Heimische Wirtschaft weiter auf Erholungskurs
UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator verbesserte sich im
Jänner auf minus 0,5 Punkte - Wirtschaft könnte heuer um 1
Prozent und 2027 um 1,5 Prozent wachsen - Inflation bremst
sich ein
Österreichs Konjunktur hat sich zum Jahresstart
weiter aufgehellt. Der UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator
verbesserte sich im Jänner auf minus 0,5 Punkte. Die Wirtschaft
könnte heuer um 1 Prozent und 2027 um 1,5 Prozent wachsen, nach
einem zarten Plus von 0,5 Prozent 2025. Die Inflation sollte sich
heuer laut Bank Austria von 3,6 auf 1,9 Prozent fast halbieren. Die
Erholung stehe aber auf unsicheren Beinen. Das internationale Umfeld
sei von Unwägbarkeiten geprägt.
Der volatile Aufwärtstrend des Bank Austria Konjunkturindikators
habe sich im Jänner fortgesetzt, berichtete Chefökonom Stefan
Bruckbauer am Montag. Der Indikator habe den höchsten Wert seit
Sommer 2022 erreicht "und signalisiert für den Jahresbeginn eine
weitere leichte Expansion der österreichischen Wirtschaft in
Fortsetzung der positiven Entwicklung des zweiten Halbjahres 2025".
Uneinheitliche Stimmung
Die Stimmung in den einzelnen Wirtschaftssektoren ist aber den
Angaben zufolge "durchwachsen" - mit einer deutlichen Verbesserung
im Dienstleistungssektor, aber einer weiteren Verschlechterung am
Bau. Insgesamt werde sich die Erholung der Konjunktur - gestützt auf
die Inlandsnachfrage und eine stabilere Exportwirtschaft -
jedenfalls fortsetzen und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) weiter
wachsen.
"Trotz der politischen Unsicherheiten und der schwelenden
Handelskonflikte hat sich das globale Exportumfeld stabilisiert und
der Pessimismus in der heimischen Industrie hat sich gemildert",
hielt Bruckbauer fest.
Die Stimmung am Bau habe sich im Jänner 2026 aber den vierten
Monat in Folge verschlechtert und erreiche mittlerweile den tiefsten
Wert seit fast einem Jahr. Im Hochbau habe sich zwar die
"vorsichtige Stabilisierung" fortgesetzt, aber im Tiefbau bereiteten
die geringen öffentlichen Budgetspielräume zunehmend Sorgen.
Spürbar niedrigere Inflation
Eine massive Entspannung gibt es bei der Teuerung. Der Wegfall
des Basiseffekts der auslaufenden Strompreisbremse habe dazu den
größten Beitrag geliefert. Weiters basiere der deutliche Rückgang
der Inflation auf sinkenden Energiepreisen. Ein schwächerer Anstieg
der Nahrungsmittelpreise - "ab der zweiten Jahreshälfte geringfügig
unterstützt durch eine Steuersenkung für Grundnahrungsmittel" - und
das Auslaufen der Zweitrundeneffekte im Dienstleistungssektor
sollten die Inflation weiterhin stabilisieren, so der Ökonom Walter
Pudschedl. "Wir haben daher unsere Inflationseinschätzung für den
Jahresdurchschnitt 2026 von 2,4 Prozent auf 1,9 Prozent gesenkt." Im
Jahresdurchschnitt könnte sie also sogar unter das Ziel der
Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 Prozent zurückgehen.
Konsumenten halten sich zurück
Die Stimmung unter den heimischen Verbraucherinnen und
Verbrauchern sei im Jänner trotz des spürbaren Rückgangs der
Inflation und der eingesetzten Stabilisierung am Arbeitsmarkt "etwas
zurückhaltender" geworden. Die Arbeitslosigkeit soll heuer gegenüber
dem abgelaufenen Jahr von 7,4 auf 7,3 Prozent leicht zurückgehen und
sich den Erwartungen der Ökonomen der Bank zufolge 2027 auf 7,2
Prozent weiter leicht verringern.
Die stabile Beschäftigungslage und die deutlich niedrigere
Inflation, die minimale reale Einkommenszuwächse ermögliche, dürften
den Aufwärtstrend unterstützen, zumal dadurch die Sparneigung
langsam nachlassen sollte. Allerdings lasse die vorsichtige Stimmung
der Konsumentinnen und Konsumenten die Sparneigung "weiter
überdurchschnittlich hoch" ausfallen. Auch die
Konsolidierungsbestrebungen der öffentlichen Haushalte begrenzten
die Dynamik des privaten Konsums.
Dienstleistungssektor atmet auf
Insgesamt sei die erneute Verbesserung des UniCredit Bank Austria
Konjunkturindikators zu Beginn des Jahres vorrangig der günstigen
Entwicklung der Stimmung im Dienstleistungssektor zu verdanken
gewesen. Der Tourismussektor erfreute sich den Angaben zufolge einer
hohen Auslastung in der bisherigen Wintersaison und der Handel
profitierte von einem guten Weihnachtsgeschäft. Auch in den
IT-Branchen und im Finanzsektor habe sich die Geschäftseinschätzung
verbessert. Weiters habe sich die moderate Verbesserung der Stimmung
in der österreichischen Industrie den vierten Monat in Folge
fortgesetzt, gefördert von einem günstigeren Exportumfeld.
Das Tempo der Konjunkturerholung in Österreich falle aber
deutlich niedriger aus als in früheren Aufschwungsphasen, betonte
Pudschedl. "Das liegt zum einen daran, dass die Binnennachfrage nur
verhalten in Schwung kommt und die Außenwirtschaft durch die
politischen Störfaktoren sowie ungelöste geopolitische Probleme kaum
Dynamik entwickelt", erklärte er den nur leichten BIP-Anstieg, den
die Bankexperten für heuer und für 2027 erwarten.
kre/tpo
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