser Kategorie Schlusslicht.

Die Auftragsbestände sanken abermals zügig, was auf anhaltende Überkapazitäten hindeutet.

Selten zuvor in den letzten drei Jahren wurde die Einkaufsmenge – vor allem aufgrund von Kosten-einsparungen – so stark reduziert wie im Mai, weshalb auch die Bestände an Vormaterialien weiter sanken. Indes nahmen auch die Fertigwarenlagerbestände ab, teilweise wegen der rückläufigen Produktion.

Nachlassender Preisdruck

Aufgrund der schwachen Nachfrage und der daraus resultierenden Verbilligung zahlreicher Vormaterialien und Rohstoffe legten die Einkaufspreise im Mai mit der niedrigsten Rate seit vier Monaten zu. Der entsprechende Flash-Wert wurde unterschritten. Am stärksten abgeschwächt hat sich der Kostenauftrieb in den Niederlanden, Spanien und Italien.

Infolge der Nachfrageflaute und des starken Wettbewerbsdrucks stagnierten die Verkaufspreise im Berichtsmonat weitgehend. Leicht reduziert wurden die Verkaufspreise in Frankreich, Italien, Spanien und Irland, in Griechenland gingen sie weiter rasant zurück. Moderat angehoben werden konnten die Verkaufspreise hingegen in Deutschland, den Niederlanden und Österreich.

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit Eurozone EMI:

“Die Krise der Eurozone-Industrie hat sich im Mai weiter verschärft. Dies zeigt, dass sowohl die Finanzkrise als auch die politische Unsicherheit mittlerweile verheerende Auswirkungen auf die Realwirtschaft im gesamten Währungsgebiet haben.

Zwar sind die Wachstumseinbußen bei weitem nicht so gravierend wie zum Höhepunkt der Krise 2008/2009, doch die Lage verschlechtert sich in alarmierendem Tempo. Den PMI-Daten zufolge schrumpft der Sektor um 1% auf Quartalsbasis und dürfte sich damit im zweiten Quartal 2012 als Wachstumsbremse Nummer eins erweisen.

In allen vier Schwergewichtsländern der Eurozone geht es mittlerweile in Besorgnis erregendem Tempo bergab. Am schlimmsten ist die Lage laut den PMIs momentan wohl in Spanien, das Griechenland als Schlusslicht abgelöst hat.

Zwar ist momentan keine Lösung der Krise in Sicht, doch könnte die Abschwächung des Euro einen Hoffnungsschimmer liefern und den darniederliegenden Exporten wieder auf die Beine helfen. Angesichts der höchsten Verluste beim Exportneugeschäft seit sechs Monaten ist davon momentan jedoch noch nichts zu spüren.”