Stellungnahme des Vorstands bei der heutigen Hauptversammlung
Stellungnahme des Vorstands bei der heutigen Hauptversammlung
Aufgrund der schwierigen Situation in der sich die CyberTron Telekom AG seit letzter Woche befindet, gab es im Laufe der letzten Tage für uns als Vorstände die Möglichkeit die Hauptversammlung abzusagen, sie zu verschieben oder wie angekündigt abzuhalten. Wir haben uns dann intern sehr schnell darauf verständigt, diese Hauptversammlung wie geplant stattfinden zu lassen:
1. Ich stehe seit sechs Jahren in der ersten Reihe dieses Unternehmens und viele von Ihnen haben nicht nur mich, sondern auch das gesamte Führungsteam der CyberTron persönlich kennengelernt. Wir möchten heute im Rahmen dieser Hauptversammlung die Gelegenheit wahrnehmen, über die aktuellen Geschehnisse zu berichten und weiters zu den vielen Gerüchten der letzten Tage persönlich Stellung zu nehmen.
2. Die CyberTron war nie eine anonyme Gesellschaft – die Identifikation der Gründungsgesellschafter, des Führungsteams aber auch jedes einzelnen CyberTron Mitarbeiters war in der Vergangenheit deutlich höher als bei anderen Unternehmen – auch die Verbundenheit unserer Kunden und Großaktionäre hat uns gerade in den letzten Tagen gezeigt, wie sehr sie am Schicksal dieser Gesellschaft teilhaben. Sie alle haben das Recht, über die aktuelle Lage informiert zu werden und wir als Gründer und Vorstände sehen es als unsere Pflicht an, hier und heute zur Beantwortung Ihrer Fragen zur Verfügung zu stehen.
Bevor ich aber auf die aktuellen Ereignisse der letzten zwei Wochen eingehe, möchte ich einen Rückblick auf das Jahr 2001 geben – auch um die aktuelle Situation der CyberTron besser darstellen zu können:
Allgemeines Marktumfeld
Wie bereits in den letzten Jahren, war auch das Jahr 2001 von wechselnden Marktbedingungen am Telekommunikationssektor geprägt. Nach den - für den gesamten TMT-Sektor weltweit - euphorischen Jahren 1998 und 1999 und einer davon ausgehenden ungeheuren Kraft, die durch eine große Anzahl von jungen, dynamischen Unternehmen, gepaart mit unbegrenzt scheinenden Finanzressourcen – durch Venture- Kapital und den öffentlichen Kapitalmarkt – den gesamten Globus erfasste, hat ab Frühjahr 2000 – ausgelöst durch die Versteigerung der UMTS-Lizenzen in England und Deutschland und den dabei von Telekommunikationsunternehmen eingesetzten Summen – eine noch nie dagewesene Ernüchterung eingesetzt. Das Vertrocknen des bis dahin strömenden Kapitalflusses hat bereits im dritten und vierten Quartal 2000 zu den ersten Opfern unter den mittlerweile klassischen, sogenannten „new-economy“- Unternehmen geführt.
Die negative Grundstimmung des Marktes hat sich im Gesamtjahr 2001 kaum geändert. Im Gegenteil, die bis dahin im großen Umfang getätigten Investitionen der „Internet- Unternehmen“ in neue Geschäfts-Modelle und neue Telekommunikationsdienste kamen nahezu vollständig zum Erliegen. Die durch die Telekoms u. a. für die Erfordernisse der „new-economy“ errichteten Internet- und Bandbreitenkapazitäten wurden weltweit nicht in jenem Ausmaß genutzt wie ursprünglich angenommen, und die klassische Sprachtelefonie war durch die Vielzahl von Anbietern einem extremen Wettbewerb und damit einhergehend massiven Margendruck ausgesetzt.
Die Zahlen
Unter diesen ungünstigen Vorzeichen sind wir angetreten, den gesamten CyberTron Konzern den veränderten Marktgegebenheiten anzupassen und nach einem Jahr außergewöhnlichen Wachstums (CyberTron war im Jahr 2000 das am schnellst wachsende Telekommunikationsunternehmen Europas) in die operative Profitabilität zu führen, um unter Beweis zu stellen, dass unser Geschäftsmodell auch unter schwierigen Marktbedingungen funktioniert. So war das Jahr 2001 durch eine Vielzahl operativer Restrukturierungsmaßnahmen geprägt:
- Durch die Automatisierung eines Großteils der Unternehmensabläufe ist es möglich geworden, auch Massenprodukte effizient und kostengünstig abzuwickeln. Damit einhergehend konnte die Anzahl der administrativ tätigen Mitarbeiter deutlich gesenkt werden.
- Die Fertigstellung der österreichweiten Backbone-Infrastruktur hat den Abbau eines Großteils der Mitarbeiter der Netzplanungs- und Netzbauabteilungen ermöglicht.
- Die strategische und finanzielle Evaluierung unserer Unternehmensbeteiligungen hat zu einer weiteren Straffung und Konsolidierung geführt.
- Durch die Neuorganistion der Customer-Relation Abteilung und die Einführung neuer, unternehmensweit zur Verfügung stehender Tools ist es uns gelungen, die Kommunikation mit unseren Kunden deutlich zu verbessern.
- Der Fokus auf ertragsstarke Produkte und Kunden, deren Dienste auf eigener Infrastruktur produziert werden, führte zu einer deutlichen Erhöhung der Bruttomarge.
Im Jahr 2001 hat sich CyberTron, trotz des schwierigen Marktumfelds, den klaren 2. Platz unter den alternativen Telekommunikationsunternehmen Österreichs gesichert. Über das Jahr gesehen konnte der Umsatzverlust, der durch aus dem Markt gegangene Großkunden entstanden ist, nahezu vollständig durch Neukunden kompensiert werden. Der Konzernumsatz ist mit € 66,7 Mio. im Vergleich zu € 70,2 Mio. im Jahr 2000 leicht gesunken.
Die wesentliche Ertragskennzahl in der Telekommunikationsbranche, das EBITDA (operative Betriebstätigkeit ohne Zinsen, Abschreibungen und Steuern) beträgt für die CyberTron-Gruppe für das Jahr 2001 € -8,5 Mio. gegenüber € -19,7 Mio. im Jahr 2000. Durch die rigorose Umsetzung der kostensparenden und ertragssteigernden Maßnahmen ist es uns im September 2001 erstmals - als eines der wenigen europäischen alternativen Telekommunikationsunternehmen - gelungen, auf Monatsbasis ein positives EBITDA zu erreichen. Durch die seither veröffentlichten Quartalsergebnisse konnten wir die nachhaltig positive Entwicklung des Unternehmens weiter unter Beweis stellen und das operative Ergebnis von Quartal zu Quartal verbessern.
Die operative Umsatzrendite (EBITDA/Umsatz) hat sich im Konzern von -28% im Jahre 2000 auf -12,7% im Jahr 2001 verbessert. Das, obwohl das dritte Quartal 2001 durch einmalige Restrukturierungskosten im Ausmaß von €4,0 Mio. (vor allem Beendigungskosten von Mieten und Personal) belastet wurde.
Im Jahr 2001 sank der Wert der Beteiligungen von €19,6 Mio. auf €4,5 Mio. Aufgrund der allgemeinen Kursentwicklung von Telekom-Aktien an den internationalen Börsen wurden die aktivierten Firmenwerte in Höhe von €9,3 Mio. außerplanmäßig abgeschrieben.
Im Geschäftsjahr 2001 wurden €5,3 Mio. in immaterielle Vermögensgegenstände und €12,7 Mio. in materielle Vermögensgegenstände investiert. Der Buchwert des Sachanlagevermögens zuzüglich der immateriellen Vermögensgegenstände beträgt zum Bilanzstichtag €45,5 Mio.
Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind von €18,5 Mio. auf €11,1 Mio. gesunken. Der starke Rückgang resultiert aus einer Verbesserung des Mahnablaufes, verstärktem Inkasso und einer Verbesserung der Fakturierungsqualität. Unter Berücksichtigung der im abgelaufenen Geschäftsjahr durchgeführten Kapitalerhöhungen, beträgt das Konzerneigenkapital zum 31.12.2001 €15,5 Mio. (31.12.2000: €39,9 Mio.). Die Eigenkapitalquote beträgt per 31.12.2001 19,2%.
In den Verbindlichkeiten in Höhe von € 65,0 Mio. ist nachrangiges Anleihekapital aus der Optionsanleihe 1999 - 2003 und aus der Optionsanleihe 2001 - 2006 im Ausmaß von €18,0 Mio. enthalten.
Die Abschreibungen betragen im Jahr 2001 €29,5 Mio. (2000: €18,3 Mio.). Dieser starke Anstieg ist im Vergleich zum Vorjahr primär auf die außerplanmäßigen Abschreibungen von Firmenwerten in der Höhe von €9,3 Mio. zurückzuführen.
Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit liegt auf dem Niveau des Vorjahres, unter Außerachtlassung der einmaligen Restrukturierungskosten im Ausmaß von €4,0 Mio. und den außerplanmäßigen Abschreibungen in Höhe von €10,6 Mio., ergibt sich jedoch eine deutliche Verbesserung um €14,6 Mio.
Nach Berücksichtigung des außerordentlichen Ergebnisses von €15,4 Mio. aus der Besserungsvereinbarung, ergibt sich ein konsolidierter Jahresfehlbetrag von €29,1 Mio.
Unter Außerachtlassung der einmaligen Restrukturierungskosten im Ausmaß von €4,0 Mio. und den außerplanmäßigen Abschreibungen in Höhe von €10,6 Mio., vermindert sich der Jahresfehlbetrag auf €-14,5 Mio gegenüber €-41,6 Mio im Vorjahr.
Die Aktien – Der Kapitalmarkt
Trotz der äußerst schwierigen Situation am Kapitalmarkt, insbesondere für Telekommunikationsunternehmen, ist es CyberTron im Jahr 2001 gelungen, einige Kapitalmarkttransaktionen durchzuführen:
- Im Juni 2001 wurde ein Finanzierungsabkommen mit dem amerikanischen Investor GEM Global Yield Fund abgeschlossen. Im Rahmen dieser Vereinbarung verpflichtet sich GEM, neue CyberTron Aktien im Gesamtwert von €25,0 Mio. zu zeichnen, dabei hat CyberTron das Recht, innerhalb der nächsten 24 Monate dieses Kapital tranchenweise abzurufen. Diese Finanzierungsmöglichkeit wurde von CyberTron noch nicht in Anspruch genommen und steht dem Unternehmen weiterhin zur Verfügung.
- Ein im Dezember 2001 durchgeführter Debt/Equity Swap über €1,7 Mio. hat zu einer Reduktion der Leasingverbindlichkeiten geführt.
- Durch eine in den letzten Monaten des Jahres 2001 verhandelte Barkapitalerhöhung in Höhe von €3,0 Mio. wurde dem Unternehmen im Jänner 2002 frische Liquidität zugeführt. Diese Barkapitalerhöhung wurde von einem Altgesellschafter, der Invest Equity und einem neuen Investor, der Go Equity gezeichnet.
Restrukturierung der Verbindlichkeiten
Um die Liquidität der Gesellschaft zu verbessern, wurden im Jahr 2001 zusätzlich folgende Maßnahmen umgesetzt:
- Die quartalsweisen Rückzahlungen der nachrangigen Optionsanleihe 1999 - 2003, die zur Gänze von der Creditanstalt AG (CA) gezeichnet wurde, und deren Garantie für die vollständige Rückzahlung die Finanzierungsgarantie-Gesellschaft mbH (FGG) übernommen hat, wurden durch eine Vereinbarung für den Zeitraum 30.12.2000 - 30.12.2001 ausgesetzt.
- CyberTron hat auch im heurigen Jahr weitere Verhandlungen um eine Restrukturierung des FGG besicherten Bonds geführt. Im Zuge der Neuverhandlung kam es bis zur Aufstellung des Konzernabschlusses zu einer Stundung der Tilgung der Rückzahlungsraten per 30.03.2002 und 30.06.2002.
- Durch die Neuverhandlung der Leasingverträge (fristenkongruente Anpassung der Laufzeit an die tatsächliche Nutzungsdauer) wurden die monatlichen Belastungen deutlich reduziert.
Das Jahr 2002 – die jüngsten Entwicklungen
Damit darf ich auf das erste Halbjahr 2002 eingehen, das im Wesentlichen eine Fortsetzung des bereits 2001 eingeschlagenen Kurses darstellt. Durch die rigorose Straffung der Organsiation und weitere Verbesserung unserer Kostenposition in allen Bereichen sowie der ständigen Arbeit an der Restrukturierung unserer Verbindlichkeiten, haben die von uns am 21. Mai dieses Jahres vorgelegten Zahlen zum ersten Quartal die erfolgreiche Umsetzung aller Maßnahmen bestätigt. Das operative Ergebnis konnte erneut verbessert werden und war damit seit September 2001 positiv – nahezu ein Alleinstellungsmerkmal unter den alternativen Telekomunternehmen Europas. D.h. die operativen Erträge waren höher als die monatlichen Kosten. Mit dem monatlichen Überschuss wurde begonnen, die aufgebauten Verbindlichkeiten zurückzuführen. Das Management ging davon aus – die Zahlen haben es ja bestätigt – den operativen „turnaround“ geschafft zu haben. Durch weitere Anstrengungen am Markt und bei den Kosten sollten Zahlungen an Lieferanten weiter gesichert werden.
Ich möchte nochmals betonen, dass der CyberTron Konzern weder per 31. Dezember 2001, noch bei Bekanntgabe des vorläufigen Jahresergebnisses oder des endgültigen Jahresergebnisses am 17. Mai 2002 und auch bei der ad-hoc Mitteilung vom 21. Mai 2002 zum ersten Quartal 2002, eine Überschuldung aufwies.
Aufgrund des schwierigen Marktumfelds für Telekommunikationsunternehmen wurde im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses 2001 eine bilanzielle Neubewertung von Bilanzansätzen, insbesondere im Bereich der Beteiligungen und der Firmenwerte notwendig. Diese Abschreibungen sind zusammen mit den bisher aufgelaufenen Abschreibungen und Verlusten mehr als die Hälfte des Grundkapitals. Die Gesellschaft hat daher am 29. April 2002 den Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals bekannt gegeben.
Als Sofortmaßnahme hat das Management mit institutionellen Inhabern der nachrangigen Optionsanleihe 2001 – 2006 die Verhandlungen über den Abschluss einer Besserungsvereinbarung aufgenommen:
- Mit Wirkung zum 31.Dezember 2001 haben zwei institutionelle Inhaber der nachrangigen Optionsanleihe 2001 - 2006 der CyberTron, auf im Jänner 2006 fällige Forderungen plus Zinsen im Ausmaß von €15,4 Mio. gegen eine Besserungsvereinbarung verzichtet. Somit konnte durch den außerordentlichen Ertrag in gleicher Höhe eine nachhaltige Verbesserung der Eigenkapitalsituation, im Interesse aller Aktionäre der CyberTron, erzielt werden. Die abgeschlossene Besserungsvereinbarung sieht im wesentlichen vor, dass die Besserung eintritt, wenn und insoweit im Jahresabschluss der CyberTron für das Geschäftsjahr 2005 und den nachfolgenden Geschäftsjahren - unter Außerachtlassung des Entstehens der Besserungsforderungen, ein Jahresüberschuss gemäß § 231 Abs. 3 Z 21 HGB oder ein Bilanzgewinn ausgewiesen würde.
- Das Gesamtausmaß der eingeräumten Besserungsansprüche entspricht dem fiktiv verzinsten Betrag des Forderungsverzichts.
Die letzten 2 Juniwochen
Doch all diese nachvollziehbaren Fortschritte in der Entwicklung der CyberTron haben nicht ausgereicht - hat uns doch die Telekom Austria am 25. Juni 2002, 0:00 Uhr, die Verbindungsleitungen zwischen dem Netz der CyberTron und dem Netz der Telekom Austria gekappt, und damit die Geschäftsgrundlage des Unternehmens entzogen.
Wie war es dazu gekommen? Im Zuge unserer Verhandlungen mit der Telekom Austria über die Restrukturierung unserer Verbindlichkeiten, im wesentlichen die Abstimmung über einen akkordierten Zahlungsplan zur Rückführung der Verbindlichkeiten aus den Kollokationsverträgen, gab es am Freitag, dem 14. Juni 2002 Gespräche zwischen dem von uns bevollmächtigten Mitarbeiter und den Verhandlungspartnern der Telekom Austria. Dabei wurde unserem Mitarbeiter mitgeteilt, dass der vorgelegte Zahlungsplan durchaus realistisch und daher auch vom Vorstand der Telekom Austria positiv bewertet würde. Weiters wurde ihm mitgeteilt, dass er den für die darauffolgende Woche geplanten Urlaub genießen soll und ruhig auch sein Handy abschalten kann; seitens der Telekom Austria würden die Verhandlungen nach seinem Urlaub weiter geführt werden.
Am Montag, den 17. Juni erhielten wir - kurz vor Ende der Banköffnungszeiten - von unserer Bank den Anruf, dass die Telekom Austria sämtliche von der CyberTron erlegten Bankgarantien in Höhe von € 1,7 Mio gezogen hätte. Abends erhielten wir von der Telekom Austria telefonisch Bescheid, dass ein Brief an uns unterwegs sei und um Mitternacht die Verbindungsleitungen zwischen Telekom Austria und CyberTron getrennt werden.
Ab Dienstag, den 18. Juni, Mitternacht, wurde die Anzahl an Netzverbindungsleitungen zwischen den Netzen drastisch reduziert – ab 14:00 Uhr hatte CyberTron nicht einmal mehr 30% der normal verfügbaren Kapazität. Die Folgen für unsere Kunden waren fatal – das Aufrechterhalten eines normalen Telefoniedienstes war nicht mehr möglich. Während des gesamten Tages war es für uns unmöglich, einen Gesprächspartner bei der Telekom Austria zu erreichen – der einhellige Kommentar aller kontaktierten Mitarbeiter der Telekom Austria: „das ist eine Vorstandsentscheidung, wir dürfen nicht mit Ihnen sprechen – bitte setzen Sie sich mit dem Vorstand direkt in Verbindung“. Da jedoch keiner der Vorstände der Telekom Austria für uns erreichbar war, mussten wir bis 16:45 Uhr auf einen Rückruf von Herrn Mag. Fischer warten, der überrascht über die Auswirkungen auf unseren Betrieb war, aber aufgrund unserer Intervention eine baldige Besserung versprach. Gegen 22:00 Uhr verbesserte sich dann auch wieder die Situation und CyberTron hatte ca. 50% der normalen Netzkapazität wiedererlangt. Parallel dazu ist es uns gelungen, mit alternativen Carrieren Terminierungsvereinbarungen zu treffen, sodass wir ab Mittwoch unseren Kunden wieder einen einigermaßen normalen Geschäftsbetrieb bieten konnten.
In diesem einzigen Telefonat zwischen Telekom Austria Vorstand und CyberTron Vorstand wurde uns auch ein 24-stündiges Ultimatum zum Vorlegen eines Lösungsvorschlages zur Rückführung der Verbindlichkeiten gesetzt. Parallel dazu haben wir am Dienstag ein Verfahren bei der Rundfunk- und Telekom RegulierungsgmbH gegen die Telekom Austria eingeleitet.
Am Mittwoch erreichte uns dann das Schreiben der Telekom Austria mit einer Kündigung der „Interconnection-Verträge“ (Zusammenschaltung der Netze der CyberTron Telekom AG mit dem Netz der Telekom Austria) und der Kündigung des „Entbündelungs“- und „Kollokationsvertrages“. Innerhalb der gesetzten 24-Stunden Frist haben wir die uns von der Telekom Austria übermittelten Zahlen überprüft und einen aus unserer Sicht durchaus akzeptablen Zahlungsplan vorgelegt, der eine Fortführung unseres Geschäfts in einer für die Telekom Austria nicht nachteiligen Form sichergestellt hätte.
Am Donnerstag, den 20. Juni 2002, erhielten wir auch durchaus Signale von Mitarbeitern der Telekom Austria, die auf eine positive Prüfung unseres Vorschlags hindeuten ließen.
Am Freitag Nachmittag wurde dann telefonisch ein Verhandlungstermin für Montag 15:00 Uhr in den Räumlichkeiten der Telekom Austria zwischen den Vorständen der CyberTron und dem Verhandlungsteam der Telekom Austria vereinbart. Nachfolgend die Darstellung der Gesamtsituation, der uns von der Telekom Austria übermittelten Zahlen unserer Verbindlichkeiten:
Verbindlichkeiten aus Interconnection der CyberTron Telekom AG: EUR 1,759.626,70
Verbindlichkeiten aus Interconnection der CyberTron mit 1066 GmbH: EUR 2.097.834,98
Verbindlichkeiten aus Kollokation: EUR 1,472.532.10
Gesamt: EUR 5,329.993,70
Wie sehr sich diese Zahlen allerdings relativieren, möchte ich am Beispiel der Interconnection-Verbindlichkeiten der CyberTron Telekom AG darstellen: Die CyberTron Telekom AG hatte laut Saldenliste der Telekom Austria eine offene Verbindlichkeit aus Interconnection in Höhe von EUR 1,759.626,70 – von dieser Gesamtsumme wurden von CyberTron EUR 126.190,56 beeinsprucht und weiters die Summe von EUR 493.515,80 aus abgestimmter Gegenverrechnung mit der Telekom Austria in Abzug gebracht. Weiters kann von dieser Summe ein Betrag von EUR 600.000,- in Abzug gebracht werden, den die Telekom Austria aus der Sicherstellung durch Bankgarantien erhalten hat. Damit belaufen sich offene Forderungen der Telekom Austria an die CyberTron Telekom AG aus der Interconnection-Vereinbarung mit der CyberTron Telekom AG auf EUR 539.920,34 – ein Betrag der von CyberTron zum damaligen Zeitpunkt bezahlt hätte werden können.
Weiters relativiert sich die Gesamtverbindlichkeit des Konzerns gegenüber der Telekom Austria, wenn man sich das Gesamtverrechnungsvolumen des wichtigsten und größten Lieferanten mit CyberTron ansieht:
So hat CyberTron im Jahr 2000 eine Betrag von EUR 18.474.441,72 bzw. im Jahr 2001 einen Betrag von EUR 19.150.955,71 an die Telekom Austria bezahlt. Der Termin wurde am Montag von Herrn Dr. Adler und mir wahrgenommen, um den von uns vorgelegten Zahlungsplan zu erläutern, bzw. um über alternative Szenarien zu sprechen. Unser primäres Verhandlungsziel war die Weiterführung des Interconnection- Vertrages der CyberTron Telekom AG. Wir haben deshalb angeboten, bis 10. Juli 2002 die Verbindlichkeiten der CyberTron Telekom AG aus dem IC Vertrag komplett zu begleichen und bis dahin die restlichen offenen Salden zu klären, bzw. um die Verbindlichkeiten gegenüber der Telekom Austria nicht weiter zu vergrößern – ab sofort im voraus zu bezahlen, um den normalen Geschäftsbetrieb wieder aufnehmen zu können bzw. abzusichern. Die Verhandlungen verliefen durchaus harmonisch und es war, obwohl seitens Telekom Austria keine Zusagen gemacht wurden, für uns durchaus realistisch hier einen gangbaren Weg aufgezeigt zu haben. Das Verhandlungsteam der Telekom Austria teilte uns mit, dass bis 19:00 Uhr eine Entscheidung durch den Vorstand erfolgen würde und man uns unmittelbar anschließend telefonisch das Ergebnis mitteilen würde.
Gegen 19:30 Uhr erhielten wir dann den Anruf eines der Verhandlungsteilnehmers der Telekom Austria, der uns mitteilte, dass weder unser Zahlungsvorschlag, noch eine Vorauszahlung für zukünftig zu erbringende Leistungen die Zustimmung des Vorstandes erhalten hatte und man das Netz um Mitternacht abschalten werde. Auch an diesem Abend war für uns niemand vom Vorstand der Telekom Austria, weder persönlich noch telefonisch, erreichbar.
Da der Betrieb einer alternativen Telefongesellschaft ohne Verbindungsleitungen zum Ex-Monopolisten nicht aufrecht zu erhalten ist – unser Geschäft ist binär; das Netz ist „ein“ oder „aus“ – und ab Mitternacht waren wir „aus“ – war unsere größte Sorge, die weitere Versorgung unserer ca. 70.000 Kunden sicherzustellen und den Wert den dieser Kundenstock darstellt, langfristig für die Gesellschaft abzusichern. Daher traf noch am Montag in der Nach gegen 23:00 Uhr das erste Verhandlungsteam eines alternativen Carrieres bei uns ein, um über eine weitere Versorgung unserer Kunden zu verhandeln.
In den darauffolgenden 24 Stunden wurde mit allen wesentlichen, in Österreich operativen Telefongesellschaften über eine Lösung für unsere Kunden gesprochen und am Dienstag Nacht fiel von uns die Entscheidung, die weitere Versorgung unserer Kunden gemeinsam mit der UTA Telekom AG sicherzustellen.
Die Zusammenarbeit der letzten Tage mit der UTA, sowohl auf Management-, aber auch auf operativer Ebene, hat uns gezeigt, dass wir den richtigen Partner gewählt haben und unsere Kunden auch weiterhin bestens betreut werden.
Durch die radikale Vorgehensweise der Telekom Austria wurde uns unmittelbar die Grundlage zum Betrieb unseres Geschäfts genommen – daher sahen wir uns am 27. Juni 2002 gezwungen, einen Antrag auf Eröffnung eines Ausgleichsverfahrens über die CyberTron Telekom AG beim Handelsgericht Wien zu stellen.
Bereits diese Woche Montag wurde von den Mitgliedern des Gläubigerbeirats und des Ausgleichsverwalters Dr. Peter Schulyok, den mit der UTA verhandelten Vereinbarungen zugestimmt und damit der Grundstein für eine Erfüllung des Ausgleichs gelegt. Bis zur ersten Ausgleichstagssatzung, die am 13. August 2002 stattfinden wird, liegt es an uns ein Fortführungskonzept zu erstellen.
Ich möchte darauf hinweisen, dass sich durch den angemeldeten Ausgleich sämtliche Annahmen, die bei der Erstellung des Jahresabschlusses gültig waren, relativiert haben und es zu gravierenden Änderungen zwischen dem Zeitpunkt der Feststellung des Jahresabschlusses durch den Aufsichtsrat und dem heutigen Tag der Hauptversammlung gekommen ist.
Ich möchte auch noch auf einige Gerüchte und Halbwahrheiten eingehen, die in den letzten Tagen durch die Medien gingen:
- Gerücht: Die CyberTron Telekom AG ist mit über EUR 60 Mio. überschuldet.
Dementi: Die Gesamtverbindlichkeiten der CyberTron Telekom AG betragen laut Einzelabschluss per 31.12.2001 EUR 41.068.637,93; davon entfallen EUR 17.960.414,73 auf nachrangige Anleihen, sodass eine Gesamtverbindlichkeit von EUR 23.108.223,20 zum Tragen kommt – eine Überschuldung der Gesellschaft lag vor Abschaltung der Leitungen durch die Telekom Austria nicht vor.
- Gerücht: Die CyberTron Telekom AG hat zuwenig Informationen über den tatsächlichen Geschäftsbetrieb bekanntgegeben.
Dementi: Als börsennotierte Gesellschaft haben wir den strengen Richtlinien des Börse- Gesetzes und der Wiener Börse zu folgen -unhabhängig vonder Verpflichtung, Detailzahlen im Quartalsbericht bekannt zu geben. haben wirseit unserem Börsengang weit über das vorgeschriebene Maß detailliertes Zahlenmaterial quartalsweise publiziert.
- Gerücht: Die Altaktionäre haben durch den Börsengang „abgezockt“.
Dementi: Soweit mir persönlich bekannt ist, hat niemand aus dem Umfeld der Altaktionäre einen persönlichen Vorteil durch den Verkauf von CyberTron Aktien erzielt – im Gegenteil: Ein Großteil der Altaktionäre hat heute persönliche Verbindlichkeiten, die aufgrund von Beteiligungen an Kapitalmaßnahmen der CyberTron in den letzten 4 Jahre entstanden sind.
Das prozentuelle Absinken der Beteiligungen der Altaktionäre am Unternehmen beruht auf dem „Verwässerungseffekt“, der durch Ausgabe neuer Aktien entsteht – z. B. bei Kapitalerhöhungen.
Weiters möchte ich hier auch noch festhalten, dass die jetzt operativen Vorstände seit April 2001 kein Gehalt – und auch sonst keinen finanziellen Vorteil aus Ihrer Tätigkeit für das Unternehmen - erhalten haben. Im Rahmen des ESOP wurden 100% unseres Gehalts für eine Barkapitalerhöhung im März 2002 aufgewendet. Erlauben sie mir noch einige Worte zum österreichischen Telekommarkt und dessen Entwicklung der letzten Jahre zu sagen:
CyberTron ist 1997 angetreten die einmaligen Chancen, die sich aus der Liberalisierung eines Marktes ergeben, zu nutzen. Ziel der österreichischen Deregulierung war es, Endkunden, neben günstigeren Preisen für Telefonie, auch neue innovative, integrierte Sprach- und Datendienste zur Verfügung zu stellen. Insbesondere der Aufbau, der Betrieb und die Versorgung Österreichs mit Internetdiensten wurde dadurch erst richtig möglich. Zum damaligen Zeitpunkt sahen wir zwei denkbare Geschäftsmodelle:
- Das reine Reselling und Arbitragegeschäft mit Telefonminuten, ohne eigene Infrastruktur,
- oder der Aufbau eines eigenen Netzes, das langfristig die Entwicklung neuer Dienste erst ermöglicht.
Wir haben uns damals für den schwierigeren, mühevolleren und auch kapitalintensiveren Weg entschieden, der uns aber langfristig eine deutlich bessere Perspektive bot. So prüften wir alle Zugangstechnologien, um schnell und kostengünstig Endkunden mit unseren Diensten zu erreichen:
- Ab 1998 waren „Punkt-zu-Mehrpunkt“-Richtfunksysteme einer der alternativen Zugangsmöglichkeiten zum Endkunden – findet heute kaum mehr Einsatz. Nahzu alle Telekomunternehmen, die auf diese Technologie gesetzt haben, sind heute nicht mehr tätig.
- Ab 1999 war „fibre-to-the-home“ in aller Munde – schier unerschöpfliche Kapazität in jeden Haushalt – heute kein Thema mehr, da es keine Finanzierungsmöglichkeit für diese Projekte mehr gibt.
- Ab 2000 war die Versorgung über bestehende Stromleitungen das große Thema
- aufgrund der vielen technischen Probleme dieser Technologie wurden großteils die errichteten Versuchsnetze wieder abgebaut und die Neuentwicklung nahezu eingestellt.
Wir haben seit 1998 an einer Lösung gearbeitet, den Zugang über das in den letzten Jahrzehnten verlegte Kupferkabel für unsere Dienste zu nutzen. Der Weg dazu war für uns ab Mai 1999 frei: Wir unterzeichneten als erster Anbieter den „Entbündelungs- Vertrag und den „Kollokations-Vertrag“ mit der Telekom Austria.
Diese Verträge gaben uns das Recht, direkt in den Wählämtern der Telekom Austria Räume anzumieten und das in jedem Haushalt und zu jedem Unternehmen führende Kupferkabel für unsere Dienste zu verwenden.
Diese bis zum 25. Juni 2002 von uns verfolgte Strategie, die Hoheit über die letzte Meile zu erlangen, war bereits seit 1998 unser Ziel und auch unsere „Investment Story“ für den Börsengang im Dezember 1999. Ein Großteil der - durch diverse Kapitalmarktmaßnahmen - erzielten Einnahmen ging direkt in Investitionen in unsere Infrastruktur.
Doch durch den bevorstehenden Börsegang der Telekom Austria wurde im Laufe der Monate, eigentlich Jahre, die Übergabe der fertiggestellten Wählämter an uns durch die Telekom Austria immer stärker blockiert: Wir hatten uns im Sommer 1999 die Rechte an 400 Wählämtern der Telekom Austria gesichert, damit wäre es möglich geworden, nahezu 70% des österreichischen Telekommarktes mit eigener Infrastruktur zu versorgen. Im Herbst 2000 (also ca. 18 Monate nach Abschluss des Vertrages mit der Telekom Austria) wurde uns das erste Wählamt übergeben, im Monatsrhythmus folgten dann zwei bis drei weitere. Damit wurde es für uns unmöglich, innerhalb der geplanten und von uns prognostizierten Zeiträume die dazu passenden Umsätze mit deckungsbeitragsstarken Produkten auf den Markt zu bringen – man hat uns seitens der Telekom Austria regelrecht ausgehungert. Trotz unzähligen Interventionen unsererseits war es uns nicht möglich, die Übergabe der Wählämter zu beschleunigen. Der Erfolg von breitbandigen Datendiensten, die über das „alte“ Kupferkabel produziert werden, insbesondere von ADSL in ganz Europa gibt uns absolut Recht, dass die von uns verfolgte Strategie richtig war. Allerdings stellt sich auch weltweit die gleiche Problematik dar: Die Monopolisten und Ex-Monopolisten beherrschen diesen Markt, da überall in gleicher Art und Weise der Zugang der alternativen Anbieter zum Kupfernetz verzögert und behindert wird. Weltweit hat die Deregulierung in diesem Bereich versagt.
Das gesamte Team - Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre, Banken und Lieferanten – die über die letzten Jahre mit uns gemeinsam CyberTron zur kreativen Kraft in der österreichischen Telekommunikation gemacht haben, hat in den letzten 6 Jahren unglaubliches geleistet – und obwohl unsere Ideen und Visionen letztendlich durch die Monopolstellung der Telekom Austria als gescheitert anzusehen sind, bin ich dennoch stolz darauf, über all die Jahre mit Ihnen zusammen gearbeitet haben zu dürfen.
Aufgrund der schwierigen Situation in der sich die CyberTron Telekom AG seit letzter Woche befindet, gab es im Laufe der letzten Tage für uns als Vorstände die Möglichkeit die Hauptversammlung abzusagen, sie zu verschieben oder wie angekündigt abzuhalten. Wir haben uns dann intern sehr schnell darauf verständigt, diese Hauptversammlung wie geplant stattfinden zu lassen:
1. Ich stehe seit sechs Jahren in der ersten Reihe dieses Unternehmens und viele von Ihnen haben nicht nur mich, sondern auch das gesamte Führungsteam der CyberTron persönlich kennengelernt. Wir möchten heute im Rahmen dieser Hauptversammlung die Gelegenheit wahrnehmen, über die aktuellen Geschehnisse zu berichten und weiters zu den vielen Gerüchten der letzten Tage persönlich Stellung zu nehmen.
2. Die CyberTron war nie eine anonyme Gesellschaft – die Identifikation der Gründungsgesellschafter, des Führungsteams aber auch jedes einzelnen CyberTron Mitarbeiters war in der Vergangenheit deutlich höher als bei anderen Unternehmen – auch die Verbundenheit unserer Kunden und Großaktionäre hat uns gerade in den letzten Tagen gezeigt, wie sehr sie am Schicksal dieser Gesellschaft teilhaben. Sie alle haben das Recht, über die aktuelle Lage informiert zu werden und wir als Gründer und Vorstände sehen es als unsere Pflicht an, hier und heute zur Beantwortung Ihrer Fragen zur Verfügung zu stehen.
Bevor ich aber auf die aktuellen Ereignisse der letzten zwei Wochen eingehe, möchte ich einen Rückblick auf das Jahr 2001 geben – auch um die aktuelle Situation der CyberTron besser darstellen zu können:
Allgemeines Marktumfeld
Wie bereits in den letzten Jahren, war auch das Jahr 2001 von wechselnden Marktbedingungen am Telekommunikationssektor geprägt. Nach den - für den gesamten TMT-Sektor weltweit - euphorischen Jahren 1998 und 1999 und einer davon ausgehenden ungeheuren Kraft, die durch eine große Anzahl von jungen, dynamischen Unternehmen, gepaart mit unbegrenzt scheinenden Finanzressourcen – durch Venture- Kapital und den öffentlichen Kapitalmarkt – den gesamten Globus erfasste, hat ab Frühjahr 2000 – ausgelöst durch die Versteigerung der UMTS-Lizenzen in England und Deutschland und den dabei von Telekommunikationsunternehmen eingesetzten Summen – eine noch nie dagewesene Ernüchterung eingesetzt. Das Vertrocknen des bis dahin strömenden Kapitalflusses hat bereits im dritten und vierten Quartal 2000 zu den ersten Opfern unter den mittlerweile klassischen, sogenannten „new-economy“- Unternehmen geführt.
Die negative Grundstimmung des Marktes hat sich im Gesamtjahr 2001 kaum geändert. Im Gegenteil, die bis dahin im großen Umfang getätigten Investitionen der „Internet- Unternehmen“ in neue Geschäfts-Modelle und neue Telekommunikationsdienste kamen nahezu vollständig zum Erliegen. Die durch die Telekoms u. a. für die Erfordernisse der „new-economy“ errichteten Internet- und Bandbreitenkapazitäten wurden weltweit nicht in jenem Ausmaß genutzt wie ursprünglich angenommen, und die klassische Sprachtelefonie war durch die Vielzahl von Anbietern einem extremen Wettbewerb und damit einhergehend massiven Margendruck ausgesetzt.
Die Zahlen
Unter diesen ungünstigen Vorzeichen sind wir angetreten, den gesamten CyberTron Konzern den veränderten Marktgegebenheiten anzupassen und nach einem Jahr außergewöhnlichen Wachstums (CyberTron war im Jahr 2000 das am schnellst wachsende Telekommunikationsunternehmen Europas) in die operative Profitabilität zu führen, um unter Beweis zu stellen, dass unser Geschäftsmodell auch unter schwierigen Marktbedingungen funktioniert. So war das Jahr 2001 durch eine Vielzahl operativer Restrukturierungsmaßnahmen geprägt:
- Durch die Automatisierung eines Großteils der Unternehmensabläufe ist es möglich geworden, auch Massenprodukte effizient und kostengünstig abzuwickeln. Damit einhergehend konnte die Anzahl der administrativ tätigen Mitarbeiter deutlich gesenkt werden.
- Die Fertigstellung der österreichweiten Backbone-Infrastruktur hat den Abbau eines Großteils der Mitarbeiter der Netzplanungs- und Netzbauabteilungen ermöglicht.
- Die strategische und finanzielle Evaluierung unserer Unternehmensbeteiligungen hat zu einer weiteren Straffung und Konsolidierung geführt.
- Durch die Neuorganistion der Customer-Relation Abteilung und die Einführung neuer, unternehmensweit zur Verfügung stehender Tools ist es uns gelungen, die Kommunikation mit unseren Kunden deutlich zu verbessern.
- Der Fokus auf ertragsstarke Produkte und Kunden, deren Dienste auf eigener Infrastruktur produziert werden, führte zu einer deutlichen Erhöhung der Bruttomarge.
Im Jahr 2001 hat sich CyberTron, trotz des schwierigen Marktumfelds, den klaren 2. Platz unter den alternativen Telekommunikationsunternehmen Österreichs gesichert. Über das Jahr gesehen konnte der Umsatzverlust, der durch aus dem Markt gegangene Großkunden entstanden ist, nahezu vollständig durch Neukunden kompensiert werden. Der Konzernumsatz ist mit € 66,7 Mio. im Vergleich zu € 70,2 Mio. im Jahr 2000 leicht gesunken.
Die wesentliche Ertragskennzahl in der Telekommunikationsbranche, das EBITDA (operative Betriebstätigkeit ohne Zinsen, Abschreibungen und Steuern) beträgt für die CyberTron-Gruppe für das Jahr 2001 € -8,5 Mio. gegenüber € -19,7 Mio. im Jahr 2000. Durch die rigorose Umsetzung der kostensparenden und ertragssteigernden Maßnahmen ist es uns im September 2001 erstmals - als eines der wenigen europäischen alternativen Telekommunikationsunternehmen - gelungen, auf Monatsbasis ein positives EBITDA zu erreichen. Durch die seither veröffentlichten Quartalsergebnisse konnten wir die nachhaltig positive Entwicklung des Unternehmens weiter unter Beweis stellen und das operative Ergebnis von Quartal zu Quartal verbessern.
Die operative Umsatzrendite (EBITDA/Umsatz) hat sich im Konzern von -28% im Jahre 2000 auf -12,7% im Jahr 2001 verbessert. Das, obwohl das dritte Quartal 2001 durch einmalige Restrukturierungskosten im Ausmaß von €4,0 Mio. (vor allem Beendigungskosten von Mieten und Personal) belastet wurde.
Im Jahr 2001 sank der Wert der Beteiligungen von €19,6 Mio. auf €4,5 Mio. Aufgrund der allgemeinen Kursentwicklung von Telekom-Aktien an den internationalen Börsen wurden die aktivierten Firmenwerte in Höhe von €9,3 Mio. außerplanmäßig abgeschrieben.
Im Geschäftsjahr 2001 wurden €5,3 Mio. in immaterielle Vermögensgegenstände und €12,7 Mio. in materielle Vermögensgegenstände investiert. Der Buchwert des Sachanlagevermögens zuzüglich der immateriellen Vermögensgegenstände beträgt zum Bilanzstichtag €45,5 Mio.
Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sind von €18,5 Mio. auf €11,1 Mio. gesunken. Der starke Rückgang resultiert aus einer Verbesserung des Mahnablaufes, verstärktem Inkasso und einer Verbesserung der Fakturierungsqualität. Unter Berücksichtigung der im abgelaufenen Geschäftsjahr durchgeführten Kapitalerhöhungen, beträgt das Konzerneigenkapital zum 31.12.2001 €15,5 Mio. (31.12.2000: €39,9 Mio.). Die Eigenkapitalquote beträgt per 31.12.2001 19,2%.
In den Verbindlichkeiten in Höhe von € 65,0 Mio. ist nachrangiges Anleihekapital aus der Optionsanleihe 1999 - 2003 und aus der Optionsanleihe 2001 - 2006 im Ausmaß von €18,0 Mio. enthalten.
Die Abschreibungen betragen im Jahr 2001 €29,5 Mio. (2000: €18,3 Mio.). Dieser starke Anstieg ist im Vergleich zum Vorjahr primär auf die außerplanmäßigen Abschreibungen von Firmenwerten in der Höhe von €9,3 Mio. zurückzuführen.
Das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit liegt auf dem Niveau des Vorjahres, unter Außerachtlassung der einmaligen Restrukturierungskosten im Ausmaß von €4,0 Mio. und den außerplanmäßigen Abschreibungen in Höhe von €10,6 Mio., ergibt sich jedoch eine deutliche Verbesserung um €14,6 Mio.
Nach Berücksichtigung des außerordentlichen Ergebnisses von €15,4 Mio. aus der Besserungsvereinbarung, ergibt sich ein konsolidierter Jahresfehlbetrag von €29,1 Mio.
Unter Außerachtlassung der einmaligen Restrukturierungskosten im Ausmaß von €4,0 Mio. und den außerplanmäßigen Abschreibungen in Höhe von €10,6 Mio., vermindert sich der Jahresfehlbetrag auf €-14,5 Mio gegenüber €-41,6 Mio im Vorjahr.
Die Aktien – Der Kapitalmarkt
Trotz der äußerst schwierigen Situation am Kapitalmarkt, insbesondere für Telekommunikationsunternehmen, ist es CyberTron im Jahr 2001 gelungen, einige Kapitalmarkttransaktionen durchzuführen:
- Im Juni 2001 wurde ein Finanzierungsabkommen mit dem amerikanischen Investor GEM Global Yield Fund abgeschlossen. Im Rahmen dieser Vereinbarung verpflichtet sich GEM, neue CyberTron Aktien im Gesamtwert von €25,0 Mio. zu zeichnen, dabei hat CyberTron das Recht, innerhalb der nächsten 24 Monate dieses Kapital tranchenweise abzurufen. Diese Finanzierungsmöglichkeit wurde von CyberTron noch nicht in Anspruch genommen und steht dem Unternehmen weiterhin zur Verfügung.
- Ein im Dezember 2001 durchgeführter Debt/Equity Swap über €1,7 Mio. hat zu einer Reduktion der Leasingverbindlichkeiten geführt.
- Durch eine in den letzten Monaten des Jahres 2001 verhandelte Barkapitalerhöhung in Höhe von €3,0 Mio. wurde dem Unternehmen im Jänner 2002 frische Liquidität zugeführt. Diese Barkapitalerhöhung wurde von einem Altgesellschafter, der Invest Equity und einem neuen Investor, der Go Equity gezeichnet.
Restrukturierung der Verbindlichkeiten
Um die Liquidität der Gesellschaft zu verbessern, wurden im Jahr 2001 zusätzlich folgende Maßnahmen umgesetzt:
- Die quartalsweisen Rückzahlungen der nachrangigen Optionsanleihe 1999 - 2003, die zur Gänze von der Creditanstalt AG (CA) gezeichnet wurde, und deren Garantie für die vollständige Rückzahlung die Finanzierungsgarantie-Gesellschaft mbH (FGG) übernommen hat, wurden durch eine Vereinbarung für den Zeitraum 30.12.2000 - 30.12.2001 ausgesetzt.
- CyberTron hat auch im heurigen Jahr weitere Verhandlungen um eine Restrukturierung des FGG besicherten Bonds geführt. Im Zuge der Neuverhandlung kam es bis zur Aufstellung des Konzernabschlusses zu einer Stundung der Tilgung der Rückzahlungsraten per 30.03.2002 und 30.06.2002.
- Durch die Neuverhandlung der Leasingverträge (fristenkongruente Anpassung der Laufzeit an die tatsächliche Nutzungsdauer) wurden die monatlichen Belastungen deutlich reduziert.
Das Jahr 2002 – die jüngsten Entwicklungen
Damit darf ich auf das erste Halbjahr 2002 eingehen, das im Wesentlichen eine Fortsetzung des bereits 2001 eingeschlagenen Kurses darstellt. Durch die rigorose Straffung der Organsiation und weitere Verbesserung unserer Kostenposition in allen Bereichen sowie der ständigen Arbeit an der Restrukturierung unserer Verbindlichkeiten, haben die von uns am 21. Mai dieses Jahres vorgelegten Zahlen zum ersten Quartal die erfolgreiche Umsetzung aller Maßnahmen bestätigt. Das operative Ergebnis konnte erneut verbessert werden und war damit seit September 2001 positiv – nahezu ein Alleinstellungsmerkmal unter den alternativen Telekomunternehmen Europas. D.h. die operativen Erträge waren höher als die monatlichen Kosten. Mit dem monatlichen Überschuss wurde begonnen, die aufgebauten Verbindlichkeiten zurückzuführen. Das Management ging davon aus – die Zahlen haben es ja bestätigt – den operativen „turnaround“ geschafft zu haben. Durch weitere Anstrengungen am Markt und bei den Kosten sollten Zahlungen an Lieferanten weiter gesichert werden.
Ich möchte nochmals betonen, dass der CyberTron Konzern weder per 31. Dezember 2001, noch bei Bekanntgabe des vorläufigen Jahresergebnisses oder des endgültigen Jahresergebnisses am 17. Mai 2002 und auch bei der ad-hoc Mitteilung vom 21. Mai 2002 zum ersten Quartal 2002, eine Überschuldung aufwies.
Aufgrund des schwierigen Marktumfelds für Telekommunikationsunternehmen wurde im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses 2001 eine bilanzielle Neubewertung von Bilanzansätzen, insbesondere im Bereich der Beteiligungen und der Firmenwerte notwendig. Diese Abschreibungen sind zusammen mit den bisher aufgelaufenen Abschreibungen und Verlusten mehr als die Hälfte des Grundkapitals. Die Gesellschaft hat daher am 29. April 2002 den Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals bekannt gegeben.
Als Sofortmaßnahme hat das Management mit institutionellen Inhabern der nachrangigen Optionsanleihe 2001 – 2006 die Verhandlungen über den Abschluss einer Besserungsvereinbarung aufgenommen:
- Mit Wirkung zum 31.Dezember 2001 haben zwei institutionelle Inhaber der nachrangigen Optionsanleihe 2001 - 2006 der CyberTron, auf im Jänner 2006 fällige Forderungen plus Zinsen im Ausmaß von €15,4 Mio. gegen eine Besserungsvereinbarung verzichtet. Somit konnte durch den außerordentlichen Ertrag in gleicher Höhe eine nachhaltige Verbesserung der Eigenkapitalsituation, im Interesse aller Aktionäre der CyberTron, erzielt werden. Die abgeschlossene Besserungsvereinbarung sieht im wesentlichen vor, dass die Besserung eintritt, wenn und insoweit im Jahresabschluss der CyberTron für das Geschäftsjahr 2005 und den nachfolgenden Geschäftsjahren - unter Außerachtlassung des Entstehens der Besserungsforderungen, ein Jahresüberschuss gemäß § 231 Abs. 3 Z 21 HGB oder ein Bilanzgewinn ausgewiesen würde.
- Das Gesamtausmaß der eingeräumten Besserungsansprüche entspricht dem fiktiv verzinsten Betrag des Forderungsverzichts.
Die letzten 2 Juniwochen
Doch all diese nachvollziehbaren Fortschritte in der Entwicklung der CyberTron haben nicht ausgereicht - hat uns doch die Telekom Austria am 25. Juni 2002, 0:00 Uhr, die Verbindungsleitungen zwischen dem Netz der CyberTron und dem Netz der Telekom Austria gekappt, und damit die Geschäftsgrundlage des Unternehmens entzogen.
Wie war es dazu gekommen? Im Zuge unserer Verhandlungen mit der Telekom Austria über die Restrukturierung unserer Verbindlichkeiten, im wesentlichen die Abstimmung über einen akkordierten Zahlungsplan zur Rückführung der Verbindlichkeiten aus den Kollokationsverträgen, gab es am Freitag, dem 14. Juni 2002 Gespräche zwischen dem von uns bevollmächtigten Mitarbeiter und den Verhandlungspartnern der Telekom Austria. Dabei wurde unserem Mitarbeiter mitgeteilt, dass der vorgelegte Zahlungsplan durchaus realistisch und daher auch vom Vorstand der Telekom Austria positiv bewertet würde. Weiters wurde ihm mitgeteilt, dass er den für die darauffolgende Woche geplanten Urlaub genießen soll und ruhig auch sein Handy abschalten kann; seitens der Telekom Austria würden die Verhandlungen nach seinem Urlaub weiter geführt werden.
Am Montag, den 17. Juni erhielten wir - kurz vor Ende der Banköffnungszeiten - von unserer Bank den Anruf, dass die Telekom Austria sämtliche von der CyberTron erlegten Bankgarantien in Höhe von € 1,7 Mio gezogen hätte. Abends erhielten wir von der Telekom Austria telefonisch Bescheid, dass ein Brief an uns unterwegs sei und um Mitternacht die Verbindungsleitungen zwischen Telekom Austria und CyberTron getrennt werden.
Ab Dienstag, den 18. Juni, Mitternacht, wurde die Anzahl an Netzverbindungsleitungen zwischen den Netzen drastisch reduziert – ab 14:00 Uhr hatte CyberTron nicht einmal mehr 30% der normal verfügbaren Kapazität. Die Folgen für unsere Kunden waren fatal – das Aufrechterhalten eines normalen Telefoniedienstes war nicht mehr möglich. Während des gesamten Tages war es für uns unmöglich, einen Gesprächspartner bei der Telekom Austria zu erreichen – der einhellige Kommentar aller kontaktierten Mitarbeiter der Telekom Austria: „das ist eine Vorstandsentscheidung, wir dürfen nicht mit Ihnen sprechen – bitte setzen Sie sich mit dem Vorstand direkt in Verbindung“. Da jedoch keiner der Vorstände der Telekom Austria für uns erreichbar war, mussten wir bis 16:45 Uhr auf einen Rückruf von Herrn Mag. Fischer warten, der überrascht über die Auswirkungen auf unseren Betrieb war, aber aufgrund unserer Intervention eine baldige Besserung versprach. Gegen 22:00 Uhr verbesserte sich dann auch wieder die Situation und CyberTron hatte ca. 50% der normalen Netzkapazität wiedererlangt. Parallel dazu ist es uns gelungen, mit alternativen Carrieren Terminierungsvereinbarungen zu treffen, sodass wir ab Mittwoch unseren Kunden wieder einen einigermaßen normalen Geschäftsbetrieb bieten konnten.
In diesem einzigen Telefonat zwischen Telekom Austria Vorstand und CyberTron Vorstand wurde uns auch ein 24-stündiges Ultimatum zum Vorlegen eines Lösungsvorschlages zur Rückführung der Verbindlichkeiten gesetzt. Parallel dazu haben wir am Dienstag ein Verfahren bei der Rundfunk- und Telekom RegulierungsgmbH gegen die Telekom Austria eingeleitet.
Am Mittwoch erreichte uns dann das Schreiben der Telekom Austria mit einer Kündigung der „Interconnection-Verträge“ (Zusammenschaltung der Netze der CyberTron Telekom AG mit dem Netz der Telekom Austria) und der Kündigung des „Entbündelungs“- und „Kollokationsvertrages“. Innerhalb der gesetzten 24-Stunden Frist haben wir die uns von der Telekom Austria übermittelten Zahlen überprüft und einen aus unserer Sicht durchaus akzeptablen Zahlungsplan vorgelegt, der eine Fortführung unseres Geschäfts in einer für die Telekom Austria nicht nachteiligen Form sichergestellt hätte.
Am Donnerstag, den 20. Juni 2002, erhielten wir auch durchaus Signale von Mitarbeitern der Telekom Austria, die auf eine positive Prüfung unseres Vorschlags hindeuten ließen.
Am Freitag Nachmittag wurde dann telefonisch ein Verhandlungstermin für Montag 15:00 Uhr in den Räumlichkeiten der Telekom Austria zwischen den Vorständen der CyberTron und dem Verhandlungsteam der Telekom Austria vereinbart. Nachfolgend die Darstellung der Gesamtsituation, der uns von der Telekom Austria übermittelten Zahlen unserer Verbindlichkeiten:
Verbindlichkeiten aus Interconnection der CyberTron Telekom AG: EUR 1,759.626,70
Verbindlichkeiten aus Interconnection der CyberTron mit 1066 GmbH: EUR 2.097.834,98
Verbindlichkeiten aus Kollokation: EUR 1,472.532.10
Gesamt: EUR 5,329.993,70
Wie sehr sich diese Zahlen allerdings relativieren, möchte ich am Beispiel der Interconnection-Verbindlichkeiten der CyberTron Telekom AG darstellen: Die CyberTron Telekom AG hatte laut Saldenliste der Telekom Austria eine offene Verbindlichkeit aus Interconnection in Höhe von EUR 1,759.626,70 – von dieser Gesamtsumme wurden von CyberTron EUR 126.190,56 beeinsprucht und weiters die Summe von EUR 493.515,80 aus abgestimmter Gegenverrechnung mit der Telekom Austria in Abzug gebracht. Weiters kann von dieser Summe ein Betrag von EUR 600.000,- in Abzug gebracht werden, den die Telekom Austria aus der Sicherstellung durch Bankgarantien erhalten hat. Damit belaufen sich offene Forderungen der Telekom Austria an die CyberTron Telekom AG aus der Interconnection-Vereinbarung mit der CyberTron Telekom AG auf EUR 539.920,34 – ein Betrag der von CyberTron zum damaligen Zeitpunkt bezahlt hätte werden können.
Weiters relativiert sich die Gesamtverbindlichkeit des Konzerns gegenüber der Telekom Austria, wenn man sich das Gesamtverrechnungsvolumen des wichtigsten und größten Lieferanten mit CyberTron ansieht:
So hat CyberTron im Jahr 2000 eine Betrag von EUR 18.474.441,72 bzw. im Jahr 2001 einen Betrag von EUR 19.150.955,71 an die Telekom Austria bezahlt. Der Termin wurde am Montag von Herrn Dr. Adler und mir wahrgenommen, um den von uns vorgelegten Zahlungsplan zu erläutern, bzw. um über alternative Szenarien zu sprechen. Unser primäres Verhandlungsziel war die Weiterführung des Interconnection- Vertrages der CyberTron Telekom AG. Wir haben deshalb angeboten, bis 10. Juli 2002 die Verbindlichkeiten der CyberTron Telekom AG aus dem IC Vertrag komplett zu begleichen und bis dahin die restlichen offenen Salden zu klären, bzw. um die Verbindlichkeiten gegenüber der Telekom Austria nicht weiter zu vergrößern – ab sofort im voraus zu bezahlen, um den normalen Geschäftsbetrieb wieder aufnehmen zu können bzw. abzusichern. Die Verhandlungen verliefen durchaus harmonisch und es war, obwohl seitens Telekom Austria keine Zusagen gemacht wurden, für uns durchaus realistisch hier einen gangbaren Weg aufgezeigt zu haben. Das Verhandlungsteam der Telekom Austria teilte uns mit, dass bis 19:00 Uhr eine Entscheidung durch den Vorstand erfolgen würde und man uns unmittelbar anschließend telefonisch das Ergebnis mitteilen würde.
Gegen 19:30 Uhr erhielten wir dann den Anruf eines der Verhandlungsteilnehmers der Telekom Austria, der uns mitteilte, dass weder unser Zahlungsvorschlag, noch eine Vorauszahlung für zukünftig zu erbringende Leistungen die Zustimmung des Vorstandes erhalten hatte und man das Netz um Mitternacht abschalten werde. Auch an diesem Abend war für uns niemand vom Vorstand der Telekom Austria, weder persönlich noch telefonisch, erreichbar.
Da der Betrieb einer alternativen Telefongesellschaft ohne Verbindungsleitungen zum Ex-Monopolisten nicht aufrecht zu erhalten ist – unser Geschäft ist binär; das Netz ist „ein“ oder „aus“ – und ab Mitternacht waren wir „aus“ – war unsere größte Sorge, die weitere Versorgung unserer ca. 70.000 Kunden sicherzustellen und den Wert den dieser Kundenstock darstellt, langfristig für die Gesellschaft abzusichern. Daher traf noch am Montag in der Nach gegen 23:00 Uhr das erste Verhandlungsteam eines alternativen Carrieres bei uns ein, um über eine weitere Versorgung unserer Kunden zu verhandeln.
In den darauffolgenden 24 Stunden wurde mit allen wesentlichen, in Österreich operativen Telefongesellschaften über eine Lösung für unsere Kunden gesprochen und am Dienstag Nacht fiel von uns die Entscheidung, die weitere Versorgung unserer Kunden gemeinsam mit der UTA Telekom AG sicherzustellen.
Die Zusammenarbeit der letzten Tage mit der UTA, sowohl auf Management-, aber auch auf operativer Ebene, hat uns gezeigt, dass wir den richtigen Partner gewählt haben und unsere Kunden auch weiterhin bestens betreut werden.
Durch die radikale Vorgehensweise der Telekom Austria wurde uns unmittelbar die Grundlage zum Betrieb unseres Geschäfts genommen – daher sahen wir uns am 27. Juni 2002 gezwungen, einen Antrag auf Eröffnung eines Ausgleichsverfahrens über die CyberTron Telekom AG beim Handelsgericht Wien zu stellen.
Bereits diese Woche Montag wurde von den Mitgliedern des Gläubigerbeirats und des Ausgleichsverwalters Dr. Peter Schulyok, den mit der UTA verhandelten Vereinbarungen zugestimmt und damit der Grundstein für eine Erfüllung des Ausgleichs gelegt. Bis zur ersten Ausgleichstagssatzung, die am 13. August 2002 stattfinden wird, liegt es an uns ein Fortführungskonzept zu erstellen.
Ich möchte darauf hinweisen, dass sich durch den angemeldeten Ausgleich sämtliche Annahmen, die bei der Erstellung des Jahresabschlusses gültig waren, relativiert haben und es zu gravierenden Änderungen zwischen dem Zeitpunkt der Feststellung des Jahresabschlusses durch den Aufsichtsrat und dem heutigen Tag der Hauptversammlung gekommen ist.
Ich möchte auch noch auf einige Gerüchte und Halbwahrheiten eingehen, die in den letzten Tagen durch die Medien gingen:
- Gerücht: Die CyberTron Telekom AG ist mit über EUR 60 Mio. überschuldet.
Dementi: Die Gesamtverbindlichkeiten der CyberTron Telekom AG betragen laut Einzelabschluss per 31.12.2001 EUR 41.068.637,93; davon entfallen EUR 17.960.414,73 auf nachrangige Anleihen, sodass eine Gesamtverbindlichkeit von EUR 23.108.223,20 zum Tragen kommt – eine Überschuldung der Gesellschaft lag vor Abschaltung der Leitungen durch die Telekom Austria nicht vor.
- Gerücht: Die CyberTron Telekom AG hat zuwenig Informationen über den tatsächlichen Geschäftsbetrieb bekanntgegeben.
Dementi: Als börsennotierte Gesellschaft haben wir den strengen Richtlinien des Börse- Gesetzes und der Wiener Börse zu folgen -unhabhängig vonder Verpflichtung, Detailzahlen im Quartalsbericht bekannt zu geben. haben wirseit unserem Börsengang weit über das vorgeschriebene Maß detailliertes Zahlenmaterial quartalsweise publiziert.
- Gerücht: Die Altaktionäre haben durch den Börsengang „abgezockt“.
Dementi: Soweit mir persönlich bekannt ist, hat niemand aus dem Umfeld der Altaktionäre einen persönlichen Vorteil durch den Verkauf von CyberTron Aktien erzielt – im Gegenteil: Ein Großteil der Altaktionäre hat heute persönliche Verbindlichkeiten, die aufgrund von Beteiligungen an Kapitalmaßnahmen der CyberTron in den letzten 4 Jahre entstanden sind.
Das prozentuelle Absinken der Beteiligungen der Altaktionäre am Unternehmen beruht auf dem „Verwässerungseffekt“, der durch Ausgabe neuer Aktien entsteht – z. B. bei Kapitalerhöhungen.
Weiters möchte ich hier auch noch festhalten, dass die jetzt operativen Vorstände seit April 2001 kein Gehalt – und auch sonst keinen finanziellen Vorteil aus Ihrer Tätigkeit für das Unternehmen - erhalten haben. Im Rahmen des ESOP wurden 100% unseres Gehalts für eine Barkapitalerhöhung im März 2002 aufgewendet. Erlauben sie mir noch einige Worte zum österreichischen Telekommarkt und dessen Entwicklung der letzten Jahre zu sagen:
CyberTron ist 1997 angetreten die einmaligen Chancen, die sich aus der Liberalisierung eines Marktes ergeben, zu nutzen. Ziel der österreichischen Deregulierung war es, Endkunden, neben günstigeren Preisen für Telefonie, auch neue innovative, integrierte Sprach- und Datendienste zur Verfügung zu stellen. Insbesondere der Aufbau, der Betrieb und die Versorgung Österreichs mit Internetdiensten wurde dadurch erst richtig möglich. Zum damaligen Zeitpunkt sahen wir zwei denkbare Geschäftsmodelle:
- Das reine Reselling und Arbitragegeschäft mit Telefonminuten, ohne eigene Infrastruktur,
- oder der Aufbau eines eigenen Netzes, das langfristig die Entwicklung neuer Dienste erst ermöglicht.
Wir haben uns damals für den schwierigeren, mühevolleren und auch kapitalintensiveren Weg entschieden, der uns aber langfristig eine deutlich bessere Perspektive bot. So prüften wir alle Zugangstechnologien, um schnell und kostengünstig Endkunden mit unseren Diensten zu erreichen:
- Ab 1998 waren „Punkt-zu-Mehrpunkt“-Richtfunksysteme einer der alternativen Zugangsmöglichkeiten zum Endkunden – findet heute kaum mehr Einsatz. Nahzu alle Telekomunternehmen, die auf diese Technologie gesetzt haben, sind heute nicht mehr tätig.
- Ab 1999 war „fibre-to-the-home“ in aller Munde – schier unerschöpfliche Kapazität in jeden Haushalt – heute kein Thema mehr, da es keine Finanzierungsmöglichkeit für diese Projekte mehr gibt.
- Ab 2000 war die Versorgung über bestehende Stromleitungen das große Thema
- aufgrund der vielen technischen Probleme dieser Technologie wurden großteils die errichteten Versuchsnetze wieder abgebaut und die Neuentwicklung nahezu eingestellt.
Wir haben seit 1998 an einer Lösung gearbeitet, den Zugang über das in den letzten Jahrzehnten verlegte Kupferkabel für unsere Dienste zu nutzen. Der Weg dazu war für uns ab Mai 1999 frei: Wir unterzeichneten als erster Anbieter den „Entbündelungs- Vertrag und den „Kollokations-Vertrag“ mit der Telekom Austria.
Diese Verträge gaben uns das Recht, direkt in den Wählämtern der Telekom Austria Räume anzumieten und das in jedem Haushalt und zu jedem Unternehmen führende Kupferkabel für unsere Dienste zu verwenden.
Diese bis zum 25. Juni 2002 von uns verfolgte Strategie, die Hoheit über die letzte Meile zu erlangen, war bereits seit 1998 unser Ziel und auch unsere „Investment Story“ für den Börsengang im Dezember 1999. Ein Großteil der - durch diverse Kapitalmarktmaßnahmen - erzielten Einnahmen ging direkt in Investitionen in unsere Infrastruktur.
Doch durch den bevorstehenden Börsegang der Telekom Austria wurde im Laufe der Monate, eigentlich Jahre, die Übergabe der fertiggestellten Wählämter an uns durch die Telekom Austria immer stärker blockiert: Wir hatten uns im Sommer 1999 die Rechte an 400 Wählämtern der Telekom Austria gesichert, damit wäre es möglich geworden, nahezu 70% des österreichischen Telekommarktes mit eigener Infrastruktur zu versorgen. Im Herbst 2000 (also ca. 18 Monate nach Abschluss des Vertrages mit der Telekom Austria) wurde uns das erste Wählamt übergeben, im Monatsrhythmus folgten dann zwei bis drei weitere. Damit wurde es für uns unmöglich, innerhalb der geplanten und von uns prognostizierten Zeiträume die dazu passenden Umsätze mit deckungsbeitragsstarken Produkten auf den Markt zu bringen – man hat uns seitens der Telekom Austria regelrecht ausgehungert. Trotz unzähligen Interventionen unsererseits war es uns nicht möglich, die Übergabe der Wählämter zu beschleunigen. Der Erfolg von breitbandigen Datendiensten, die über das „alte“ Kupferkabel produziert werden, insbesondere von ADSL in ganz Europa gibt uns absolut Recht, dass die von uns verfolgte Strategie richtig war. Allerdings stellt sich auch weltweit die gleiche Problematik dar: Die Monopolisten und Ex-Monopolisten beherrschen diesen Markt, da überall in gleicher Art und Weise der Zugang der alternativen Anbieter zum Kupfernetz verzögert und behindert wird. Weltweit hat die Deregulierung in diesem Bereich versagt.
Das gesamte Team - Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre, Banken und Lieferanten – die über die letzten Jahre mit uns gemeinsam CyberTron zur kreativen Kraft in der österreichischen Telekommunikation gemacht haben, hat in den letzten 6 Jahren unglaubliches geleistet – und obwohl unsere Ideen und Visionen letztendlich durch die Monopolstellung der Telekom Austria als gescheitert anzusehen sind, bin ich dennoch stolz darauf, über all die Jahre mit Ihnen zusammen gearbeitet haben zu dürfen.