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Datum/Zeit: 12.03.2025 17:40
Quelle: APA

Agrana schließt zwei Zuckerfabriken in Österreich und Tschechien


Zwei von vier Zuckerfabriken in Österreich und Tschechien geschlossen - "Teil der strategischen Neuausrichtung" - 120 Mitarbeiter in Leopoldsdorf und 150 in Hrušovany betroffen - BILD GRAFIK



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Der börsennotierte Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern Agrana schließt zwei seiner vier Zuckerfabriken in Österreich und Tschechien. Die Produktion an den Standorten Leopoldsdorf im Marchfeld sowie Hrušovany in Tschechien wurde mit sofortiger Wirkung eingestellt. Dies habe der Agrana-Aufsichtsrat in seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen, teilte der Konzern überraschend mit. Die Schließung betrifft rund 120 Mitarbeiter in Leopoldsdorf sowie rund 150 in Hrušovany.

Die Entscheidung zur Schließung von zwei Produktionsstandorten sei "schwierig, aber notwendig", so Agrana-Chef Stephan Büttner in einer Aussendung. Diese Maßnahme sei "ein wichtiger Teil der strategischen Neuausrichtung des Konzerns, mit der eine langfristige Stabilisierung und Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Zuckerproduktion erreicht werden soll". Steigende Produktionskosten, zunehmender Wettbewerbsdruck durch den Rückgang des Zuckerverbrauchs in der EU, Marktliberalisierungen sowie regulatorische Vorgaben hätten die Fortführung der Produktion an je zwei Standorten in Österreich und Tschechien "wirtschaftlich untragbar gemacht", erklärte die Agrana.

Agrana-Zuckerproduktion in Österreich künftig nur mehr in Tulln

In Österreich wird die gesamte Agrana-Zuckerproduktion künftig nur mehr am Standort Tulln erfolgen und in Tschechien nur mehr am Standort Opava. Die Zuckerfabrik Leopoldsdorf war wegen zu geringer Rübenmengen schon in der Vergangenheit vor dem Aus gestanden. Im Herbst 2020 verkündeten die Agrana, das Landwirtschaftsministerium und die Rübenbauern daher einen "Zuckerpakt", um die Fabrik in Leopoldsdorf abzusichern. Um die Fabriken in Tulln und Leopoldsdorf gut auszulasten, benötigt das Unternehmen nach Angaben vom Mai des vergangenen Jahres die Zuckerrüben-Anbaumenge von 38.000 Hektar. Damals hatte Büttner noch in Bezug auf die damals in Ausarbeitung befindliche Konzernstrategie betont, dass Leopoldsdorf "nicht zur Disposition" stehe.

Für die 270 Mitarbeiter, die von den zwei Werksschließungen betroffen sind, will der Zuckerkonzern "umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen" bereitstellen. Vorgesehen sind Umschulungen und Qualifikationsprogramme, Möglichkeiten zur Übernahme von Stellen an anderen Agrana-Standorten sowie individuelle Abfindungen und Beratung bei der beruflichen Neuorientierung.

Errichtet wurde das Werk Leopoldsdorf in den Jahren 1901 und 1902 als Rohzuckerfabrik. Im Jahr 1925 wurde sie zu einer Weißzuckerfabrik umgebaut. Von dort aus erfolgte die Zuckerauslieferung vorwiegend an die weiterverarbeitende Industrie in loser und verpackter Form. Der Agrana-Standort Leopoldsdorf soll nach dem Ende der Zuckerproduktion als Logistik-Hub bestehen bleiben.

"Massiver Einschnitt für Landwirtschaft"

"Die Schließung von Leopoldsdorf ist ein massiver Einschnitt für die heimische Landwirtschaft", so der Landwirtschaftskammer-NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager in einer Aussendung. Die Rübenbauern würden nun "vor erheblichen Herausforderungen, sowohl wirtschaftlich als auch hinsichtlich ihrer langfristigen Planungssicherheit" stehen. Der Chef der SPÖ Niederösterreich, Sven Hergovich, rief die Landesregierung von ÖVP und FPÖ auf, das Industriegebiet in Leopoldsdorf zu erhalten.

Weil unter anderem ukrainischer Zucker in die Agrana-Absatzmärkte gelange, sei es "derzeit nicht möglich, den in Österreich über den Eigenbedarf erzeugten Zucker in diesen Regionen, so wie in der Vergangenheit, abzusetzen", erklärte die Vereinigung "Die Rübenbauern". Deswegen habe die Agrana für den Anbau 2025 die Rübenflächen "drastisch reduziert". "Offenbar sieht unser heimisches Zuckerunternehmen keine Perspektive auf Marktverbesserung in ihren Ostmärkten", so der Rübenbauern-Verband. Das gemeinsame Ziel mit Agrana bleibe "weiterhin, die Eigenversorgung mit heimischem Zucker aus österreichischen Zuckerrüben sicherzustellen", so Verbandspräsident Ernst Karpfinger. Über den bundesweiten Verband sind die Rübenbauern zu knapp 15 Prozent an der Agrana beteiligt.

(Redaktionelle Hinweise: 0394-25, Format 88 x 92 mm) cri/tpo/pro

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