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Bank Austria Konjunkturindikator: Die Erholung geht weiter
- Bank Austria Konjunkturindikator setzt Aufwärtstrend mit Anstieg auf 1,2 Punkte im
Oktober fort
- Schlussquartal 2013 wird stärkstes Wirtschaftswachstum seit Anfang 2011 bringen –
weiter leichtes Plus im Gesamtjahr 2013 erwartet
- Schwungvolleres Wachstum auf ausgewogenerer Basis 2014: Investitionen und
Konsum unterstützen Exportwirtschaft
- Diskussion um Budgetloch förderte Unsicherheit
- Leitzinssenkung vernünftig, angesichts sinkender Inflation und Rekordarbeitslosigkeit
Die Erholung der heimischen Wirtschaft kommt voran. Der Aufwärtstrend seit dem Sommer setzt
sich fort. „Die Konjunkturaufhellung beginnt sich zu festigen. Der Bank Austria
Konjunkturindikator erreicht mit 1,2 Punkten im Oktober den höchsten Wert seit Sommer 2011. Erst vor drei Monaten hat unser Indikator den Minusbereich verlassen und zeigt seitdem eine
solide Aufwärtsbewegung“, freut sich Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.
Schlussquartal 2013 mit stärkstem Wirtschaftswachstum seit Anfang 2011
Die stetige Zunahme des Bank Austria Konjunkturindikators und insbesondere der spürbare
Anstieg im Oktober gegenüber dem Vormonat lässt eine Beschleunigung der Erholung der
österreichischen Wirtschaft im Schlussquartal 2013 erwarten. „Nach dem Anstieg des BIP im
dritten Quartal 2013 um 0,2 Prozent sollte sich das Wirtschaftswachstum zum Jahresausklang
um etwa 0,6 Prozent zum Vorquartal erhöhen. Damit wird voraussichtlich zum Jahresende auch
das stärkste Wirtschaftswachstum seit Anfang 2011 erreicht werden“, meint Bank Austria
Ökonom Walter Pudschedl. Für das Gesamtjahr 2013 ist nun von einem Wirtschaftswachstum
um 0,3 Prozent auszugehen. Damit haben die Ökonomen der Bank Austria aufgrund des leicht
unter den Erwartungen liegenden Q3-Ergebnisses ihre BIP-Prognose geringfügig
zurückgenommen.
Investitionen und Konsum unterstützen Exportwirtschaft
Wichtigste Wachstumsstütze bleibt bis zum Jahresende voraussichtlich die Auslandsnachfrage.
Die Einkaufsmanagerindices befinden sich in ganz Europa im Aufwärtstrend, die Auftragsbücher
füllen sich und die Stimmung in der europäischen Industrie hat sich im Oktober weiter
verbessert. In allen wichtigen Märkten der heimischen Wirtschaft nimmt die Zuversicht zu. Auch
in Österreich schätzen die Produzenten die Geschäftsaussichten deutlich vielversprechender als
in den vergangenen Monaten ein. Das Industrievertrauen liegt nach einem stetigen
Aufwärtstrend seit dem Frühsommer zwar noch leicht unter dem langjährigen Durchschnitt, doch
wird die Lage so günstig, wie letztmals im ersten Halbjahr 2012 eingeschätzt. „Die Stabilisierung
in Europa hat nicht nur die Stimmung in der europäischen und heimischen Industrie aufgehellt,
auch die österreichischen Konsumenten blicken im Oktober bereits etwas optimistischer in die
Zukunft als bisher“, so Pudschedl. Trotz der noch anhaltenden Verschlechterung der Lage am
Arbeitsmarkt deutet ein leichter Anstieg der Einzelhandelsumsätze auf eine weitere zaghafte
Unterstützung des BIP-Wachstums durch den privaten Konsum im Schlussquartal 2013 hin.
Auch der Investitionsstau der vergangenen Monate sollte sich weiterhin auflösen, so dass von der Inlandsnachfrage insgesamt bereits ein maßgeblicher Beitrag zum stärkeren
Wirtschaftswachstum zum Jahresende geleistet werden wird.
Schwungvolleres Wirtschaftswachstum 2014
Die österreichische Wirtschaft wird den frischen Schwung im neuen Jahr beibehalten können.
Für 2014 rechnen die Ökonomen der Bank Austria weiterhin mit einem Wirtschaftswachstum von
1,8 Prozent. Das anhaltend günstige monetäre Umfeld, gestärkt durch Fortschritte bei der
Umsetzung der Bankenunion, und vor allem der deutlich nachlassende Konsolidierungszwang in
Europa werden ein lebhafteres Wachstum auf ausgewogenerer Basis in Österreich fördern. Die
Inlandsnachfrage wird stärker als im laufenden Jahr die Exportwirtschaft als Träger des
Wachstums unterstützen können.
Diskussion um die Dimension des Budgetlochs war nicht sinnvoll und förderte
Unsicherheit
Von der heimischen Fiskalpolitik erwarten die Ökonomen der Bank Austria dagegen leicht
dämpfende Effekte für die Konjunktur, wobei sich die Einschätzung in den vergangenen
Monaten nicht verändert hat. Als „Nicht Ziel führend“ war laut Bank Austria Chefökonom Stefan
Bruckbauer die jüngste Diskussion über vorhandene Finanzierungslücken im Staatshaushalt und
ergänzt: Für 2013 ist unverändert von einem strukturellen Budgetdefizit von etwa 1,8 Prozent
des BIP auszugehen. Das entspricht dann auch dem Konsolidierungsbedarf um 2017 einen
ausgeglichenen strukturellen Budgetsaldo zu erreichen.“ In absoluten Zahlen geht es bei einem
angenommenen BIP von 315 Mrd. Euro im Jahr 2013 um einen Konsolidierungsbedarf von nicht
ganz 6 Mrd. Euro, erst kumuliert über die gesamte Periode des Finanzrahmens ergibt sich eine
Summe über 20 Mrd. Euro. „Bei Vorliegen eines glaubhaften Plans für die Reduktion des
strukturellen Defizits und gleichzeitig einer transparenten Abwicklung der HGAA dürften die
vorliegenden Budgetzahlen keinen Grund bieten, dass Investoren die Bonität Österreichs
schlechter beurteilen als vor den Wahlen. Allerdings hat die Diskussion der letzten Wochen
Unsicherheit hervorgerufen, die die Risken etwas steigen lassen und den Spielraum nun
einengen“, ist Bruckbauer überzeugt. Der Druck, einen klaren Plan zu liefern, hat jedenfalls
zugenommen.
Inflation bleibt niedrig, Leitzinsen auch
Der rückläufige Inflationstrend, der zu Jahresbeginn einsetzte, wird sich nach Ansicht der
Ökonomen der Bank Austria bis zum Jahreswechsel 2013/14 noch fortsetzen. „Nach dem
Rückgang im Oktober auf 1,4 Prozent wird auch Ende des Jahres die Teuerung voraussichtlich
unter dere Grenze von 1,5 Prozent liegen. Die noch moderate Konjunktur sowie stabile
Rohstoffpreise werden die Inflation auch in der ersten Jahreshälfte 2014 auf einem niedrigen
Niveau halten, erst danach könnte die lebhaftere Wirtschaftentwicklung hier eine Trendwende
einläuten“, meint Bruckbauer. Mit 1,8 Prozent im Jahresdurchschnitt 2014 wird die Teuerung
knapp unter dem erwarteten Wert von 1,9 Prozent für 2013 liegen.
EZB-Leitzinssenkung volkswirtschaftlich sinnvoll
„Wie wir wiederholt in der Vergangenheit aufgezeigt haben, ist nicht Inflation, sondern eine
mögliche Deflation der größere Risikofaktor für die europäische und auch österreichische
Wirtschaft. Angesichts der niedrigsten Teuerung seit fast vier Jahren und im Lichte der
Rekordarbeitslosigkeit in Österreich sehen wir die jüngste Entscheidung der Europäischen
Zentralbank zur Senkung des Leitzinssatzes auf nur noch 0,25 Prozent positiv“, so Bruckbauer.
Auch die Verlängerung der Vollzuteilung bei ihren Tendern bis Juli 2015 ist eine gute Nachricht
aus der EZB. „Es wird deutlich, dass sich die Zentralbank ernsthaft gegen ein restriktiver
gewordenes Finanzumfeld stellt. Da ihre konventionellen Möglichkeiten aber nun praktisch
ausgeschöpft sind, kann der nächste Schritt nur noch ein Langfristtender sein, sofern sich das
Finanzumfeld weiter verschärfen sollte“, meint Bruckbauer. Da die US-Notenbank im ersten
Quartal 2014 vermutlich die Drosselung ihrer Wertpapierkäufe starten wird, sind nach
Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria weitere liquiditätspolitische Maßnahmen der EZB
sogar wahrscheinlicher geworden.
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