Konjunktur

Konjunktur

Datum/Zeit: 09.10.2021 09:20
Quelle: Konjunktur - Presseaussendung

Nachlassende Nachfrage und Lieferprobleme sorgen in der Eurozone für weitere Abkühlung



Da Materialengpässe sowohl das Produktionswachstum in der Industrie als auch die Geschäftstätigkeit im Servicesektor bremsten, verlor der Aufschwung der Eurozone im September den zweiten Monat in Folge an Fahrt. Abgeschwächt haben sich auch die Zuwächse bei Auftragseingang und Beschäftigung, und die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist sanken auf den tiefsten Wert seit Februar.

Gleichzeitig beschleunigte sich der Anstieg der Einkaufspreise, die mit der zweithöchsten Rate seit Umfragebeginn im Juli 1998 zulegten. Die Verkaufspreise stiegen mit der dritthöchsten Rate seit Umfragebeginn, lediglich übertroffen von den Werten im Juni und Juli.

Mit aktuell 56,2 Punkten nach 59,0 im August sank der finale IHS Markit Eurozone Composite Index (PMI®) auf den tiefsten Wert seit April. Zwar blieb die Wachstumsrate damit hoch, im Vergleich zu den annähernden Höchstwerten von Juni und August schwächte sie sich jedoch deutlich ab.

Auf Sektorenebene zeigte sich, dass der Servicesektor im September erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie Anfang 2020 stärker gewachsen ist als die Industrieproduktion, die von den anhaltenden Lieferproblemen gebremst wurde. Ungeachtet dessen fielen die Steigerungsraten in beiden Fällen erheblich niedriger aus als im August.

Rangliste Composite Output Index September:

Irland 61,5 5-Monatstief
Spanien 57,0 5-Monatstief
Italien 56,6 4-Monatstief
Deutschland 55,5 (Flash: 55,3) 7-Monatstief
Frankreich 55,3 (Flash: 55,1) 5-Monatstief

Die Länderindizes deuten allesamt auf eine verbreitete Abkühlung im September hin. Irland war beim Wachstum Spitzenreiter, während die beiden größten Eurozone-Länder Frankreich und Deutschland Schlusslichter waren.

Das siebte Auftragsplus in Folge fiel schwächer aus als in den zurückliegenden vier Monaten. Analog zur Produktion waren beide Sektoren davon betroffen, insbesondere der Industriesektor.

Ungeachtet dessen notierte der entsprechende Industrie-Auftragsindex höher als derjenige im Servicesektor, hauptsächlich wegen der stärkeren Auslandsnachfrage. Die Dienstleister verbuchten beim Exportneugeschäft hingegen nur ein MiniPlus.

Trotz anhaltend kräftigem Zuwachs schwächte sich der Stellenaufbau gegenüber August ab, und zwar in allen von der Umfrage erfassten Ländern. Irland war auch in dieser Kategorie führend. Dass die Auftragsbestände zum siebten Mal hintereinander rasant zulegten, deutete auf den nach wie vor vorherrschenden Kapazitätsdruck hin.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist blieben im September zwar positiv, der Grad an Optimismus sank jedoch auf den tiefsten Wert seit Februar.

Nach der leichten Abschwächung im August beschleunigte sich der Preisdruck im Berichtsmonat wieder. Die Einkaufspreise legten mit der zweithöchsten Rate seit Umfragebeginn im Juli 1998 zu, die Verkaufspreise mit der dritthöchsten (lediglich übertroffen von den Raten im Juni und Juli). Im Servicesektor stiegen die Einkaufspreise am stärksten, die Verkaufs- bzw. Angebotspreise wurden in beiden Sektoren deutlicher angehoben als zuletzt.

Servicesektor

Mit aktuell 56,4 Punkten nach 59,0 im August sank der finale IHS Markit Eurozone Service-Index auf den tiefsten Wert seit April. Ungeachtet dessen liefen die Geschäfte der Dienstleister im September nach wie vor ausgesprochen gut.

Der fünfte Auftragszuwachs in Folge fiel niedriger aus als in den zurückliegenden vier Monaten. Das Exportneugeschäft wies nach den relativ hohen Steigerungsraten in den drei Vormonaten diesmal nur noch ein Mini-Plus aus.

Der Stellenaufbau schwächte sich auf ein Vier-Monatstief ab, während sich die Auftragsbestände ein weiteres Mal stapelten.

Die Dienstleister rechneten im September damit, dass sich die Weltwirtschaft auch in den kommenden zwölf Monaten weiter von der Pandemie erholen wird, weshalb der Ausblick auch erneut äußerst optimistisch ausfiel.

Die Einkaufs- und Angebotspreise stiegen im September wieder schneller als zuletzt. Der Index Einkaufspreise kletterte auf den höchsten Wert seit Mitte 2008, der Index Angebotspreise notierte erneut auf einem der höchsten Werte seit über zwanzig Jahren.

Kommentar:

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei IHS Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite-PMI: „Die derzeitige Wirtschaftslage in der Eurozone ist eine unliebsame Mischung aus steigendem Preisdruck und verlangsamtem Wachstum. Beides hängt mit Lieferengpässen zusammen, vor allem in der Industrie, die einen stärkeren Rückgang des Produktionswachstums zu verzeichnen hat als der Dienstleistungssektor.

Da die Versorgungsengpässe das Verarbeitende Gewerbe wahrscheinlich noch bis weit ins Jahr 2022 hinein beeinträchtigen werden, ist die Wirtschaft zunehmend auf den Servicesektor angewiesen, um auf solidem Erholungspfad zu bleiben. Doch auch die Dienstleister vermeldeten eine deutliche Abschwächung des Nachfragewachstums, was sich jedoch nicht so leicht mit Engpässen erklären lässt, sondern zum Teil damit zusammenhängt, dass die Kunden durch die Besorgnis über die anhaltende Pandemie und durch höhere Preise abgeschreckt wurden, sowie mit einer gewissen Mäßigung der Ausgaben nach der anfänglichen Wiederbelebung der Wirtschaft.

Obwohl die Wirtschaftskraft im historischen Vergleich momentan noch immer relativ solide zulegt, startet die Wirtschaft mit einer Wachstumsverlangsamung ins letzte Quartal dieses Jahres.

Dass die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist auf den niedrigsten Wert seit Februar gesunken sind, birgt für den Ausblick ein weiteres Abwärtsrisiko."

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