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Datum/Zeit: 12.05.2021 13:36
Quelle: APA

Wienerberger trotz Corona voll ausgelastet


Scheuch: Wir haben sogar Probleme, unsere Produkte rasch genug zu unseren Baustellen zu bringen - Grenzschließungen bremsen - Personenfreiheit in der EU aber generell noch zu bürokratisch - BILD



Der weltweit größte Ziegelhersteller Wienerberger trotzt der Coronakrise und sieht sich für das Gesamtjahr 2021 auf Kurs. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen steht ein bereinigter Gewinn (EBITDA) von 600 bis 620 Mio. Euro ins Haus. An den knapp 200 Produktionsstandorten weltweit brummt es. "Wir fahren derzeit Volllast und haben sogar Probleme, unsere Produkte rasch genug zu unseren Baustellen zu bringen", sagte Konzernchef Heimo Scheuch am Mittwoch im Gespräch mit der APA.

Gegen die explodierenden Baustoffpreise, die derzeit der Baubranche insgesamt zu schaffen machen, hat sich der Konzern verhältnismäßig gut gewappnet. "Alle inflationären Kostensteigerungen haben wir heuer an die Kunden weitergeben können - das war relativ moderat, da wir uns bereits im Vorjahr zu günstigen Preisen eingedeckt haben", betonte der CEO. Preiserhöhungen von 2 bis 3 Prozent in der Wienerberger reichten jetzt, um die höheren Kosten abdecken zu können. Ganz ungeschoren kommt der Baustoffriese in den kommenden zwei Quartalen aber nicht davon - denn es gibt auch Posten, die nicht vollständig auf die Abnehmer überwälzt werden können.

"Es wird uns im zweiten und dritten Quartal die äußerst starke Preiserhöhung bei Plastikgranulaten das Ergebnis mit einmalig bis zu 20 Mio. Euro negativ beeinflussen", räumte Scheuch ein. Das sei jedoch bereits kommuniziert und in der EBITDA-Guidance für das Gesamtjahr berücksichtigt. Infolge der geringen Verfügbarkeit am Weltmarkt kletterten die Preise für die Granulate "bis zu 50/60 Prozent". Die Konzern-Tochter Pipelife benötigt dieses Material für die Herstellung ihrer Kunststoffrohre, die unter anderem im Abwasser-Management eingesetzt werden. "Im ersten Quartal haben wir uns sehr gut geschlagen", so der Konzernchef.

Im zweiten Quartal werde Wienerberger aber insgesamt "mit guter Auslastung fahren und nicht die Kosten des Lockdowns haben". Scheuch ist mit Blick auf die breite Aufstellung des Konzerns in den Bereichen Infrastruktur, Renovierung und Neubau sowie auf Produktinnovationen zuversichtlich für den weiteren Geschäftsverlauf im heurigen Jahr.

Schon der Jahresstart sei "sehr positiv und gut" gewesen. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 27,3 Mio. Euro. Im Vergleichsquartal 2020 hatte noch ein Nettoverlust von 106,3 Mio. Euro zu Buche geschlagen. Auf das Ergebnis drückten in der Vorjahresperiode Firmenwertabschreibungen in Höhe von 93,6 Mio. Euro. "Das war die Abschreibung für Nordamerika, das amerikanische Ziegelgeschäft im Vormauerbereich - ein Goodwill aus dem Jahr 1996, den wir einmalig zur Gänze abgeschrieben haben", erklärte Scheuch unter Verweis auf die US-Tochtergesellschaft General Shale. Hinzu kamen im Vorjahresquartal Wertminderungen von Vermögenswerten im Ausmaß von 22,5 Mio. Euro für "Abschreibungen in Russland aufgrund des Rubelverfalls". Im aktuellen Berichtsquartal kam es zu keinerlei Belastungen unter diesen beiden Titeln.

Pandemiebedingte Grenzschließungen machen dem Unternehmen das Leben nach wie vor schwer. " Das ist nicht förderlich - Ingenieure müssen zu ihren Projekten fahren können, das ist ein wesentliches Thema und im Baubereich kommen viele Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern", vermisst Scheuch Reisefreiheit. Der Manager sieht hier "ein atemberaubendes Spiel der politischen Entscheidungsträger, wie sie mit diesem Thema umgehen - das ist nicht nur eine österreichische Eigenart und ist sicher etwas, das noch Unsicherheit bringen wird", kritisierte der Konzernchef die "sehr langsame und träge Bewegung" der Politiker. Österreich habe "Nachteile gegenüber anderen Ländern, die hier schneller sind", meinte der CEO im Hinblick auf die Ein- und Ausreisebestimmungen in der Coronakrise.

Doch unabhängig von der Pandemie ist seiner Meinung nach die Personenfreiheit als eine der vier Grundfreiheiten in der EU, die auch Arbeitnehmerfreizügigkeit und die Niederlassungsfreiheit umfasst, noch nicht ausgereift genug. "Die Vorschriften heute gleichen ja dem Mittelalter - man muss mit Formularen herumreisen statt hier etwas Pragmatismus walten zu lassen", sagte er in Richtung Brüssel, aber auch in Richtung nationale Regierungen.

(Das Gespräch führte Birgit Kremser/APA)

(Schluss) kre/ivn

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