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Datum/Zeit: 16.03.2023 16:05
Quelle: APA

Verbund verdoppelte Gewinn, erhöht aber auch Investitionen stark


Konzern profitierte von hohen Strompreisen - Konzernergebnis auf 1,72 Mrd. Euro verdoppelt - 3,60 Euro je Aktie Dividende - Gewinnabschöpfung - GRAFIK



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Der Stromkonzern Verbund hat im abgelaufenen Geschäftsjahr von den stark Strompreisen auf dem Großhandelsmarkt profitiert und in den wesentlichen Kennzahlen Verdoppelungen erzielt. Das Konzernergebnis erhöhte sich um 97 Prozent auf 1,72 Mrd. Euro. In den kommenden drei Jahren will das Unternehmen mit rund 4,6 Mrd. Euro so viel investieren wie noch nie. Von dem guten Ergebnis profitieren auch die Aktionäre, darunter die Republik Österreich.

"Wir wollen beitragen zum Ausbau der grünen Erzeugung in Europa, das ist wichtig, damit dieser Kontinent weniger abhängig ist von fossilen Importen wird und damit es wieder zu günstigen Strompreisen kommt", sagte Verbund-Vorstandsvorsitzender Michael Strugl am Donnerstag bei der Präsentation des Jahresergebnisses. Deshalb werde man von 2023 bis 2025 insgesamt rund 4,6 Mrd. Euro in den Netzausbau, die Effizienzsteigerung und des Ausbau der Wasserkraft und Wind- und Solarkraft investieren. Der Verbund habe seine Investitionen damit um 50 Prozent erhöht.

"Das Jahr 2022 war von zahlreichen Risiken und Unsicherheiten geprägt, die zum Teil historische Ausmaße angenommen haben", sagte Finanz-Chef Peter Kollmann und verwies auf die besonders trockenen Monate und damit verbundene geringere Erzeugung aus Wasserkraft und die hohen Strom- und Gaspreise.

Von den hohen Preisen habe der Verbund natürlich profitiert, gleichzeitig seien dadurch aber auch Margin-Zahlungen zur Absicherung von Geschäften an den Energiebörsen in Milliardenhöhe fällig geworden. Die Liquidität für diese Zahlungen aufzubringen, sei enorm herausfordernd gewesen. "Wir haben einen milliardenschweren Sicherheitspuffer", sagte Kollmann. Es sei wichtig, "dass dieses Konzernergebnis nicht nur in seinem trockenen Anstieg gesehen wird", sagte der Finanz-Vorstand und verwies auf eine höhere Dividende und die gestiegenen Investitionen.

Auch für 2023 erwartet das Unternehmen große Volatilität bei den Marktpreisen. Unter anderem davon abhängig sei auch die erwartete Höhe der Gewinnabschöpfung: "Aus heutiger Sicht ist die Bandbreite sehr groß", sagte Strugl. Der Verbund rechnet demnach mit einer Abschöpfung zwischen 300 und 800 Mio. Euro für 2023.

Zur kürzlich gefallenen Entscheidung des Handelsgerichts Wien, die die Verbund-Preiserhöhung vom Mai 2022 für unzulässig erklärt hat, sagte Strugl im Bezug auf die Endkundenpreise: "Wenn Marktpreise nicht mehr maßgeblich sind, schafft das eine völlig neue Situation". Das müsse nun ausjudiziert werden, der Verbund hat Berufung gegen das Urteil eingelegt, Strugl rechnet auch damit, dass der Fall vor den Obersten Gerichtshof (OGH) kommt.

Der Gewinn vor Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) verdoppelte sich auf 3,16 Mrd. Euro. Auch beim operativen Ergebnis (EBIT) verzeichnete der Verbund eine Verdoppelung auf 2,63 Mrd. Euro. Die Umsatzerlöse legten kräftig um 117 Prozent auf 10,35 Mrd. Euro zu. Aufgrund des trockenen Sommers war die Erzeugung aus Laufwasserkraft im Geschäftsjahr 2022 aber stark unterdurchschnittlich. Der Erzeugungskoeffizient lag mit 0,86 um 9 Prozentpunkte unter dem Wert des Vorjahres und um 14 Prozentpunkte unter dem langjährigen Durchschnitt. Demnach musste im vergangenen Jahr nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer Strom importiert werden.

Von der guten Geschäftsentwicklung profitieren auch die Aktionäre, darunter die Republik Österreich. Der teilstaatliche Konzern will für 2022 eine deutlich höhere Dividende von 3,60 Euro je Aktie ausschütten. Diese Dividende bestehe aus einer ordentlichen Dividende in Höhe von 2,44 Euro pro Aktie und einer Sonderdividende in Höhe von 1,16 Euro pro Aktie. 2021 lag die Dividende bei 1,05 Euro pro Anteilsschein. Insgesamt ergibt sich somit für das Jahr 2022 eine Ausschüttung von 848 Mio. Euro, mit der Sonderdividende kommen nochmals 400 Mio. Euro dazu. Die Republik Österreich erhalte für 2022 rund 1,5 Mrd. Euro, bestehend aus Dividende, Steuern und Gewinnabschöpfung.

Die Republik hält 51,0 Prozent am Verbund, weitere 25,0 Prozent gehören einem Syndikat aus EVN und Wiener Stadtwerke, 5,0 Prozent hält die TIWAG und 20,0 Prozent sind in Streubesitz. Der Verbund-Aktienkurs lag am Donnerstag zu Mittag bei 78,10 Euro, die Veröffentlichung der Jahresergebnisse bescherte der Aktie ein Plus von 0,71 Prozent. Seit Jahresbeginn verlor die Aktie 1,08 Prozent, 2022 gab der Kurs um 20,5 Prozent nach. Grund waren laut Verbund die diskutierten und beschlossenen Markteingriffe, die für Verunsicherung gesorgt haben.

Für das Geschäftsjahr 2023 erwartet der Stromkonzern ein EBITDA zwischen rund 3,5 und 4,4 Mrd. Euro und ein Konzernergebnis zwischen rund 1,9 und 2,5 Mrd. Euro. Die Ausschüttungsquote soll zwischen 45 und 55 Prozent des bereinigten Konzernergebnis liegen.

Das gewerkschaftsnahe Momentum Institut ortet beim Verbund-Ergebnis "enorme Übergewinne". Der Umsatz pro Megawattstunde sei demnach stark gestiegen, einerseits aufgrund von höheren Kosten, andererseits aber auch weil der Verbund den Gewinnaufschlag verdoppelt habe. Die Grenzwerte der vorgesehene Abschöpfung von Übergewinnen seien unterdessen so großzügig gestaltet, dass sie für den Löwenanteil der Gewinne gar nicht greifen würden, kritisierte der Thinktank am Donnerstag in einer Aussendung. Auch FPÖ-Obmann Herbert Kickl hat die Gewinnverdoppelung des Verbund kritisiert und forderte die Regierung auf, die Dividende "umgehend für Entlastungsmaßnahmen" einzusetzen.

Für SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter ist mit den hohen Gewinnen der Energiekonzerne 2022 "etwas gehörig aus dem Ruder geraten". Er forderte am Donnerstag in einer Aussendung "eine gerechte Sonderbesteuerung auf Übergewinne". Auch SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner zeigte auf Twitter wenig Verständnis für das Verbund-Ergebnis.

(Redaktionelle Hinweise: 0420-23, 88 x 90 mm) cgh/kan/itz/sag

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