Konjunktur

Konjunktur

Datum/Zeit: 11.09.2020 09:27
Quelle: WIFO

WIFO: Schleppende Konjunkturerholung: Arbeitslosigkeit droht sich zu verfestigen



Der Konjunktureinbruch erfasste in der EU im II. Quartal alle Nachfragekomponenten; im Vereinigten Knigreich, in Frankreich und Italien war der private Konsum berdurchschnittlich stark betroffen. In sterreich lag die Wirtschaftsleistung im II. Quartal um ein Achtel unter dem Vorjahresniveau, die Einbuen waren damit geringer als im EU-Durchschnitt. Der Tourismus litt weniger als in Italien oder Spanien; die Nchtigungsentwicklung der deutschen und einheimischen Gste dmpfte den Nachfragerckgang im Juli. Erst gut ein Drittel der krisenbedingten Arbeitslosigkeit wurde bisher abgebaut. Daher nahm die Langzeitbeschftigungslosigkeit zuletzt weiter zu.

"Die krisenbedingte Arbeitslosigkeit wurde erst zu gut einem Drittel abgebaut. Daher verfestigt sie sich, seit dem Frhjahr 2020 nahm die Langzeitbeschftigungslosigkeit markant zu. Diese Entwicklung ist besorgniserregend, zumal die Zahl der langzeitbeschftigungslosen Arbeitslosen bereits nahe ihrem Hchstwert von 2016 liegt und die Krise noch nicht berwunden ist", so der Autor des aktuellen WIFO-Konjunkturberichtes Stefan Schiman.

Die Notenbank der USA richtet ihre geldpolitischen Ziele neu aus. Das Inflationsziel von 2% wird nicht mehr als Obergrenze gesehen, sondern als Durchschnittswert, sodass nach einer Periode mit unterdurchschnittlichem Preisauftrieb Werte ber 2% zulssig sind. Anders als die EZB verfolgt die Fed zudem ein Beschftigungsziel. Dieses tritt in Zukunft gegenber dem Inflationsziel strker in den Vordergrund, wenn die Arbeitslosigkeit steigt; es wird also asymmetrisch ausgelegt.

Nachdem die Verffentlichung der BIP-Werte im August den empfindlichen Konjunktureinbruch in den EU-Lndern im II. Quartal dokumentierte, zeigen nun die Details, dass er alle Nachfragekomponenten betraf. Lediglich in Deutschland und Spanien milderte die ffentliche Konsumnachfrage die negative Entwicklung etwas. In Spanien und Italien knickten aufgrund der groen Bedeutung des Tourismus die Dienstleistungsexporte besonders drastisch ein, whrend im Vereinigten Knigreich sowie in Frankreich und Italien der private Konsum bermig stark zurckging.

In sterreich waren das Ausma und die Zusammensetzung des BIP-Rckganges im II. Quartal hnlich wie in Deutschland. Die Wirtschaftsleistung sank gegenber dem Vorjahr um ein Achtel, der private Konsum und die Bruttoinvestitionen um etwas mehr. Stabilisierend wirkte der ffentliche Konsum, whrend die Exporte um knapp ein Fnftel einbrachen. Anders als in Deutschland (Geschftserwartungen laut ifo-Index) erhhte sich der Indikator der Konjunkturerwartungen der Unternehmen in sterreich im August nicht weiter. Hingegen verbesserte sich das Konjunkturklima, das neben den Erwartungen auch die aktuelle Lage wiedergibt. Allerdings berichteten wieder mehr Unternehmen ber eine Verschlechterung der Kreditbedingungen.

Die Zahl der bernachtungen blieb im Juli um 17,4% unter dem Vorjahreswert. Gedmpft wurde der Rckgang im Sommertourismus durch die nur wenig rcklufige Nachfrage aus Deutschland (‑4,3%) und die krftige Ausweitung der Nchtigungen inlndischer Gste (+15,2%). Das Ausbleiben anderer internationaler Gste traf vor allem den Stdtetourismus; Wien verzeichnete um knapp drei Viertel weniger bernachtungen als im Vorjahr.

Dem Nachfrageausfall entsprechend stagnierten in der Beherbergung im Juli die Preise, nachdem sie in den letzten Jahren angezogen hatten. In der Gastronomie stiegen die Preise hingegen wieder zgig. Zudem trugen Wohnen und Nahrungsmittel zum Preisauftrieb von insgesamt 1,7% im Juli bei.

Der Rckgang der Arbeitslosigkeit setzte sich im August fort. Bislang wurde gut ein Drittel des krisenbedingten Anstieges wettgemacht. Wegen des nur langsamen Abbaus der Arbeitslosigkeit besteht die Gefahr der zunehmenden Verfestigung. Seit dem Frhjahr steigt die Zahl der langzeitbeschftigungslosen Arbeitslosen. Im August war sie bereits um ein Viertel hher als im Vorjahr und erreichte mit 121.100 fast den Hchstwert aus dem Jahr 2016.

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