Griechenland-Tragödie setzt sich fort
Griechenland-Tragödie setzt sich fort
Die Stimmung der US-Verbraucher hat sich zuletzt verbessert. Der entsprechende Index von Thomson Reuters und der Universität Michigan stieg im Mai nach vorläufigen Berechnungen auf 77,8 Punkte (April: 76,4 Punkte) und damit auf das höchste Niveau seit Januar 2008. Vor allem eine optimistische Einschätzung des Arbeitsmarktes war für diese Entwicklung verantwortlich. Der Umsatz der US-Einzelhändler verzeichnete im April gegenüber dem Vormonat mit 0,1% (März: 0,7%) einen lediglich schwachen Anstieg. Im Verarbeitenden Gewerbe des Staates New York hat sich das Wachstum im Mai beschleunigt. Der von der Federal Reserve Bank of New York ermittelte Index, der einen frühen Indikator für die landesweite Entwicklung darstellt, verbesserte sich nach dem Einbruch im Vormonat auf 17,09 Punkte (April: 6,56 Punkte). Im Euroraum hat sich die Industrieproduktion im März mit einem Rückgang von 0,3% (Februar: +0,8%) gegenüber dem Vormonat schwach entwickelt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat war ein Rückgang um 2,2% (Februar: -1,5%) zu beobachten. Im ersten Quartal 2012 verzeichnete die Wirtschaft der Eurozone gegenüber dem Vorquartal gemäß einer ersten Schätzung von Eurostat eine Stagnation (Q4/2011: -0,3%). Das deutsche BIP stieg im selben Zeitraum um 0,5% Q/Q. (Q4/2011: -0,2%). Positive Impulse kamen vom Außenhandel. Außerdem wurde im Inland mehr konsumiert als im Vorquartal. Die Investitionen sind zurückgegangen. In Österreich verbesserte sich das BIP im ersten Quartal 2012 gegenüber der Vorperiode gemäß einer Schnellschätzung des WIFO um 0,2%. Damit ist die Wirtshaft nach zwei Quartalen der Stagnation erstmals seit dem zweiten Quartal 2011 wieder etwas gewachsen. Sämtliche Nachfrageaggregate trugen gemäß WIFO zur mäßigen Verbesserung bei.
Die Renditen der deutschen und US-Staatsanleihen setzten in den letzten Tagen ihre Abwärtsbewegung fort. Verantwortlich für eine starke Nachfrage nach diesen „sicheren Häfen“ war einmal mehr das von einem Staatsbankrott bedrohte Griechenland. Für eine zwischenzeitliche Gegenbewegung sorgte die Veröffentlichung des deutschen BIP-Wachstums, das höher ausfiel als allgemein erwartet. Der letzte Versuch einer Regierungsbildung ist gestern in Griechenland gescheitert. Nun wird es im Juni eine Neuwahl geben. Umfragen zufolge könnte die Koalition der radikalen Linken (SYRIZA), die die Sparzusagen an die Geldgeber nicht einhalten will, als stärkste Kraft aus der Wahl hervorgehen. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat Änderungen am Sparprogramm für Griechenland gestern neuerlich abgelehnt. Etwas kompromissbereiter zeigte sich Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker, der erklärte, über das Programm könne mit einer neuen Regierung gesprochen werden. Unter außergewöhnlichen Umständen könne es womöglich etwas geändert werden. Doch seien gemäß Juncker derzeit keine außergewöhnlichen Umstände zu erkennen. Die folgenden Wochen der erhöhten Unsicherheit mit der anhaltenden Gefahr eines Staatsbankrotts Griechenlands sollten stark auf den Märkte lasten. Das konjunkturelle Umfeld dürfte unter einer geringen Investitionsneigung der Unternehmen und Konsumzurückhaltung der Ver-braucher leiden. Bei den Renditen der deutschen und US-Staatsanleihen erwarten wir in diesem Umfeld in den nächsten Tagen einen weiteren Rückgang.
Belastet von der anhaltenden Sorge vor einem möglichen Staatsbankrott Griechenlands als Folge des Scheiterns der Bildung einer Regierung, die sich zum Sparkurs bekennt, sind die Aktienkurse in den letzten Tagen zum Teil deutlich eingebrochen. Der ATX sank im Wochenverlauf um 7,0%. Zwischenzeitlich fiel der Index sogar auf 1861 Punkte und erreichte damit das niedrigste Niveau seit Januar. In den nächsten Tagen dürften die anstehenden Konjunkturdaten (USA: Industrieproduktion, Philadelphia Fed Index, Frühindikator, Auftragseingänge; EZ: Einkaufsmanagerindizes; DE: ifo-Geschäftsklimaindex etc.) weiterhin nur eine untergeordnete Rolle an den Märkten spielen. Insgesamt erwarten wir in diesem Zeitraum bei hohen Volatilitäten tendenziell sinkende Aktienkurse.