Telekom Austria braucht neuen Konzernchef - Ametsreiter geht
ÖBIB setzt Prozess für die Nachfolgeregelung auf - Betriebsrat
spricht sich für Zweiervorstand aus - Unklar, ob Abgang
freiwillig geschah - Aktie im Minus - BILD GRAFIK
Die Telekom Austria braucht einen neuen
Generaldirektor. Hannes Ametsreiter verlässt am 31. Juli 2015 nach
fast 20 Dienstjahren, die letzten sechs als Vorstandschef, den
teilstaatlichen Ex-Monopolisten. Ametsreiter habe um eine
einvernehmliche vorzeitige Vertragsauflösung ersucht, bestätigte die
Telekom am Montag Medienberichte.Laut "Kurier" verlässt Ametsreiter das Unternehmen freiwillig,
laut "Presse" auf Druck des mexikanischen Mehrheitsaktionärs America
Movil. Der zweite Kernaktionär, die Staatsholding ÖBIB, die den
neuen Generaldirektor vorschlagen darf, ist bereits dabei, einen
Prozess für die Nachfolgeregelung aufzusetzen, wie ein Sprecher der
APA mitteilte.
Betriebsratschef Walter Hotz hat bereits zwei Namen parat:
Siegfried Mayrhofer und Alejandro Plater. Aus seiner Sicht sollte
die ÖBIB einen der beiden bisherigen Vorstände als Generaldirektor
nominieren. Die Telekom Austria habe lange Zeit einen Zweiervorstand
gehabt, so Hotz. Dies sei ausreichend.
Wer als Nachfolger von Ametsreiter nominiert wird, entscheidet
gemäß Syndikatsvertrag die ÖBIB und damit deren neue
Geschäftsführerin Martha Oberndorfer. Es ist ihre erste wichtige
Entscheidung als ÖBIB-Chefin, nachdem sie erst vergangene Woche
Rudolf Kemler abgelöst hat. Die ÖBIB ist dem Finanzministerium
unterstellt. Die Nominierung sei aber Thema der ÖBIB, nicht des
Finanzministeriums, erklärte die Sprecherin von Finanzminister Hans
Jörg Schelling auf APA-Anfrage.
Sollte bis Ende Juli kein Nachfolger gefunden sein, würde der
stellvertretende CEO, Alejandro Plater, interimistisch die Aufgaben
des Vorstandsvorsitzenden übernehmen, so ein Telekom-Sprecher zur
APA. America Movil hatte den Argentinier erst vor gut drei Monaten
als Chief Operating Officer (COO) installiert. America Movil hält
59,7 Prozent der Telekom-Anteile, die ÖBIB 28,4 Prozent.
Der Aufsichtsrat der Telekom Austria werde sich in seiner
nächsten Sitzung mit der Nachfolge befassen, heißt es in der
Aussendung des Unternehmens. Einen Termin gibt es noch nicht. Die
nächste reguläre Aufsichtsratssitzung wäre erst kurz vor den
Halbjahreszahlen geplant gewesen, also erst in gut einem Monat.
Die ÖBIB bedankte sich wie Aufsichtsratschef Wolfgang
Ruttenstorfer für die Arbeit von Ametsreiter. Er habe das
Unternehmen in herausfordernden Zeiten geführt, "auch in der Phase
des Überganges der Telekom Austria Group zu einer
Konzerngesellschaft der America Movil", so Ruttenstorfer.
Laut "Kurier" hat Ametsreiter ein besseres Angebot. Wohin der
48-Jährige wechseln wird, ist nicht bekannt. "Ich bitte um
Verständnis, dass ich heute noch keine konkrete Aussage machen kann,
welche Aufgaben das sein werden", erklärte Ametsreiter in einem der
APA vorliegenden Schreiben an die Mitarbeiter.
Laut "Presse" war sein Abgang allerdings nicht freiwillig. Der
Druck von America Movil sei zu groß gewesen. Es sei ein "offenes
Geheimnis" gewesen, dass Ametsreiters Vertrag, der im kommenden
Herbst zur Verlängerung angestanden wäre, aufgelöst wird, berichtete
die Zeitung in ihrer Onlineausgabe.
Ametsreiter hatte fast seine gesamte bisherige Berufskarriere bei
der Telekom Austria absolviert. 1996 wechselte er vom
Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble zur damaligen mobilkom Austria
AG, seit 2009 ist er Generaldirektor der Telekom Austria Group. Er
ist der längstdienende Chef des Unternehmens seit dem Börsengang im
Jahr 2000. Der gebürtige Salzburger studierte zunächst in seiner
Heimatstadt Publizistik und Sport und absolvierte nach seiner
Promotion ein MBA-Studium in Kalifornien.
Als Nachfolger von Boris Nemsic musste Ametsreiter einen guten
Teil seiner Arbeitszeit den Aufräumarbeiten nach einer
Korruptionsaffäre widmen. Nach wie vor nicht abgeschlossen sind
Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien in der "Causa Burgtheater",
auch gegen Ametsreiter selbst. Im Raum steht der Verdacht von
Schmiergeldzahlungen.
Die Aktien der Telekom Austria reagierten auf den während des
Börsenhandels bekannt gewordenen Abgang von Ametsreiter mit
Verlusten. Die Aktie war allerdings schon davor in einem schwachen
Umfeld im Minus. Aktuell kostet sie 5,75 Euro, das ist ein Minus von
3,68 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag.
( 0699-15, Format 88 x 82 mm)
(Schluss) pro/stf
ISIN AT0000720008
WEB http://www.telekomaustria.com
http://www.obib.co.at
http://www.americamovil.com/amx/en/