OeNB - Anhaltend gute Entwicklung des österreichischen Finanzsystems trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Anhaltend gute Entwicklung des österreichischen Finanzsystems trotz schwieriger Rahmenbedingungen
"Auch angesichts der jüngst zu beobachtenden Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten bleibt die Krisenfestigkeit des österreichischen Finanzsystems nach wie vor hoch", stellte Gouverneur Liebscher anlässlich der Präsentation der 14. Ausgabe des Finanzmarktstabilitätsberichts der OeNB fest. Die Ertragskraft der österreichischen Banken ist gut, ihre Ausstattung mit Eigenmitteln solide. Obwohl die gestiegenen Refinanzierungskosten der Banken eine Verteuerung der Finanzierungsbedingungen bewirkt haben, ist die finanzielle Situation der Unternehmen und Haushalte nicht zuletzt aufgrund der positiven Konjunkturentwicklung gut.
Konjunktur dämpft die Auswirkungen von schlechteren Finanzierungsbedingungen auf Unternehmen und Haushalte
Im Jahr 2007 befand sich die österreichische Wirtschaft in einer Phase der Hochkonjunktur, wenngleich der Konjunkturhöhepunkt bereits überschritten worden sein dürfte. Wie Direktor Christl hervorhob, "verzeichneten die Unternehmensgewinne trotz des Anstiegs der Finanzierungskosten, des starken Euro und des hohen Ölpreises Zuwächse". Insgesamt bleibt die Risikoposition der österreichischen Unternehmen somit gut, obwohl zukünftig das konjunkturelle Umfeld diese nicht mehr im gleichen Ausmaß begünstigen dürfte wie bisher.
Ähnliches gilt auch für die Risikoposition der Haushalte. Angesichts der hohen Bedeutung variabel verzinster Kredite in Österreich war ein Anstieg der Refinanzierungskosten der Banken ausschlaggebend für eine Verschlechterung auf der Finanzierungsseite. Demgegenüber konnten jedoch auch die Haushalte vom günstigen wirtschaftlichen Umfeld, insbesondere in Form von positiven Effekten auf den österreichischen Arbeitsmarkt, profitieren. Zudem hat die wiederholte Sensibilisierung der Kreditnehmer hinsichtlich der Risiken von Fremdwährungskrediten durch FMA und OeNB im vergangenen Jahr erstmals nachhaltig Wirkung gezeigt. "Auch wenn der Anteil von Fremdwährungskrediten rückläufig ist, so bleiben die privaten Haushalte noch immer beträchtlichen Währungsrisiken ausgesetzt" betonte Gouverneur Liebscher. Auch auf der Aktivseite sind die Bewertungsrisiken aufgrund von Aktienkursänderungen angestiegen, wenngleich vor allem Haushalte mit höherem Einkommen betroffen sind.
Banken durch ihr Engagement in Zentral- und Osteuropa vergleichsweise wenig von Finanzmarktturbulenzen betroffen
Nicht zuletzt aufgrund des starken Engagements der österreichischen Banken in Zentral- und Osteuropa war der österreichische Bankensektor von den zum Teil turbulenten Rahmenbedingungen im Jahr 2007 lediglich indirekt betroffen. Dementsprechend profitiert der österreichische Bankensektor weiterhin von der dynamischen Entwicklung dieser Märkte - bereits 25% der Gesamtbilanzsumme und 42% des konsolidierten Gewinns vor Steuern aller österreichischen Banken stammen aus dem Zentral- und Osteuropasegment. Der Schwerpunkt der Tätigkeiten der österreichischen Banken hat sich hierbei verstärkt in den Südosteuropäischen Raum, sowie in die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) verlagert. "Gleichzeitig sind jedoch weiterhin 61% des Gesamtexposures innerhalb der EU, wodurch insbesondere Risiken aus dem rechtlichen und institutionellen Umfeld dieser Länder beschränkt werden" betonte Direktor Christl. Nicht zuletzt durch die voranschreitende Erschließung neuer Märkte steht den steigenden Renditen auch ein steigendes Risiko gegenüber.
Gestützt durch das profitable Zentral- und Osteuropageschäft konnten die österreichischen Banken ihre Ertragskraft weiter festigen. So lag der erwartete konsolidierte ROA des österreichischen Banksystems für 2007 bei 0,71%. Die Aufwand-Ertrag Relation als Maßzahl für Bankeneffizienz liegt mit rund 60% nahe ihrem Rekordwert.
Auch im Inlandsgeschäft gab es Fortschritte. Insbesondere das Provisionsgeschäft erwies sich als Wachstumsstütze. Demgegenüber nahm die Zinsspanne erneut ab und liegt mittlerweile unter einem Prozent.
Auch wenn sich die Tendenz im Rückgang der Fremdwährungskredite im Inland gefestigt hat, stellt ihr anhaltend hohes Niveau in Österreich, sowie die Bedeutung von Fremdwährungskrediten in einigen CEE-Ländern eine weiterhin nicht zu vernachlässigende Risikoquelle dar.
Insgesamt hat sich die Risikotragfähigkeit der österreichischen Kreditinstitute auf hohem Niveau stabilisiert. Auch die Liquiditätslage der österreichischen Kreditinstitute stellt sich angesichts der schwierigen Marktumstände als solide dar. Diese Befunde wurden auch seitens des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Rahmen des "Financial Sector Assessment Program" (FSAP) bestätigt. Der IWF betonte jedoch gleichzeitig die Herausforderungen der Zentral- und Osteuropaexpansion für die betroffenen Banken und die Aufsicht.
Als mögliche Risikofaktoren für die zukünftige Stabilitätsentwicklung nannte Gouverneur Liebscher das Anhalten der Unsicherheit auf den Finanzmärkten sowie die zunehmende Exponierung der privaten Haushalte gegenüber Kapitalmarktrisiken. Trotz Rückgängen bleibt der Anteil der Fremdwährungskredite bei privaten Haushalten nach wie vor hoch. In Bezug auf die Banken verwies Gouverneur Liebscher auf das abermals gewachsene Engagement der großen österreichischen Kreditinstitute gegenüber Zentral- und Osteuropa sowie auf die Notwendigkeit, angesichts der anhaltenden Verringerung der Zinsspanne die Rentabilität des Inlandsgeschäfts weiter zu erhöhen.
Der halbjährlich erscheinende Finanzmarktstabilitätsbericht der OeNB enthält regelmäßige Analysen finanzmarktstabilitätsrelevanter Entwicklungen in Österreich und im internationalen Umfeld. Daneben werden im Rahmen von Schwerpunktartikeln auch gesonderte Themen behandelt, die im Zusammenhang mit der Stabilität der Finanzmärkte stehen. In der aktuellen Ausgabe sind dies die Entwicklung der Zinsmargen in Zentral- und Osteuropa, das Bankensystem in Weißrussland, die Indikatoren zur Risikoexponierung von Unternehmen und privaten Haushalten und die quantitative Validierung von Ratingmodellen. Der Finanzmarktstabilitätsbericht ist auf der Website der OeNB unter www.oenb.at abrufbar.
"Auch angesichts der jüngst zu beobachtenden Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten bleibt die Krisenfestigkeit des österreichischen Finanzsystems nach wie vor hoch", stellte Gouverneur Liebscher anlässlich der Präsentation der 14. Ausgabe des Finanzmarktstabilitätsberichts der OeNB fest. Die Ertragskraft der österreichischen Banken ist gut, ihre Ausstattung mit Eigenmitteln solide. Obwohl die gestiegenen Refinanzierungskosten der Banken eine Verteuerung der Finanzierungsbedingungen bewirkt haben, ist die finanzielle Situation der Unternehmen und Haushalte nicht zuletzt aufgrund der positiven Konjunkturentwicklung gut.
Konjunktur dämpft die Auswirkungen von schlechteren Finanzierungsbedingungen auf Unternehmen und Haushalte
Im Jahr 2007 befand sich die österreichische Wirtschaft in einer Phase der Hochkonjunktur, wenngleich der Konjunkturhöhepunkt bereits überschritten worden sein dürfte. Wie Direktor Christl hervorhob, "verzeichneten die Unternehmensgewinne trotz des Anstiegs der Finanzierungskosten, des starken Euro und des hohen Ölpreises Zuwächse". Insgesamt bleibt die Risikoposition der österreichischen Unternehmen somit gut, obwohl zukünftig das konjunkturelle Umfeld diese nicht mehr im gleichen Ausmaß begünstigen dürfte wie bisher.
Ähnliches gilt auch für die Risikoposition der Haushalte. Angesichts der hohen Bedeutung variabel verzinster Kredite in Österreich war ein Anstieg der Refinanzierungskosten der Banken ausschlaggebend für eine Verschlechterung auf der Finanzierungsseite. Demgegenüber konnten jedoch auch die Haushalte vom günstigen wirtschaftlichen Umfeld, insbesondere in Form von positiven Effekten auf den österreichischen Arbeitsmarkt, profitieren. Zudem hat die wiederholte Sensibilisierung der Kreditnehmer hinsichtlich der Risiken von Fremdwährungskrediten durch FMA und OeNB im vergangenen Jahr erstmals nachhaltig Wirkung gezeigt. "Auch wenn der Anteil von Fremdwährungskrediten rückläufig ist, so bleiben die privaten Haushalte noch immer beträchtlichen Währungsrisiken ausgesetzt" betonte Gouverneur Liebscher. Auch auf der Aktivseite sind die Bewertungsrisiken aufgrund von Aktienkursänderungen angestiegen, wenngleich vor allem Haushalte mit höherem Einkommen betroffen sind.
Banken durch ihr Engagement in Zentral- und Osteuropa vergleichsweise wenig von Finanzmarktturbulenzen betroffen
Nicht zuletzt aufgrund des starken Engagements der österreichischen Banken in Zentral- und Osteuropa war der österreichische Bankensektor von den zum Teil turbulenten Rahmenbedingungen im Jahr 2007 lediglich indirekt betroffen. Dementsprechend profitiert der österreichische Bankensektor weiterhin von der dynamischen Entwicklung dieser Märkte - bereits 25% der Gesamtbilanzsumme und 42% des konsolidierten Gewinns vor Steuern aller österreichischen Banken stammen aus dem Zentral- und Osteuropasegment. Der Schwerpunkt der Tätigkeiten der österreichischen Banken hat sich hierbei verstärkt in den Südosteuropäischen Raum, sowie in die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) verlagert. "Gleichzeitig sind jedoch weiterhin 61% des Gesamtexposures innerhalb der EU, wodurch insbesondere Risiken aus dem rechtlichen und institutionellen Umfeld dieser Länder beschränkt werden" betonte Direktor Christl. Nicht zuletzt durch die voranschreitende Erschließung neuer Märkte steht den steigenden Renditen auch ein steigendes Risiko gegenüber.
Gestützt durch das profitable Zentral- und Osteuropageschäft konnten die österreichischen Banken ihre Ertragskraft weiter festigen. So lag der erwartete konsolidierte ROA des österreichischen Banksystems für 2007 bei 0,71%. Die Aufwand-Ertrag Relation als Maßzahl für Bankeneffizienz liegt mit rund 60% nahe ihrem Rekordwert.
Auch im Inlandsgeschäft gab es Fortschritte. Insbesondere das Provisionsgeschäft erwies sich als Wachstumsstütze. Demgegenüber nahm die Zinsspanne erneut ab und liegt mittlerweile unter einem Prozent.
Auch wenn sich die Tendenz im Rückgang der Fremdwährungskredite im Inland gefestigt hat, stellt ihr anhaltend hohes Niveau in Österreich, sowie die Bedeutung von Fremdwährungskrediten in einigen CEE-Ländern eine weiterhin nicht zu vernachlässigende Risikoquelle dar.
Insgesamt hat sich die Risikotragfähigkeit der österreichischen Kreditinstitute auf hohem Niveau stabilisiert. Auch die Liquiditätslage der österreichischen Kreditinstitute stellt sich angesichts der schwierigen Marktumstände als solide dar. Diese Befunde wurden auch seitens des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Rahmen des "Financial Sector Assessment Program" (FSAP) bestätigt. Der IWF betonte jedoch gleichzeitig die Herausforderungen der Zentral- und Osteuropaexpansion für die betroffenen Banken und die Aufsicht.
Als mögliche Risikofaktoren für die zukünftige Stabilitätsentwicklung nannte Gouverneur Liebscher das Anhalten der Unsicherheit auf den Finanzmärkten sowie die zunehmende Exponierung der privaten Haushalte gegenüber Kapitalmarktrisiken. Trotz Rückgängen bleibt der Anteil der Fremdwährungskredite bei privaten Haushalten nach wie vor hoch. In Bezug auf die Banken verwies Gouverneur Liebscher auf das abermals gewachsene Engagement der großen österreichischen Kreditinstitute gegenüber Zentral- und Osteuropa sowie auf die Notwendigkeit, angesichts der anhaltenden Verringerung der Zinsspanne die Rentabilität des Inlandsgeschäfts weiter zu erhöhen.
Der halbjährlich erscheinende Finanzmarktstabilitätsbericht der OeNB enthält regelmäßige Analysen finanzmarktstabilitätsrelevanter Entwicklungen in Österreich und im internationalen Umfeld. Daneben werden im Rahmen von Schwerpunktartikeln auch gesonderte Themen behandelt, die im Zusammenhang mit der Stabilität der Finanzmärkte stehen. In der aktuellen Ausgabe sind dies die Entwicklung der Zinsmargen in Zentral- und Osteuropa, das Bankensystem in Weißrussland, die Indikatoren zur Risikoexponierung von Unternehmen und privaten Haushalten und die quantitative Validierung von Ratingmodellen. Der Finanzmarktstabilitätsbericht ist auf der Website der OeNB unter www.oenb.at abrufbar.