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Datum/Zeit: 04.02.2026 13:05
Quelle: APA

ams-Osram sieht Standort Premstätten weiter auf "Wachstumspfad"


Mitarbeiteranzahl ändere sich nur geringfügig - langfristige Lieferverträge bringen "sanftes Auslaufen" der Produktion im Bereich der nicht-optischen Sensoren - Fokus auf Digital Photonics - BILD



Nach der Bekanntgabe eines Teilverkaufs von ams-Osram an Infineon haben die Vorstände am Mittwoch bei einer Telefonkonferenz Details genannt: Sie präzisierten die Verkaufsabsichten und die Neuausrichtung des Unternehmens auf sein Kerngeschäft. "Die Mitarbeiterzahl in Premstätten wird sich nicht großartig ändern", sagte CEO Aldo Kamper. Mit der Förderzusage beim European Chips Act (ECA) habe es eine Standort-Wachstumszusage gegeben "und auf dem Wachstumspfad sind wir auch".

Von den insgesamt 1.440 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Premstätten werden 70 zum Infineon-Standort nach Graz wechseln, kündigte Kamper an. Insgesamt werden von den global rund 3.500 Stellen im betroffenen Sensorgeschäft 230 zu Infineon wechseln, wobei die 70 aus der Steiermark eingerechnet sind. Besonders betroffen sind die Bereiche Forschung, Entwicklung und Vertrieb. Abgesehen von Premstätten seien auch noch Hyderabad in Indien, Valencia in Spanien und Jona in der Schweiz betroffen. Kamper versicherte, dass sämtliches Equipment in Premstätten bleibe und auch für andere Anwendungen genutzt werde.

Geschäft mit nicht-optischen Sensoren wird verkauft

"Nach einem gründlichen Verkaufsprozess haben wir Infineon als idealen Partner für die verkauften Geschäftsteile identifiziert", so Kamper. Es seien verschiedene Angebote bewertet worden. Mit einbezogen wurde unter anderem auch, ob der neue Eigentümer das Geschäft weiterentwickeln kann. Konkret wird das nicht-optische Analog-/Mixed-Signal-Sensorengeschäft mit Schwerpunkt auf Anwendungen in der Automobil-, Industrie- und Medizintechnik verkauft. Das umfasst unter anderem magnetische oder induktive Positions- und Temperatur-Sensoren oder auch Röntgensensoren.

Beim Verkauf handle es sich laut Kamper um einen sogenannten fabless-Deal. Das bedeutet, dass ams-Osram das Werk behält und auch weiterhin die Produktion für Infineon übernimmt. Das mehrjährige Lieferabkommen ermögliche ein "sanftes Auslaufen der Produktion", so Kamper weiter. Die Auslastung des Standorts in Premstätten sei daher gesichert, denn zeitgleich würden andere Bereiche gestärkt: "Wir werden massiv in unsere 180-Nanometer-Fähigkeiten investieren und diverse Produkte wie etwa die Treiber für unsere Multipixel-LED-Eviyos künftig selber herstellen."

"Sensorik bleibt integraler Bestandteil von ams-Osram"

Kamper betonte, dass die nicht-optischen Sensoren nur ein Teil des Geschäfts seien: "Unser Geschäft mit optischen, also lichtbasierten, Sensoren, die in vielen mobilen Endgeräten Anwendung finden, verbleibt im Unternehmen." Dabei handelt es sich etwa um Sensoren für optimale Displayhelligkeit oder Kameraoptimierung. "Die Sensorik bleibt also ein integraler Bestandteil von ams-Osram." Und auch das Autolampen-Geschäft werde weiterhin beim österreichisch-deutschen Konzern geschätzt. "Wir geben nur sieben Prozent unseres Umsatzes ab, reduzieren damit aber die Nettoverschuldung um rund ein Drittel", fasste Kamper zusammen.

Der CEO nannte die wichtigsten Aspekte für den Verkauf. Die signifikante Reduktion der Nettoentschuldung senke die Zinslast. Derzeit würden pro Jahr etwa 300 Mio. Euro für Zinsen aufgewendet. Die Zinslast werde auf unter 150 Mio. Euro gesenkt. Zudem bekomme ams-Osram mit dem Verkauf mehr strategischen Handlungsspielraum. Der Fokus liege ab sofort auf Digital Photonics - in der Automobilindustrie, bei Augmented Reality-Brillen, in der Biosensorik, in der Robotik oder auch bei optischen Datenverbindungen für KI-Rechenzentren. Davon soll auch Premstätten profitieren, wo das Produktportfolio rund um die dafür notwendigen Komponenten ausgebaut werden soll.

Österreichische Geschäftstätigkeiten verbleiben in Region Graz

Für die rund betroffenen 70 Mitarbeitenden aus der Steiermark ändere sich der Arbeitsplatz nur geringfügig von Premstätten nach Graz, wo Infineon einen großen Entwicklungsstandort besitzt, so Kamper." Die österreichischen Geschäftstätigkeiten verbleiben in der Region Graz und wechseln lediglich den Besitzer."

CFO Rainer Irle sagte, dass der Verkauf Teil eines Prozesses sei, der bereits 2023 gestartet wurde, um das Unternehmen neu auszurichten und auf eine stabile finanzielle Basis zu stellen. Das Portfolio sei bereits in den vergangenen beiden Jahren gestrafft worden, ams-Osram konzentrierte sich mehr auf die Wachstumsbereiche. 2026 stelle nun eine Übergangsphase dar, in der die Abschlüsse der Verkäufe fallen. Das EBITA werde zunächst um rund 60 Mio. Euro aus dem aktuellen Verkauf zurückgehen und um weitere 15 Mio. Euro aus dem Verkauf des Industrielampengeschäfts an Ushio.

Die Zinsen würden vorerst im laufenden Jahr noch recht hoch bleiben, aber mit der erst kürzlich in Deutschland angekündigten Neuordnung der betrieblichen Altersvorsorge, mit der erhebliche Barmittel freigesetzt worden seien, sei die Liquidität mit Jahresende auf 1,5 Mrd. Euro gestiegen. Zusammen mit den nun lukrierten Verkaufserlösen würden die Schulden "massiv reduziert". Irle sprach von einer Reduktion der Nettoverschuldung um rund eine Milliarde Euro. Damit werde das Kreditrating, das Wachstum und der Cashflow ab 2027 steigen, prognostizierte der CFO.

Aktienkurs sprang nach oben

Die in der Schweiz notierten Aktien von ams-Osram sprangen Mittwochvormittag um rund elf Prozent nach oben. Damit notieren die seit längerem unter Druck stehenden Papiere wieder auf den Niveaus vom Anfang des Jahres. Der Verkauf des 8-Zoll-Halbleiterwerks in Kulim in Malaysia sei übrigens laut Kamper noch nicht über die Bühne: "Wir sind mit mehreren Parteien im Gespräch." Es sei aber schwer vorhersehbar, wann es zum Verkauf kommen werde.

Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA erneuerten am Mittwoch ihre Forderungen, dass der betroffene Standort Premstätten abgesichert werden muss. "Arbeitsplätze, Technologie und Know-how müssen weiter erhalten werden. Wir werden genau beobachten, wie es in Premstätten weitergeht", so die beiden Gewerkschaftsvorsitzenden Reinhold Binder (PRO-GE) und Barbara Teiber (GPA).

kor/rst

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