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ÖSTERREICH: Libro-Börsegang 1999 soll Betrug gewesen sein
Strafanzeige der Kripo NÖ - Vor Entscheidung über Anklage -
Rettberg weist Vorwürfe zurück
In einer neuen Strafanzeige erhebt die
Kriminalpolizei Niederösterreich (Wirtschaftskriminalität) den
Vorwurf, der Börsegang der Buch- und Papierkette Libro im Jahr 1999
sei betrügerisch erfolgt. Das berichtet die Tageszeitung ÖSTERREICH
in ihrer morgen, Freitag, erscheinenden Ausgabe.
Die mit 17. Jänner 2008 datierte Anzeige richtet sich gegen die
Ex-Libro-Vorstände André Rettberg und Johann Knöbl, zwei
Ex-Libro-Aufsichtsräte sowie zwei Wirtschaftstreuhänder der Kanzleien
Auditor und KPMG, schreibt ÖSTERREICH. Ihren Verdacht begründet die
Kriminalpolizei mit dem Hinweis, dass die wirtschaftliche Situation
von Libro schon vor dem Börsegang schlecht gewesen sei, dies aber
durch verfälschte Zahlen im Börseprospekt kaschiert wurde. "Die Libro
AG verfügte über negatives Eigenkapital. Anstehende Verbindlichkeiten
können mangels Liquidität nicht fristgerecht bezahlt werden -
zumindest Zahlungsstockungen sind evident", zitiert ÖSTERREICH aus
der Anzeige.
Es bestehe demnach der Verdacht, dass "der Börsegang notwendiger
zur Sanierung der Aktiengesellschaft war, als dass sich Anleger eine
Gewinnerwartung erhoffen durften". Im Börseprospekt sei die Situation
bewusst und im Zusammenwirken der Akteure beschönigt worden. Als
Schaden für die Anleger werden in dem Papier (Aktenzahl: GZ
P-105.371/02-Wi) 77,56 Millionen Euro genannt.
André Rettberg wies die Vorwürfe gegenüber ÖSTERREICH zurück.
"Alle Libro-Zahlen wurden von Experten doppelt geprüft." Sein
Strafverteidiger Elmar Kresbach greift im Gespräch mit der
Tageszeitung die ermittelnden Beamten an: "Die Anzeige zeigt, wie
sich ein kleiner niederösterreichischer Polizist die große
Wirtschaftswelt vorstellt. Mit der Realität haben diese
Milchmädchenrechnungen nichts zu tun."
Die neue Anzeige fuße teilweise auf einer Strafanzeige aus dem
September 2006, schreibt ÖSTERREICH weiter. Damals wurden zwölf
Aufsichtsräte, Vorstände und Wirtschaftsprüfer von Libro wegen
Verdacht auf Betrügerische Krida, Untreue und Bilanzfälschung
angezeigt.
Der Wiener Neustädter Staatsanwalt Johann Knöbl werde dem
Vernehmen nach noch vor dem Sommer über eine Anklage-Erhebung
entscheiden, so ÖSTERREICH, dabei aber die Oberstaatsanwaltschaft
Wien und das Justizministerium einbinden. Im Mittelpunkt der
Libro-Anklage werde jene Sonderdividende von 440 Millionen Schilling
stehen, die sich die Alteigentümer vor dem Börsegang genehmigten, und
die im Börseprospekt enthalten ist, so ÖSTERREICH.
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