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Deutschland: Einkaufsmanager Index erreicht im Juli ein Eineinhalb-Jahreshoch
- Starker Produktionszuwachs
- Leichte Zunahme bei Gesamtauftragseingängen trotz verringerter Exporte
- Größter Kostenrückgang seit vier Jahren
Erstmals seit fünf Monaten hat sich die Konjunkturlage im deutschen Industriesektor insgesamt leicht verbessert. Dies zeigt der saisonbereinigte Markit/BME Einkaufsmanager Index, der die aktuelle Lage der Industrie in einem Wert zusammenfasst. Der Index stieg von 48.6 Punkten in Juni auf 50.7 im Juli an und überschritt damit nicht nur die neutrale 50-Punkte Marke, sondern erreichte auch den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren.
Den Anstieg verdankt die Industrie hauptsächlich der erhöhten Zahl an Neuaufträgen und dem damit verbundenen Produktionszuwachs. Dieser fiel so markant aus wie seit Februar 2012 nicht mehr. Das größte Plus verzeichneten die Konsum- und die Vorleistungsgüterindustrie.
Nachdem die Gesamtauftragseingänge im Juni noch leicht abgenommen hatten, legten sie im Juli wieder zu. Bei den Exportbestellungen mussten die Unternehmen im Durchschnitt zwar den fünften Monat in Folge moderate Abstriche hinnehmen – besonders in China und dem europäischen Ausland ging die Nachfrage zurück. Doch dank einer ausreichenden Binnennachfrage, vor allem nach Konsumgütern, fiel die Bilanz der Neuaufträge dennoch positiv aus.
Im Gegensatz hierzu blieben die Auftragsbestände der Unternehmen gegenüber dem Vormonat nahezu konstant, was darauf schließen lässt, dass die Unternehmen über ausreichend Kapazitäten zur Abarbeitung der eingehenden Bestellungen verfügten. Aus diesem Grund stagnierte auch das Beschäftigungsniveau in der Industrie weitgehend. Stellenstreichungen im Vorleistungsgüterbereich wurden dabei durch Neueinstellungen in der Konsum- und Investitionsgüterindustrie ausgeglichen.
Aufgrund der erhöhten Produktion schrumpften die Vormateriallager der Produzenten so schnell wie seit März nicht mehr, ihre Fertigwarenlager nahmen hingegen zum ersten Mal seit einem Jahr wieder saldiert zu. Einige der befragten Unternehmen rechnen damit, dass die Kundennachfrage in den kommenden Monaten weiter zunehmen wird. Wenngleich die Hersteller ihre Bestellmengen im Juli geringfügig anhoben, wurden die Zulieferer erneut nicht ausgelastet. Stattdessen verkürzten sich ihre Lieferzeiten den sechsten Monat in Folge.
Die Unterauslastung der Zulieferer und die global schwindende Nachfrage nach Rohmaterial führten dazu, dass sich die durchschnittlichen Einkaufspreise für Industrieunternehmen im Juli abermals drastisch verringerten. Die neueste Umfrage ergab, dass vor allem Stahl im Vergleich zum Vormonat günstiger geworden ist. Die Kostenbelastung der Unternehmen verminderte sich insgesamt so markant wie seit vier Jahren nicht mehr. Dies gab den Herstellern genügend Spielraum für Preisnachlässe. Daher wurde auch für die Verkaufspreise aktuell ein deutlicher Rückgang gemessen.
Tim Moore, Ökonom bei Markit, kommentiert den finalen Markit/BME Einkaufsmanager Index:
“Für den deutschen Industriesektor zeichnete sich im Juli eine erfreuliche Trendwende ab. Ein Anstieg bei den Auftragseingängen und ein solider Produktionszuwachs verhalfen den Herstellern zu dem besten Gesamtergebnis seit eineinhalb Jahren.
Die neue Dynamik verdanken die Produzenten vor allem der erstarkenden Nachfrage auf dem Binnenmarkt. Das Exportgeschäft flaute indes ab, was vor allem dem Nachfragerückgang in China und dem europäischen Ausland geschuldet ist.
Am stärksten nahmen die Fertigungsvolumen im Konsum- und im Vorleistungsgüterbereich zu. Nur die exportorientierte Investitionsgüterindustrie musste ihre Produktion insgesamt zurückfahren.
Fallende Einkaufspreise sorgten bei den Herstellern für die größte Kostenreduzierung seit vier Jahren. Zudem profitierten die Unternehmen davon, dass sich die Lieferzeiten ihrer Zulieferer den sechsten Monat in Folge verkürzten.”
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