Konjunktur

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Datum/Zeit: 25.10.2020 12:24
Quelle: Konjunktur - Presseaussendung

Eurozone verzeichnet im Oktober wieder leichten Wachstumsrückgang



Die Wirtschaftsleistung der Eurozone ist im Oktober wieder leicht geschrumpft. So wurde das beschleunigte Produktionswachstum in der Industrie von den verschärften Geschäftseinbußen im Servicesektor infolge der wieder steigenden CoronaInfektionszahlen überkompensiert. Einziger Lichtblick war Deutschland, während Frankreich und die übrigen von der Umfrage erfassten Länder wieder in die Rezession abrutschten.

Der Stellenabbau verlangsamte sich zwar, doch einige Frühindikatoren verschlechterten sich: Der Auftragseingang wies wieder ein Minus aus, und die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist sanken auf den tiefsten Wert seit Mai. Der Deflationsdruck schwächte sich indes ab, da sich der Kostenauftrieb beschleunigte.

Der IHS Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion sank im Oktober zum dritten Mal hintereinander und büßte gegenüber September einen weiteren Punkt auf 49,4 ein. Damit schrumpfte die Eurozone-Wirtschaft erstmals seit Juni wieder leicht. Zwar notiert der Index aktuell deutlich über dem Allzeittief während des Höhepunkts der CoronaPandemie im zweiten Quartal 2020, mit dem neuerlichen Rückgang steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass die Eurozone auch im vierten Quartal schrumpft.

Auf Sektorenebene lief die Entwicklung zunehmend auseinander. Dank kräftig steigender Neuaufträge wurde die Industrieproduktion im Oktober so stark ausgeweitet wie zuletzt im Januar 2018. Im Gegensatz dazu vermeldete der Servicesektor zum zweiten Mal hintereinander Geschäftseinbußen, die noch dazu so gravierend ausfielen wie seit Mai nicht mehr. Die Monate während des Höhepunkts des Corona-Lockdowns zwischen März und Mai 2020 ausgenommen, verzeichneten die Dienstleister sogar den stärksten Geschäftsrückgang seit acht Jahren. Überdies gingen die Neuaufträge im Servicesektor mit beschleunigter Rate zurück.

Auch auf Länderebene liefen die Entwicklungen auseinander Deutschlands Wirtschaft wuchs den vierten Monat in Folge und mit nahezu unvermindertem Tempo weiter, was der aktuelle Flash mit 54,5 nach 54,7 im September zeigt. Während die Industrieproduktion hier mit der dritthöchsten Rate seit Umfragebeginn 1996 ausgeweitet wurde, vermeldete der Servicesektor erstmals seit Juni wieder Geschäftseinbußen.

Frankreichs Wirtschaft schrumpfte zum zweiten Mal hintereinander und mit beschleunigter Rate, was der dortige Flash mit aktuell 47,3 nach 48,5 im September zeigt. Im Servicesektor kam es den zweiten Monat in Folge zu Geschäftseinbußen, das Produktionswachstum in der Industrie verlor an Fahrt.

In den übrigen von der Umfrage erfassten Ländern sank die Wirtschaftsleistung im Oktober – mit Ausnahme der Monate während des Höhepunkts der Corona-Pandemie - so rasant wie zuletzt Anfang 2013, Die kräftige Steigerung der Industrieproduktion wurde hier von der beschleunigten Talfahrt des Servicesektors mehr als überkompensiert.

Der achte Stellenabbau in Folge verlangsamte sich gegenüber dem April-Rekord weiter und fiel so schwach aus wie seit Beginn der Entlassungswelle im März nicht mehr. Insgesamt sanken die Beschäftigtenzahlen jedoch noch immer stärker als jemals zuvor vor Ausbruch der Pandemie.

In der Industrie fiel der Jobabbau stärker aus als im Servicesektor. In Deutschland sank die Beschäftigung zwar weiter, wenngleich sich die Lage am Arbeitsmarkt der Stabilisierung annäherte. In Frankreich und in den übrigen von der Umfrage erfassten Ländern ging die Beschäftigung ebenfalls zurück.

Mit ein Grund für den erneuten Jobabbau waren die verbreiteten Überkapazitäten, wofür der erneute Rückgang der Auftragsbestände ein untrügliches Zeichen ist. Dieser beschränkte sich allerdings auf den Servicesektor, während die Auftragsbestände in der Industrie so stark zunahmen wie zuletzt im Februar 2018 (angeführt von Deutschland). Auch dies ist ein weiterer Beleg für die auseinanderlaufenden Trends auf Sektorenebene.

Der Deflationsdruck schwächte sich im Oktober weiter ab. So fiel der achte Rückgang der Verkaufsbzw. Angebotspreise insgesamt so verhalten aus wie zuletzt im Februar. In der Industrie wurden die Verkaufspreise erstmals seit Juni 2019 sogar wieder leicht angehoben, im Servicesektor wurden die Angebotspreise hingegen erneut reduziert. In Deutschland stieg der Preisdruck am stärksten, hier wurden die durchschnittlichen Verkaufspreise erstmals seit Februar wieder erhöht.

Die Einkaufspreise legten erstmals seit Februar wieder zu, und zwar sowohl in der Industrie als auch im Servicesektor.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist sanken auf den tiefsten Wert seit Mai, wobei sie sich in beiden Sektoren verschlechterten, am stärkten im Servicesektor. Frankreich war in dieser Kategorie diesmal Schlusslicht.

Chris Williamson, Chief Business Economist bei IHS Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-PMI:

“Angesichts des neuerlichen Wachstumsrückgangs im Oktober infolge der zweiten CoronaInfektionswelle steigt das Risiko, dass die Eurozone wieder in die Rezession abrutscht.

Unsere aktuelle Umfrage zeigt eine Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten: Auf der einen Seite die Industrie, die dank der anziehenden globalen Nachfrage und einem boomenden Auftragseingang so stark wächst wie zuletzt Anfang 2018. Auf der anderen Seite der Servicesektor, der immer stärker unter den verschärften Corona-Restriktionen leidet, vor allem das schwer gebeutelte Gastgewerbe, wo die Nachfrage wegbricht.

Auf Länderebene ist die Kluft noch größer: Während Deutschland von seinem Industriesektor profitiert, der momentan den drittstärksten Aufschwung seit Umfragebeginn vor knapp 25 Jahren verzeichnet, hat sich die Talfahrt der übrigen Eurozone-Länder beschleunigt.

Der Abwärtstrend blieb insgesamt zwar moderat und weitaus weniger gravierend als im zweiten Quartal 2020, doch dürfte die Aussicht auf eine erneute Rezession nicht nur den Druck auf die EZB erhöhen, zusätzliche Anreize zu setzen. Steigen dürfte auch der Druck auf die nationalen Regierungen, die Auswirkungen der Corona-Restriktionen abzumildern. Diese wurden im Oktober ja nicht nur in der gesamten Region verschärft - sie dürften im November sogar weiter verstärkt werden.”

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