Folgt ein Sinken der Rohstoffpreise?
Folgt ein Sinken der Rohstoffpreise?
Volkswirt Martin Hüfner schließt fallende Rohstoffpreise in Zukunft nicht aus
Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater des führenden österreichischen Discount-Brokers direktanlage.at, hält ein Sinken der Rohstoffpreise nach deren jahrelangen Aufwärtsbewegung für nicht unwahrscheinlich.
Die alte Regel, dass sinkende Rohstoffpreise für die Industrieländer in Europa etwas Gutes sind, gelte jedoch nicht mehr.
"Schon von 1980 bis 2001 verringerten sich die Preise der Industrierohstoffe real - also nach Abzug der allgemeinen Inflation - um über 60 Prozent, die der Nahrungsmittel sogar um fast 80 Prozent", so Hüfner. "Die Gründe waren, dass neue Reserven entdeckt wurden, dass die Produktivität der Rohstoffgewinnung zunahm und dass sich die Nachfrage wegen höherer Preise und eines gestiegenen Umweltbewusstseins nicht so stark erhöhte. Das zeigt, dass man sich nicht darauf verlassen kann, dass Rohstoffpreise immer nur nach oben gehen."
Was würde es bedeuten, wenn so etwas jetzt wieder passieren würde? "An sich sind sinkende Rohstoffpreise für die Industrieländer etwas Gutes", erklärt der Experte Hüfner. Die Inflation geht zurück. Die Konsumenten haben mehr Geld, um andere Dinge zu kaufen. Die Zentralbanken können die Zinsen senken. Leider habe sich die Welt inzwischen aber in vielerlei Hinsicht verändert, so dass die alten Zusammenhänge nicht mehr oder nur noch eingeschränkt gelten.
Hüfner findet dafür fünf Gründe:
- Erstens spielen die Verlierer einer Rohstoffpreissenkung, also die Rohstoffproduzenten, heute eine größere Rolle für die Weltwirtschaft.
- Zweitens sind die Rohstoffexporteure inzwischen auch zu wichtigen Handelspartnern geworden.
- Drittens sind die Effekte sinkender Rohstoffpreise auf die Inflation nicht mehr so positiv. In den 80er Jahren waren diese Wirkungen deshalb so stark, weil sie durch eine außerordentlich restriktive Geldpolitik in den Industrieländern unterstützt wurden. Heute haben wir so viel Liquidität auf den Märkten wie selten zuvor. Das wird sich früher oder später auch in höherer Inflation niederschlagen.
- Viertens spielen die Rohstoffländer heute auf den Kapitalmärkten eine viel aktivere Rolle. Wenn die Staatsfonds dieser Länder nicht mehr so viel Geld zur Verfügung haben, dann wirkt sich das negativ auf die Finanzmärkte aus.
- Fünftens hat das Leistungsbilanzdefizit der USA heute eine viel größere Dimension. Es würde sich durch niedrigere Rohstoffpreise zwar erfreulich verringern. Es ist inzwischen aber so groß, dass es auch ein Finanzierungsproblem aufwirft. Und dieses wird schwieriger, wenn die Rohstoffländer weniger Geld zur Verfügung hätten.
USA müssten Zinsen erhöhen, Dollar würde schwächer
Die Folge von Rohstoffpreissenkungen wäre laut dem Experten von direktanlage.at, dass die USA die Zinsen erhöhen müssten - was die dortige Konjunktur belasten würde. Hüfner: "Gleichzeitig würde aber der Dollar schwächer - was die Lage für die Europäer schwieriger machen würde. Insgesamt gesehen wäre eine Rohstoffpreissenkung unter den heutigen Bedingungen für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte also bestenfalls eine „mixed blessing" - eine gemischte Gemengelage. Vermutlich würden am Ende sogar die negativen Effekte überwiegen."
Volkswirt Martin Hüfner schließt fallende Rohstoffpreise in Zukunft nicht aus
Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater des führenden österreichischen Discount-Brokers direktanlage.at, hält ein Sinken der Rohstoffpreise nach deren jahrelangen Aufwärtsbewegung für nicht unwahrscheinlich.
Die alte Regel, dass sinkende Rohstoffpreise für die Industrieländer in Europa etwas Gutes sind, gelte jedoch nicht mehr.
"Schon von 1980 bis 2001 verringerten sich die Preise der Industrierohstoffe real - also nach Abzug der allgemeinen Inflation - um über 60 Prozent, die der Nahrungsmittel sogar um fast 80 Prozent", so Hüfner. "Die Gründe waren, dass neue Reserven entdeckt wurden, dass die Produktivität der Rohstoffgewinnung zunahm und dass sich die Nachfrage wegen höherer Preise und eines gestiegenen Umweltbewusstseins nicht so stark erhöhte. Das zeigt, dass man sich nicht darauf verlassen kann, dass Rohstoffpreise immer nur nach oben gehen."
Was würde es bedeuten, wenn so etwas jetzt wieder passieren würde? "An sich sind sinkende Rohstoffpreise für die Industrieländer etwas Gutes", erklärt der Experte Hüfner. Die Inflation geht zurück. Die Konsumenten haben mehr Geld, um andere Dinge zu kaufen. Die Zentralbanken können die Zinsen senken. Leider habe sich die Welt inzwischen aber in vielerlei Hinsicht verändert, so dass die alten Zusammenhänge nicht mehr oder nur noch eingeschränkt gelten.
Hüfner findet dafür fünf Gründe:
- Erstens spielen die Verlierer einer Rohstoffpreissenkung, also die Rohstoffproduzenten, heute eine größere Rolle für die Weltwirtschaft.
- Zweitens sind die Rohstoffexporteure inzwischen auch zu wichtigen Handelspartnern geworden.
- Drittens sind die Effekte sinkender Rohstoffpreise auf die Inflation nicht mehr so positiv. In den 80er Jahren waren diese Wirkungen deshalb so stark, weil sie durch eine außerordentlich restriktive Geldpolitik in den Industrieländern unterstützt wurden. Heute haben wir so viel Liquidität auf den Märkten wie selten zuvor. Das wird sich früher oder später auch in höherer Inflation niederschlagen.
- Viertens spielen die Rohstoffländer heute auf den Kapitalmärkten eine viel aktivere Rolle. Wenn die Staatsfonds dieser Länder nicht mehr so viel Geld zur Verfügung haben, dann wirkt sich das negativ auf die Finanzmärkte aus.
- Fünftens hat das Leistungsbilanzdefizit der USA heute eine viel größere Dimension. Es würde sich durch niedrigere Rohstoffpreise zwar erfreulich verringern. Es ist inzwischen aber so groß, dass es auch ein Finanzierungsproblem aufwirft. Und dieses wird schwieriger, wenn die Rohstoffländer weniger Geld zur Verfügung hätten.
USA müssten Zinsen erhöhen, Dollar würde schwächer
Die Folge von Rohstoffpreissenkungen wäre laut dem Experten von direktanlage.at, dass die USA die Zinsen erhöhen müssten - was die dortige Konjunktur belasten würde. Hüfner: "Gleichzeitig würde aber der Dollar schwächer - was die Lage für die Europäer schwieriger machen würde. Insgesamt gesehen wäre eine Rohstoffpreissenkung unter den heutigen Bedingungen für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte also bestenfalls eine „mixed blessing" - eine gemischte Gemengelage. Vermutlich würden am Ende sogar die negativen Effekte überwiegen."