ams-Osram sieht Standort Premstätten weiter auf "Wachstumspfad"
Mitarbeiteranzahl ändere sich nur geringfügig - langfristige
Lieferverträge bringen "sanftes Auslaufen" der Produktion im
Bereich der nicht-optischen Sensoren - Fokus auf Digital
Photonics - BILD
Nach der Bekanntgabe eines Teilverkaufs
von ams-Osram an Infineon haben die Vorstände am Mittwoch bei einer
Telefonkonferenz Details genannt: Sie präzisierten die
Verkaufsabsichten und die Neuausrichtung des Unternehmens auf sein
Kerngeschäft. "Die Mitarbeiterzahl in Premstätten wird sich nicht
großartig ändern", sagte CEO Aldo Kamper. Mit der Förderzusage beim
European Chips Act (ECA) habe es eine Standort-Wachstumszusage
gegeben "und auf dem Wachstumspfad sind wir auch".
Von den insgesamt 1.440 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in
Premstätten werden 70 zum Infineon-Standort nach Graz wechseln,
kündigte Kamper an. Insgesamt werden von den global rund 3.500
Stellen im betroffenen Sensorgeschäft 230 zu Infineon wechseln,
wobei die 70 aus der Steiermark eingerechnet sind. Besonders
betroffen sind die Bereiche Forschung, Entwicklung und Vertrieb.
Abgesehen von Premstätten seien auch noch Hyderabad in Indien,
Valencia in Spanien und Jona in der Schweiz betroffen. Kamper
versicherte, dass sämtliches Equipment in Premstätten bleibe und
auch für andere Anwendungen genutzt werde.
Geschäft mit nicht-optischen Sensoren wird verkauft
"Nach einem gründlichen Verkaufsprozess haben wir Infineon als
idealen Partner für die verkauften Geschäftsteile identifiziert", so
Kamper. Es seien verschiedene Angebote bewertet worden. Mit
einbezogen wurde unter anderem auch, ob der neue Eigentümer das
Geschäft weiterentwickeln kann. Konkret wird das nicht-optische
Analog-/Mixed-Signal-Sensorengeschäft mit Schwerpunkt auf
Anwendungen in der Automobil-, Industrie- und Medizintechnik
verkauft. Das umfasst unter anderem magnetische oder induktive
Positions- und Temperatur-Sensoren oder auch Röntgensensoren.
Beim Verkauf handle es sich laut Kamper um einen sogenannten
fabless-Deal. Das bedeutet, dass ams-Osram das Werk behält und auch
weiterhin die Produktion für Infineon übernimmt. Das mehrjährige
Lieferabkommen ermögliche ein "sanftes Auslaufen der Produktion", so
Kamper weiter. Die Auslastung des Standorts in Premstätten sei daher
gesichert, denn zeitgleich würden andere Bereiche gestärkt: "Wir
werden massiv in unsere 180-Nanometer-Fähigkeiten investieren und
diverse Produkte wie etwa die Treiber für unsere
Multipixel-LED-Eviyos künftig selber herstellen."
"Sensorik bleibt integraler Bestandteil von ams-Osram"
Kamper betonte, dass die nicht-optischen Sensoren nur ein Teil
des Geschäfts seien: "Unser Geschäft mit optischen, also
lichtbasierten, Sensoren, die in vielen mobilen Endgeräten Anwendung
finden, verbleibt im Unternehmen." Dabei handelt es sich etwa um
Sensoren für optimale Displayhelligkeit oder Kameraoptimierung. "Die
Sensorik bleibt also ein integraler Bestandteil von ams-Osram." Und
auch das Autolampen-Geschäft werde weiterhin beim
österreichisch-deutschen Konzern geschätzt. "Wir geben nur sieben
Prozent unseres Umsatzes ab, reduzieren damit aber die
Nettoverschuldung um rund ein Drittel", fasste Kamper zusammen.
Der CEO nannte die wichtigsten Aspekte für den Verkauf. Die
signifikante Reduktion der Nettoentschuldung senke die Zinslast.
Derzeit würden pro Jahr etwa 300 Mio. Euro für Zinsen aufgewendet.
Die Zinslast werde auf unter 150 Mio. Euro gesenkt. Zudem bekomme
ams-Osram mit dem Verkauf mehr strategischen Handlungsspielraum. Der
Fokus liege ab sofort auf Digital Photonics - in der
Automobilindustrie, bei Augmented Reality-Brillen, in der
Biosensorik, in der Robotik oder auch bei optischen
Datenverbindungen für KI-Rechenzentren. Davon soll auch Premstätten
profitieren, wo das Produktportfolio rund um die dafür notwendigen
Komponenten ausgebaut werden soll.
Österreichische Geschäftstätigkeiten verbleiben in Region Graz
Für die rund betroffenen 70 Mitarbeitenden aus der Steiermark
ändere sich der Arbeitsplatz nur geringfügig von Premstätten nach
Graz, wo Infineon einen großen Entwicklungsstandort besitzt, so
Kamper." Die österreichischen Geschäftstätigkeiten verbleiben in der
Region Graz und wechseln lediglich den Besitzer."
CFO Rainer Irle sagte, dass der Verkauf Teil eines Prozesses sei,
der bereits 2023 gestartet wurde, um das Unternehmen neu
auszurichten und auf eine stabile finanzielle Basis zu stellen. Das
Portfolio sei bereits in den vergangenen beiden Jahren gestrafft
worden, ams-Osram konzentrierte sich mehr auf die Wachstumsbereiche.
2026 stelle nun eine Übergangsphase dar, in der die Abschlüsse der
Verkäufe fallen. Das EBITA werde zunächst um rund 60 Mio. Euro aus
dem aktuellen Verkauf zurückgehen und um weitere 15 Mio. Euro aus
dem Verkauf des Industrielampengeschäfts an Ushio.
Die Zinsen würden vorerst im laufenden Jahr noch recht hoch
bleiben, aber mit der erst kürzlich in Deutschland angekündigten
Neuordnung der betrieblichen Altersvorsorge, mit der erhebliche
Barmittel freigesetzt worden seien, sei die Liquidität mit
Jahresende auf 1,5 Mrd. Euro gestiegen. Zusammen mit den nun
lukrierten Verkaufserlösen würden die Schulden "massiv reduziert".
Irle sprach von einer Reduktion der Nettoverschuldung um rund eine
Milliarde Euro. Damit werde das Kreditrating, das Wachstum und der
Cashflow ab 2027 steigen, prognostizierte der CFO.
Aktienkurs sprang nach oben
Die in der Schweiz notierten Aktien von ams-Osram sprangen
Mittwochvormittag um rund elf Prozent nach oben. Damit notieren die
seit längerem unter Druck stehenden Papiere wieder auf den Niveaus
vom Anfang des Jahres. Der Verkauf des 8-Zoll-Halbleiterwerks in
Kulim in Malaysia sei übrigens laut Kamper noch nicht über die
Bühne: "Wir sind mit mehreren Parteien im Gespräch." Es sei aber
schwer vorhersehbar, wann es zum Verkauf kommen werde.
Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA erneuerten am Mittwoch ihre
Forderungen, dass der betroffene Standort Premstätten abgesichert
werden muss. "Arbeitsplätze, Technologie und Know-how müssen weiter
erhalten werden. Wir werden genau beobachten, wie es in Premstätten
weitergeht", so die beiden Gewerkschaftsvorsitzenden Reinhold Binder
(PRO-GE) und Barbara Teiber (GPA).
kor/rst
ISIN AT0000A18XM4
WEB https://ams-osram.com/
ISIN AT0000946652
WEB http://www.sbo.co.at