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Datum/Zeit: 08.10.2020 11:29
Quelle: APA

RBI erwartet Mitte 2021 Konjunkturschub


Erneuter Lockdown wäre nicht verhältnismäßig - Brezinschek gegen neue Steuern zur Finanzierung von EU-Coronahilfen



Die Raiffeisen Bank International (RBI) rechnet in der zweiten Jahreshälfte 2021 mit einem Konjunkturschub, der sich auch Anfang 2022 fortsetzen soll. Aktuell gebe es nach einem starken Aufschwung im dritten Quartal eine Abflachung, aber keinen neuerlichen Einbruch, sagte RBI-Chefanalyst Peter Brezinschek in einem Ausblick am Donnerstag.

Für die Jahresmitte 2021 geht man davon aus, dass ein Impfstoff verfügbar ist und die Konjunkturprogrammen wirken, sagte Brezinschek. Die stärksten Einbrüche am Arbeitsmarkt sollen dann wieder verdaut sein und die Zuversicht bei Unternehmen zunehmen. Man müsse auch die Chancen sehen, so Brezinschek. Wer gute Ideen umsetzen möchte, könne die aktuell günstigen Finanzierungskonditionen nützen. Es gebe viele, die nun in Bereichen wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz oder Digitalisierung etwas Eigenes auf die Beine stellen möchten.

2021 erwartet die RBI in der Eurozone ein Wachstum von 4,3 Prozent, heuer werde es ein Minus von 8,1 Prozent geben. Für 2022 wird mit einem Plus von knapp über 3 Prozent gerechnet. "Ein zweiter Lockdown ist da nicht drinnen", sagte Brezinschek. Das wäre aber auch gegen jede wirtschaftliche Vernunft und nicht verhältnismäßig, meinte der Analyst.

In Österreich werde die wirtschaftliche Entwicklung je nach Bundesland sehr unterschiedlich sein. Es gebe ein Ost-West-Gefälle, besonders betroffen sei heuer etwa Tirol. Vor-Corona-Stände werden erst Anfang 2023 wieder erreicht werden, erwartet Brezinschek. Mit Blick auf die Branchen konnten sich Kommunikation, IT, Öffentliche Verwaltung aber auch Landwirtschaft und Bau etwas abkoppeln und zum Teil auch profitieren.

Die EZB ist derzeit mit voller Kanne unterwegs, so Brezinschek. Finanz- und Liquiditätskrisen seien daher so gut wie ausgeschlossen, Unternehmen würden so auch durch die harten Wintermonate kommen. Bedenklich sei allerdings die Finanzierung des 750-Mrd.-Euro-Programms der EU. Dabei sollte man nicht auf neue Steuern setzen, so Brezinschek. "Dann sind wir am falschen Dampfer." Europa dürfe nicht Hochburg der Regularien und Auflagen sein, sondern sollte unternehmerische Tätigkeit soweit wie möglich fördern - auch, um Wertschöpfungsketten wieder nach Europa zu holen.

Es seien aber nicht nur die Steuern alleine, Investitionen in Technologie, Klimaschutz, Digitalisierung oder Infrastruktur müssten auch schneller umgesetzt werden. Man müsse Rechtsgrundlagen so vereinfachen, dass es nicht zu jahrzehntelangen Verfahren kommt, "dann sind wir in Europa auch wieder wettbewerbsfähig." Zudem sollte Europa technologieneutral agieren. Es sei auch Aufgabe der Politik, eine neue Unternehmensgründungswelle in Gang zu setzen und eigenkapitalbasierte Start-ups aufzustellen.

Was den Euro zuletzt stärker gemacht hat, ist weniger die Politik der EZB als die Signale der US-Notenbank, die auf eine Nullzinspolitik setzen will, sagte Brezinschek. Damit ist der Zinsvorsprung Amerikas abgeschmolzen und der Euro hat an Attraktivität gewonnen. Zudem werden europäische Anleihen begeben, die international aufgekauft werden.

Generell sei die Situation ein Mekka für alle, die Finanzierung suchen, aber ein Desaster für jene, die festverzinst veranlagen wollen. Eine langsame, bescheidene Normalisierung werde es vielleicht 2024 oder danach geben. Möglich sei, dass sich die Zinskurve ein bisschen aufstellt, das heißt, dass sich langfristige Finanzierungen etwas verteuern, meinte Brezinschek.

(Schluss) cam/sp

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