Konjunktur

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Datum/Zeit: 24.10.2021 11:30
Quelle: Konjunktur - Presseaussendung

Eurozone im Oktober: Lieferengpässe sorgen für schwächstes Wirtschaftswachstum seit sechs Monaten und Rekord-Preisanstieg



Verschärfte Lieferengpässe und die anhaltende Besorgnis hinsichtlich der Coronavirus-Pandemie sorgten dafür, dass sich das Wirtschaftswachstum der Eurozone im Oktober auf ein 6-Monatstief abschwächte. Am stärksten fiel die Abkühlung in der Industrie aus, doch auch im Dienstleistungssektor verlor das Geschäftswachstum an Schwung.

Aufgrund des Rekord-Verteuerung der Einkaufspreise erreichte auch der Anstieg der Verkaufspreise ein neues Allzeithoch.

Im Zuge weiterer Kapazitätsausweitungen zur Befriedigung der Nachfrage legten die Beschäftigtenzahlen mit der zweithöchsten Rate seit 21 Jahren zu.

Sorgen hinsichtlich weiterer Lieferprobleme im Zusammenhang mit der Pandemie trugen dazu bei, dass der Geschäftsausblick vor allem in der Industrie weniger optimistisch ausfiel als zuletzt.

Der IHS Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion gab binnen Monatsfrist um 1,9 Punkte auf 54,3 nach – der dritte Rückgang in Folge. Im Juli hatte der Index noch ein 15-Jahreshoch erreicht.

Ungeachtet der niedrigsten Wachstumsrate seit April notierte der Index allerdings noch immer deutlich über dem bis zum Beginn der Pandemie gemessenen Langzeit-Durchschnitt von 53,0 Punkten.

Am stärksten kühlte sich die Wirtschaft in Deutschland ab, hier sank der Composite-Index auf den tiefsten Wert seit Februar. In Frankreich fiel er auf den tiefsten Wert seit April, genauso wie in den übrigen von der Umfrage erfassten Ländern.

Der Servicesektor hatte beim Wachstum den zweiten Monat in Folge die Nase vorn. In der Industrie schwächte sich die Produktionsrate dagegen zum vierten Mal hintereinander ab und landete auf einem 16-Monatstief.

Ähnlich verlief die Entwicklung beim Auftragseingang, auch hier verbuchten die Dienstleister ein höheres Plus als die Hersteller im Vergleich zu September. Der Index Gesamt-Auftragseingang ging im Oktober auf den tiefsten Wert seit April zurück.

Zurückzuführen war das insgesamt verlangsamte Produktionswachstum – angeführt vom neuerlichen Rückgang in Frankreich und dem annähernden Stillstand in Deutschland – auf die weitverbreiteten Lieferengpässe. Mit Ausnahme vom Mai dieses Jahres verlängerten sich die Vorlaufzeiten in so gravierendem Ausmaß wie nie zuvor in der über zwanzigjährigen Umfragegeschichte, da sich die Liefer- und Transportprobleme verschlimmerten.

Am schlechtesten schnitt der Automobilsektor ab, hier schrumpfte die Produktion mit beschleunigter Rate.

Der Servicesektor hielt sich zwar vergleichsweise wacker, doch auch hier verlangsamte sich das Wachstum und fiel insgesamt so schwach aus wie zuletzt im April. In Deutschland und den übrigen Ländern kühlten sich die Geschäfte der Dienstleister ab, in Frankreich belebten sie sich leicht.

Während die Abschwächung im Servicesektor teilweise ein Abflauen der Sommererholung von dem zu Beginn des Jahres verzeichneten Rückgang der Aktivität widerspiegelt, kühlten die Geschäfte vor allem in der Reise,- Tourismus- und Freizeitbranche ab, was auf die Besorgnis hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie zurückzuführen war. Starkes Wachstum war dagegen im Gesundheitswesen, in der Medienbranche, sowie bei Banken und Finanzdienstleistern außerhalb des Bankensektors zu verzeichnen.

Da die Kapazitäten in Industrie und Servicesektor erneut unter Druck standen, nahmen die Auftragsbestände abermals stark zu, wenngleich mit der niedrigsten Rate seit April. In der Industrie stiegen die unerledigten Aufträge diesmal besonders rasant.

Um die Auftragsbestände abzubauen, beschleunigte sich der Personalaufbau und fiel wieder so stark aus wie beim 20-Jahreshoch im Juli. In Deutschland und Frankreich gewann der Jobaufbau jeweils an Fahrt, in den übrigen Ländern fiel er so kräftig aus wie selten zuvor in den zurückliegenden 21 Jahren.

Beschleunigt hat sich der Jobaufbau in Industrie und Servicesektor gleichermaßen. Bei einigen Herstellern waren Neueinstellungen wegen der Materialengpässe allerdings hinfällig. Im Servicesektor legte die Beschäftigung so stark zu wie seit 2007 nicht mehr.

Engpässe bei zahlreichen Gütern und Dienstleistungen trieben den Anstieg der Einkaufspreise im Oktober auf ein neues Allzeithoch. Im verarbeitenden Gewerbe legten sie mit neuer Rekordrate zu, im Dienstleistungssektor so rasant wie zuletzt im September 2000.

Die Verkaufspreise wurden sowohl in der Industrie als auch im Servicesektor so deutlich angehoben wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung dieser Daten vor fast zwanzig Jahren.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen zum vierten Mal hintereinander weniger optimistisch aus im jeweiligen Vormonat, sodass der entsprechende Index auf den tiefsten Wert seit Februar sank. Im Servicesektor hellte sich der Ausblick auf, in der Industrie trübte er sich auf den tiefsten Wert seit einem Jahr ein, hauptsächlich wegen der Sorgen über die weiteren Auswirkungen der Pandemie auf Lieferketten und Preise.

Chris Williamson, Chief Business Economist bei IHS Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-PMI:

„Die starke Abkühlung im Oktober bedeutet, dass die Eurozone mit der schwächsten Wachstumsdynamik seit April ins vierte Quartal 2021 gestartet ist. In der Industrie, die mit Verzögerungen in den Lieferketten zu kämpfen hatte, fielen die Produktionszuwächse so schwach aus wie seit den ersten Schließungen im letzten Jahr nicht mehr. Im Dienstleistungssektor ist ein Teil des Sommeraufschwungs mittlerweile verflogen, da die wieder steigenden Infektionszahlen vielerorts Besorgnis auslösten, und zwar vor allem in Deutschland.

Diese Befürchtungen trafen wieder einmal in erster Linie die verbrauchernahen Sektoren wie Reise, Tourismus und Freizeit.

Die anhaltende Pandemie bedeutet, dass Störungen in der Lieferkette nach wie vor ein großes Problem darstellen. Dies führt dazu, dass vielerorts die Produktion nur gedrosselt läuft und die Preise sowohl in der Industrie als auch im Servicesektor weiter in die Höhe getrieben werden.

So steigen die Verkaufspreise für Waren und Dienstleistungen so rasant wie seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr, was sich in den kommenden Monaten unweigerlich in höheren Verbraucherpreisen niederschlagen wird.

Auch wenn die Wachstumsrate insgesamt derzeit noch über dem langjährigen Durchschnittswert liegt, scheinen die Risiken in nächster Zeit eher zuzunehmen, da die Pandemie die Volkswirtschaften nach wie vor beeinträchtigt und die Preise in die Höhe treibt. Nach starken Zuwächsen im zweiten und dritten Quartal 2021 scheint das BIP-Wachstum im vierten Quartal deutlich schwächer auszufallen."

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