Verein für Finanzmarktausgleich meint Turbozertifikat-Skandal gefunden zu haben
Verein für Finanzmarktausgleich meint Turbozertifikat-Skandal gefunden zu haben
Der Verein für Finanzmarktausgleich deckt auf, dass namhafte Markteilnehmer ein zweifelhaftes Spiel mit unvorsichtigen Anlegern treiben und Marktbewegungen zum Nachteil der Anleger aktiv beeinflussen. Der Verein rechnet mit einer Schadenssumme von mehr als 100 Mio Euro. Und die Finanzmarktaufsicht sieht tatenlos zu.
In einer Pressekonferenz hat heute der "Verein für Finanzmarktausgleich" einen weitreichenden Turbozertifikat-Skandal aufgedeckt. Anleger können mit einem Turbozertifikat von Kursteigerungen als auch von Kursverlusten überproportional profitieren. Turbozertifikate haben aber den Nachteil, dass sie bei Erreichen einer vorher definierten "Knock-Out-Schwelle" wertlos verfallen. Für die Emittenten ist es natürlich wünschenswert, dass diese "Knock-Out-Schwelle" durchbrochen wird. Der Verein für Finanzmarktaufsicht ist bei seinen Recherchen auf Hinweise gestoßen, dass die Emittenten - gemeint sind die Emittenten der Turbozertifikate, nicht jene der zugrundeliegenden Aktien - beziehungsweise die involvierten Wertpapierhändler diese Knock-Out-Grenze aktiv herbeiführen, also aktiv Aktienkurse manipulieren. Das ist unter den Marktteilnehmern kein Geheimnis. "Nur die Finanzmarktaufsicht weiß nichts von dieser Vorgehensweise. Oder sie schließt bewusst die Augen" so Vereinsvorstand Philipp Buchner. Nicht die Turbozerfikat-Emittenten als Unternehmen sondern die gut informierten Marktteilnehmer sollte sich die Finanzmarktaufsicht genauer anschauen. In den nächsten Wochen wird der Verein für Finanzmarktausgleich Aktien und Zeiträume auf der Website www.turboskandal.at veröffentlichen, bei denen die beschriebenen Muster besonders offensichtlich sind. Der Skandal betrifft nahezu alle Aktien, auf die Turbozertifikate emittiert wurden. Der Verein hat Aktien im Zeitraum 2007 und 2008 analysiert und bei allen Muster gefunden, die eindeutig auf Kursmanipulationen hinweisen. Diese Aktien waren Andritz, ATEC, MEL, AUA, bwin, CA Immobilien, Erste Bank, Intercell, Raiffeisen International, RHI, UNIQA, Verbundgesellschaft, VA Stahl, Wienerberger. Bei der Pressekonferenz wurde im Besonderen auf die Aktien von bwin und VA Stahl eingegangen.
Skandalöse Vorgehensweise (der Emittenten)
Was machen die Emittenten beziehungsweise Wertpapierhändler, um eine Knock-Out Schwelle zu erreichen und daraus Profit zu schlagen? Marktteilnehmer sehen in ihren Handelssystemen die "Markttiefe", d.h. sie sehen alle zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhandenen Börsenorders mit ihrer Ordergröße und Preislimits - ein klarer Vorteil gegenüber Endanleger. Die professionellen Marktteilnehmer wissen daher, wann der Markt in einer Aktie dünn ist, und wann dadurch relativ kleine Börsenorder den Marktpreis stark beeinflussen können. Es ist in solchen Marktsituationen leicht, einen Aktienkurs zu beeinflussen. Die Emittenten warten auf einen guten Zeitpunkt und geben Bestens Verkaufsorders oder mit tiefem Marktkurs limitierte Verkaufsorders, die von der Ordergröße genau ausreichen, um den Marktpreis der Aktie auf ein gewünschtes Niveau nach unten zu treiben. Dieses gewünschte Niveau entspricht genau der Knock-Out Schwelle.
Im Anschluss zu diesen von anderen Marktteilnehmern unerwarteten Marktbewegungen tendiert ein Aktienkurs häufig ohne Zutun des Emittenten in einer Gegenbewegung nach oben. Wenn dies nicht der Fall ist, dann kann durch weitere marktmanipulierende Orders, in diesem Fall Bestens Kauf-Orders, nachgeholfen werden. Diese fast immer eintretende Gegenbewegung ist für den Emittenten wichtig, da er zu seiner Risikolimitierung eine Gegenposition (einen Hedge) zu den emittierten Turbozertifikaten halten muss. Um sein Risiko aus einem Turbo-Long Zertifikat abzusichern, hält der Emittent beispielsweise Aktien des dem Zertifikat zugrundeliegenden Titels. Um nicht zu sehr aufzufallen sind die Akteure findig: Teils arbeiten Akteure zusammen (Akteure A treibt den Kurs auf die Knock-Out Schwelle des durch Akteur B emittierten Zertifikats; Akteur B revanchiert sich dadurch, dasselbe für ein Zertifikat des Akteurs A zu tun). Sie geben Orders im Zusammenspiel mit Kunden - hinter diesen versteckt sich häufig der bei Emittenten zuständige Wertpapierhändler selber oder ein befreundeter Wertpapierhändler. Sie stimmen sogar die Emissionstätigkeit von Turbo-Zertifikaten so aufeinander ab, dass mit wenig Aufwand zu Lasten der Kleinanleger wahre Kaskaden nacheinander purzelnder Knock-Out Schwellen ausgelöst werden können.
Finanzmarktaufsicht schaut weg
Die Finanzmarktaufsicht wäre aufgefordert, diese skandalöse Vorgehensweise (der Emittenten) zu unterbinden und sich schützend vor die Endanleger zu stellen. Stattdessen schließt die FMA die Augen und gibt vor, nichts von dem Skandal zu wissen. "Uns geht es darum, dass die FMA diesen Dingen auf den Grund geht, denn nur die FMA hat die relevanten Daten" so Buchner. "Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Öffentlichkeit auf die Versäumnisse der FMA hinzuweisen. Unser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, den Finanzmarkt, die FMA und alle anderen Marktteilnehmer dazu zu bringen, ihr Instrumentarium effizienter und besser einzusetzen, um die Anleger WIRKLICH zu schützen. Nicht, indem wir bitten, sondern, indem wir den notwendigen Druck machen. Unter anderem auch über Klagen", erklärt Vorstand Philipp Buchner.
Verein für Finanzmarktausgleich und seine Aktivitäten
Der Verein für Finanzmarktausgleich wurde im Oktober 2008 gegründet. Die wesentlichen Anliegen des Vereins sind, Geschädigten der Finanzkrise zu ihrem Recht zu verhelfen. Konkret geht der Verein gegen die Finanzmarktaufsicht vor und kämpft für eine Wiedereinführung der Amtshaftung. Seit letztem Jahr haben sich über 1000 Geschädigte der Finanzkrise beim Verein gemeldet. Jeder einzelne Fall wird genau geprüft und mit anderen ähnlich gelagerten Fällen verglichen und in Clustern zusammengefasst. Rechtsanwalt Mag. Dr. Georg Vetter hat letzte Woche für den Verein für Finanzmarktausgleich eine Beschwerde gemäß Artikel 140 B-VG eingebracht, um die Wiedereinführung der Amtshaftung anzustreben.
Der Verein für Finanzmarktausgleich deckt auf, dass namhafte Markteilnehmer ein zweifelhaftes Spiel mit unvorsichtigen Anlegern treiben und Marktbewegungen zum Nachteil der Anleger aktiv beeinflussen. Der Verein rechnet mit einer Schadenssumme von mehr als 100 Mio Euro. Und die Finanzmarktaufsicht sieht tatenlos zu.
In einer Pressekonferenz hat heute der "Verein für Finanzmarktausgleich" einen weitreichenden Turbozertifikat-Skandal aufgedeckt. Anleger können mit einem Turbozertifikat von Kursteigerungen als auch von Kursverlusten überproportional profitieren. Turbozertifikate haben aber den Nachteil, dass sie bei Erreichen einer vorher definierten "Knock-Out-Schwelle" wertlos verfallen. Für die Emittenten ist es natürlich wünschenswert, dass diese "Knock-Out-Schwelle" durchbrochen wird. Der Verein für Finanzmarktaufsicht ist bei seinen Recherchen auf Hinweise gestoßen, dass die Emittenten - gemeint sind die Emittenten der Turbozertifikate, nicht jene der zugrundeliegenden Aktien - beziehungsweise die involvierten Wertpapierhändler diese Knock-Out-Grenze aktiv herbeiführen, also aktiv Aktienkurse manipulieren. Das ist unter den Marktteilnehmern kein Geheimnis. "Nur die Finanzmarktaufsicht weiß nichts von dieser Vorgehensweise. Oder sie schließt bewusst die Augen" so Vereinsvorstand Philipp Buchner. Nicht die Turbozerfikat-Emittenten als Unternehmen sondern die gut informierten Marktteilnehmer sollte sich die Finanzmarktaufsicht genauer anschauen. In den nächsten Wochen wird der Verein für Finanzmarktausgleich Aktien und Zeiträume auf der Website www.turboskandal.at veröffentlichen, bei denen die beschriebenen Muster besonders offensichtlich sind. Der Skandal betrifft nahezu alle Aktien, auf die Turbozertifikate emittiert wurden. Der Verein hat Aktien im Zeitraum 2007 und 2008 analysiert und bei allen Muster gefunden, die eindeutig auf Kursmanipulationen hinweisen. Diese Aktien waren Andritz, ATEC, MEL, AUA, bwin, CA Immobilien, Erste Bank, Intercell, Raiffeisen International, RHI, UNIQA, Verbundgesellschaft, VA Stahl, Wienerberger. Bei der Pressekonferenz wurde im Besonderen auf die Aktien von bwin und VA Stahl eingegangen.
Skandalöse Vorgehensweise (der Emittenten)
Was machen die Emittenten beziehungsweise Wertpapierhändler, um eine Knock-Out Schwelle zu erreichen und daraus Profit zu schlagen? Marktteilnehmer sehen in ihren Handelssystemen die "Markttiefe", d.h. sie sehen alle zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhandenen Börsenorders mit ihrer Ordergröße und Preislimits - ein klarer Vorteil gegenüber Endanleger. Die professionellen Marktteilnehmer wissen daher, wann der Markt in einer Aktie dünn ist, und wann dadurch relativ kleine Börsenorder den Marktpreis stark beeinflussen können. Es ist in solchen Marktsituationen leicht, einen Aktienkurs zu beeinflussen. Die Emittenten warten auf einen guten Zeitpunkt und geben Bestens Verkaufsorders oder mit tiefem Marktkurs limitierte Verkaufsorders, die von der Ordergröße genau ausreichen, um den Marktpreis der Aktie auf ein gewünschtes Niveau nach unten zu treiben. Dieses gewünschte Niveau entspricht genau der Knock-Out Schwelle.
Im Anschluss zu diesen von anderen Marktteilnehmern unerwarteten Marktbewegungen tendiert ein Aktienkurs häufig ohne Zutun des Emittenten in einer Gegenbewegung nach oben. Wenn dies nicht der Fall ist, dann kann durch weitere marktmanipulierende Orders, in diesem Fall Bestens Kauf-Orders, nachgeholfen werden. Diese fast immer eintretende Gegenbewegung ist für den Emittenten wichtig, da er zu seiner Risikolimitierung eine Gegenposition (einen Hedge) zu den emittierten Turbozertifikaten halten muss. Um sein Risiko aus einem Turbo-Long Zertifikat abzusichern, hält der Emittent beispielsweise Aktien des dem Zertifikat zugrundeliegenden Titels. Um nicht zu sehr aufzufallen sind die Akteure findig: Teils arbeiten Akteure zusammen (Akteure A treibt den Kurs auf die Knock-Out Schwelle des durch Akteur B emittierten Zertifikats; Akteur B revanchiert sich dadurch, dasselbe für ein Zertifikat des Akteurs A zu tun). Sie geben Orders im Zusammenspiel mit Kunden - hinter diesen versteckt sich häufig der bei Emittenten zuständige Wertpapierhändler selber oder ein befreundeter Wertpapierhändler. Sie stimmen sogar die Emissionstätigkeit von Turbo-Zertifikaten so aufeinander ab, dass mit wenig Aufwand zu Lasten der Kleinanleger wahre Kaskaden nacheinander purzelnder Knock-Out Schwellen ausgelöst werden können.
Finanzmarktaufsicht schaut weg
Die Finanzmarktaufsicht wäre aufgefordert, diese skandalöse Vorgehensweise (der Emittenten) zu unterbinden und sich schützend vor die Endanleger zu stellen. Stattdessen schließt die FMA die Augen und gibt vor, nichts von dem Skandal zu wissen. "Uns geht es darum, dass die FMA diesen Dingen auf den Grund geht, denn nur die FMA hat die relevanten Daten" so Buchner. "Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Öffentlichkeit auf die Versäumnisse der FMA hinzuweisen. Unser Verein hat sich zum Ziel gesetzt, den Finanzmarkt, die FMA und alle anderen Marktteilnehmer dazu zu bringen, ihr Instrumentarium effizienter und besser einzusetzen, um die Anleger WIRKLICH zu schützen. Nicht, indem wir bitten, sondern, indem wir den notwendigen Druck machen. Unter anderem auch über Klagen", erklärt Vorstand Philipp Buchner.
Verein für Finanzmarktausgleich und seine Aktivitäten
Der Verein für Finanzmarktausgleich wurde im Oktober 2008 gegründet. Die wesentlichen Anliegen des Vereins sind, Geschädigten der Finanzkrise zu ihrem Recht zu verhelfen. Konkret geht der Verein gegen die Finanzmarktaufsicht vor und kämpft für eine Wiedereinführung der Amtshaftung. Seit letztem Jahr haben sich über 1000 Geschädigte der Finanzkrise beim Verein gemeldet. Jeder einzelne Fall wird genau geprüft und mit anderen ähnlich gelagerten Fällen verglichen und in Clustern zusammengefasst. Rechtsanwalt Mag. Dr. Georg Vetter hat letzte Woche für den Verein für Finanzmarktausgleich eine Beschwerde gemäß Artikel 140 B-VG eingebracht, um die Wiedereinführung der Amtshaftung anzustreben.