„Grexit“-Sorgen belasten
„Grexit“-Sorgen belasten
Die zuletzt veröffentlichten Konjunkturdaten fielen mehrheitlich schwach aus. Der Index der Frühindikatoren für die Entwicklung der US-Wirtschaft ist im April um 0,1% M/M (März: +0,3%) gesunken. Dies war der erste Rückgang seit September. Der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia für das Verarbeitende Gewerbe der entsprechenden Region, der als ein bedeutender Indikator für die landesweite Entwicklung gilt, hat sich im Mai auf minus 5,8 Punkte (April: +8,5 Punkte) verschlechtert. Werte unter null deuten auf eine Kontraktion. Die US-Industrieproduktion verzeichnete im April mit 1,1% M/M (März: -0,6%) den stärksten Anstieg seit Dezember 2010. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat war ein Anstieg um 5,2% zu beobachten. Die jüngsten Einkaufsmanagerindizes der Eurozone haben sich weiter verschlechtert Der Index für den Dienstleistungssektor sank im Mai gemäß einer ersten offiziellen Schätzung auf 46,5 Punkte (April: 46,9 Punkte). Der Index für das Produzierende Gewerbe verschlechterte sich auf 45,0 Punkte (April: 45,9 Punkte). Werte unter 50 Punkte deuten auf eine Kontraktion. Bei den deutschen Unternehmen hat sich die Stimmung im Mai eingetrübt. Der ifo Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft sank auf 106,9 Punkte (April: 109,9 Punkte). Dabei beurteilten die Unternehmensvertreter sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Erwartungen pessimistischer als im Vormonat.
Die Renditen der deutschen und US-Staatsanleihen sind in den letzten Tagen weiter gesunken. Nach wie vor profitieren die Staatsanleihen der „sicheren Häfen“ vor allem von der Sorge über die weitere Entwicklung Griechenlands. Die Ratingagentur Fitch hat zuletzt die Bonitätsnote für das Land von B- auf CCC gesenkt. Begründet wurde der Schritt mit der Gefahr, dass Griechenland die Eurozone verlassen könnte („Grexit“). Das Scheitern der Regierungsbildung zeige gemäß Fitch die mangelnde Unterstützung des Sparprogramms von Seiten der Politik und der Öffentlichkeit. Sollten die Neuwahlen keine sparwillige Regierung hervorbringen, wäre ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone nach Ansicht der Ratingagentur wahrscheinlich. Die Deutsche Bundesbank lehnt gemäß ihrem jüngsten Monatsbericht eine Neuverhandlung des Hilfspakets für Griechenland ab. Setzt das Land die im Gegenzug zu den umfangreichen Hilfsprogrammen vereinbarten Reform- und Konsolidierungsmaßnahmen nicht um, stehe die Fortführung der Hilfen auf dem Spiel. Griechenland würde die damit verbundenen Folgen zu tragen haben. Für den Euroraum und Deutschland wären nach Ansicht der Bundesbank die Herausforderungen in diesem Fall erheblich, aber bei vorsichtigem Krisenmanagement beherrschbar. Die Renditen der spanischen Staatsanleihen sind nach dem Anstieg in den Vorwochen zuletzt - trotzt der Senkung der Bonität von 16 spanischen Banken durch die Ratingagentur Moody’s - nicht weiter gestiegen. Mit 6,27% liegt die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihe jedoch nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Bei der jüngsten Auktion spanischer Staatsanleihen war die Nachfrage zwar relativ hoch, die Durchschnittsrenditen für die drei bis vierjährigen Anleihen sind jedoch deutlich gestiegen. Die Rendite der vierjährigen Staatsanleihe belief sich nun auf 5,106%. In der März-Auktion lag sie noch bei 3,374%. Im Vorfeld der griechischen Parlamentswahl am 17. Juni mit in weiterer Folge möglicherweise neuen Schwierigkeiten, eine Regierung zu bilden sowie der anhaltenden Gefahr eines Staatsbankrotts bzw. des Austritts Griechenlands aus der Eurozone sollte auch in den nächsten Tagen die Verunsicherung der Marktteilnehmer auf einem hohen Niveau bleiben. Die zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten (USA: Auftragseingänge, Verbrauchervertrauen, BIP-Wachstum, Chicago Einkaufsmanagerindex; DE: GfK Verbrauchervertrauen, Einzelhandelsumsatz etc.) dürften in diesem Umfeld vor allem dann das Marktgeschehen beeinflussen, wenn sie schwach ausfallen, während etwaige gute Konjunkturdaten kaum zu einer nachhaltigen Stimmungsverbesserung führen dürften. Insgesamt erwarten wir in den nächsten Tagen bei den Renditen der deutschen und US-Staatsanleihen eine Seitwärtsentwicklung.