Konjunktur

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Datum/Zeit: 06.09.2020 11:35
Quelle: Konjunktur - Presseaussendung

Markante Abschwächung des EurozoneWirtschaftswachstums im August



Das Wirtschaftswachstum der Eurozone hat im August deutlich an Dynamik verloren. Dies signalisiert der finale IHS Markit Eurozone Composite Index (PMI®), der gegenüber dem JuliHoch um drei Punkte auf 51,9 sank und damit nur noch moderates Wachstum anzeigt. Die Vorabschätzung wurde jedoch um 0,3 Punkte übertroffen.

Zwischen den beiden von der Umfrage erfassten Sektoren lief die Entwicklung allerdings auseinander. Während die Industrieproduktion so kräftig ausgeweitet wurde wie seit April 2018 nicht mehr, verlangsamte sich das zweite Geschäftswachstum im Servicesektor in Folge spürbar und war nur noch äußerst dürftig.

Trotz leichter Abschwächung gegenüber Juli war Deutschland dank des florierenden Industriesektors diesmal Spitzenreiter. In Irland und Frankreich stieg die Wirtschaftsleistung ebenfalls, wobei sich das Wachstum in Frankreich deutlich verlangsamte.

Im Gegensatz dazu sorgte die schwache Performance des Servicesektors dafür, dass die Wirtschaft in Italien und Spanien jeweils schrumpfte. Das zweite Auftragsplus in Folge fiel niedriger aus als im Juli. Der Index Exportneuaufträge wies abermals ein Minus aus und verharrte damit wie seit fast zwei Jahren im negativen Bereich.

Wegen des Produktionsüberhangs nahmen die Auftragsbestände den 18. Monat in Folge ab, diesmal jedoch nur noch moderat.

Der sechste Stellenabbau hintereinander fiel zwar schwächer aus als in den zurückliegenden fünf Monaten, er blieb aber insgesamt kräftig. In sämtlichen von der Umfrage erfassten Ländern sanken die Beschäftigtenzahlen, allen voran in Spanien, gefolgt von Frankreich und Deutschland.

Der dritte Kostenanstieg in Folge fiel so stark aus wie zuletzt im Februar. Die Verkaufspreise wurden hingegen wie bereits seit März reduziert, was die Befragten auf den scharfen Wettbewerb und die schwierige Wirtschaftslage zurückführen. Der Rückgang war diesmal jedoch nur noch leicht.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist blieben zwar im positiven Bereich, der Grad an Optimismus schwächte sich gegenüber Juli jedoch leicht ab.

Servicesektor

Mit aktuell 50,5 Punkten nach 54,7 im Juli signalisiert der finale IHS Markit Eurozone Service-Index ein deutlich abgeschwächtes Geschäftswachstum im Dienstleistungssektor im August. In Frankreich verlor der Servicesektor markant an Fahrt und Italien und Spanien rutschten sogar in die Schrumpfungszone ab.

Nach dem moderaten Zuwachs im Juli wies der Auftragseingang im August wegen Rückgängen in Italien und Spanien ein leichtes Minus aus. Auch beim Exportneugeschäft schlug den 24. Monat in Folge ein Rückgang zu Buche, der noch dazu ausgesprochen stark ausfiel.

Folglich nahmen ebenso die Auftragsbestände zum sechsten Mal hintereinander und auch zügig ab. Die Beschäftigung sank wegen der zunehmenden Skepsis der Firmen hinsichtlich der weiteren Geschäftsentwicklung den sechsten Monat in Folge. Bis auf Deutschland, wo die Beschäftigung leicht stieg, kam es in allen übrigen von der Umfrage erfassten Ländern zu Stellenkürzungen.

Der dritte aufeinanderfolgende Kostenanstieg fiel so stark aus wie zuletzt im Februar. Die Angebotspreise wurden hingegen wegen des schwierigen Marktumfelds ein weiteres Mal reduziert.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist sanken auf ein 3-Monatstief. Am wenigsten optimistisch waren diesmal die spanischen Dienstleister.

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei IHS Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite-PMI:

„Das Wachstum des Eurozone-Servicesektors kam im August nahezu zum Stillstand, was die Zweifel am Aufschwung nach dem Lockdown zusehends nährt. Mit dazu beigetragen haben nicht zuletzt auch die anhaltenden Abstands- und Hygieneregeln im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie.

Die annähernde Stagnation muss allerdings im Kontext der enormen Juli-Belebung gesehen werden, als die Geschäfte der Dienstleister infolge der Lockerungen nach den strengen Lockdowns so rasant an Fahrt aufgenommen hatten wie seit zwei Jahren nicht mehr. Nichtsdestotrotz sind die aktuellen Daten eine klare Enttäuschung und signalisieren, dass dem Aufschwung schon fast wieder die Puste ausgegangen ist.

Die Verschlechterung wurde größtenteils mit der Besorgnis über die wieder steigenden Infektionszahlen in Verbindung gebracht. Besonders die verbrauchernahen Unternehmen waren davon betroffen, und zwar vor allem in Spanien und Italien, wo besonders strikte Eindämmungsmaßnahmen in Kraft geblieben sind. Da der Servicesektor größer ist als die Industrie überlagert dessen Schwäche die weitaus positivere Performance der Industrie, was darauf hindeutet, dass das Wirtschaftswachstum Mitte des dritten Quartals insgesamt etwas abgeflaut sein dürfte.

Obwohl die relativ guten PMI-Daten vom Juli und August eine kräftige Herbstbelebung nahelegen, unterstreicht die Umfrage doch auch, wie wichtig es ist, dass die politischen Entscheidungsträger auch weiter alles daran setzen, den Aufschwung im weiteren Jahresverlauf aufrechtzuerhalten.“

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