Konjunktur

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Datum/Zeit: 18.04.2019 11:16
Quelle: Konjunktur - Presseaussendung

Eurozone-Wirtschaftswachstum verlangsamt sich zu Beginn des zweiten Quartals 2019 weiter



Das Eurozone-Wirtschaftswachstum hat sich im April den zweiten Monat in Folge verlangsamt, womit die Region weiter in der tiefsten Krise seit 2014 steckt. Die Industrie schrumpfte erneut, und im Dienstleistungssektor schwchte sich das Geschftswachstum ab.

Profitiert hat die Eurozone von der krftigen Expansion des deutschen Servicesektors, wodurch die rasante Talfahrt der Industrie berkompensiert wurde. Frankreich stagnierte im April, und in den brigen Lndern war das Wachstum so schwach wie zuletzt Ende 2013.

Der IHS Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion gab gegenber Mrz um 0,3 Punkte auf 51,3 nach. Dies ist der drittniedrigste Wert seit November 2014, der nur minimal ber den jngsten Tiefs von Dezember und Januar liegt. Die aktuelle Vorabschtzung beruht auf rund 85% der regulren Umfragerckmeldungen.

Der Auftragszuwachs fiel nur geringfgig strker aus als zuletzt und signalisierte annhernde Stagnation. Die siebten Exportorderverluste in Folge waren abermals gravierend, womit sich die schrfste Exportkrise seit Beginn der Erhebung der kombinierten Daten aus Industrie und Servicesektor seit 2014 fortsetzte.

Die Auftragsbestnde nahmen zum vierten Mal innerhalb der letzten fnf Monate ab und haben damit seit letztem November nicht mehr zugelegt. Immerhin verlangsamte sich der Rckgang gegenber Mrz leicht, als die Auftragsbestnde so zgig gesunken waren wie zuletzt im Dezember 2014.

Trotz leichtem Plus blieb der Jobaufbau einer der schwchsten seit 2016. Aufgrund der verhaltenen Nachfrage und dem unsicheren Ausblick, zgerten viele Unternehmen mit Neueinstellungen.

Die Geschftsaussichten binnen Jahresfrist sanken zum zweiten Mal hintereinander auf den tiefsten Wert seit Januar und fielen damit abermals so pessimistisch aus wie selten zuvor seit Ende 2014.

Zurckzufhren war der nachlassende Optimismus zumeist auf die abgeschwchte Nachfrage, verringerte Neuauftrge und die nach unten korrigierten Konjunkturprognosen. Am meisten Sorgen bereitete den Unternehmen die gestiegene politische Unsicherheit (inklusive Brexit), Handelskonflikte, sowie der zunehmende Protektionismus. Hinzu kam die Schwche der Automobilbranche.

Obwohl sich der Anstieg der Einkaufspreise von seinem 2,5-Jahrestief im Mrz - nicht zuletzt wegen der Verteuerung von l - erstmals seit sieben Monaten wieder beschleunigte, wurden die Verkaufs- bzw. Angebotspreise fr Gter und Dienstleistungen mit der niedrigsten Rate seit 20 Monaten angehoben. Ausschlaggebend hierfr war die schwache Preismacht der Unternehmen vor dem Hintergrund der schleppenden Nachfrage.

In der Industrie wurde die Produktion zum dritten Mal hintereinander zurckgefahren, und der Auftragseingang sank bereits den siebten Monat in Folge. Trotz leichter Abschwchung gegenber Mrz zhlen beide Rckgnge - mit Ausnahme des Mrz - noch immer zu den strksten seit sechs Jahren. Die Einkaufsmenge wurde reduziert und der Jobaufbau stagnierte weitgehend - ein krasser Gegensatz zum Vorjahresmonat. Folglich blieb der Industrie-PMI im April trotz leichter Verbesserung gegenber Mrz zum dritten Mal hintereinander unter der Wachstumsschwelle von 50,0 Punkten und notiert aktuell auf dem zweitniedrigsten Wert seit April 2013. Und dass die Geschftsaussichten binnen Jahresfrist auf den tiefsten Wert seit 2012 sanken, trug mit zum miserablen Gesamtbild bei.

Im Servicesektor schwchte sich das Wachstum vom 4-Monatshoch im Mrz ab. Mit Ausnahme der Dellen im Dezember und Januar notiert der Service-Index Geschftsttigkeit aktuell auf dem niedrigsten Wert seit September 2016. Die Neuauftrge verringerten sich, die Auftragsbestnde nahmen den zweiten Monat in Folge geringfgig ab und der Ausblick binnen Jahresfrist fiel etwas weniger optimistisch aus als zuletzt. Der Personalaufbau beschleunigte sich hingegen leicht und fiel strker aus als in den letzten vier Monaten.

Auf Lnderebene bremste Frankreich das Eurozone-Wachstum erneut, hier stagnierte die Wirtschaft und der Ordereingang wies zum fnften Mal hintereinander ein Minus aus. Der Servicesektor expandierte leicht, whrend die Industrieproduktion moderat sank. Zwar ist die Stagnation im April eine Verbesserung gegenber der Talfahrt im Mrz, doch steckt Frankreich damit weiter in der tiefsten Krise seit Mitte 2016.

In Deutschland gewann die Konjunktur zwar etwas an Dynamik, die Wachstumsrate blieb allerdings auf dem niedrigen Niveau des ersten Quartals 2019. Der Auftragseingang sank zum vierten Mal hintereinander und die Auftragsbestnde nahmen so rasant ab wie zuletzt im Juni 2013. Wachstumsimpulse lieferte einzig und allein der Servicesektor, wo die Geschfte so gut liefen wie zuletzt vor sieben Monaten. Die Industrieproduktion wurde hingegen wegen gravierender Auftragsverluste den dritten Monat in Folge drastisch reduziert, wenngleich mit leicht abgeschwchter Rate.

Die brigen Lnder vermeldeten das schwchste Wirtschaftswachstum seit November 2013, hier dmpelten Auftragseingang und Stellenaufbau vor sich hin. Industrieproduktion und Geschftsttigkeit im Servicesektor legten nur leicht zu.

Chris Williamson, Chief Business Economist bei IHS Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:

Die Eurozone hat einen enttuschenden Start ins zweite Quartal 2019 hingelegt, wie einer der tiefsten Werte der PMI-Vorabschtzung seit 2014 zeigt. Damit steigt die Sorge, die Wirtschaft knnte sich von den negativen Einmaleffekten Ende letzten Jahres nicht erholen. Vielmehr zeigen unsere Daten, dass die Wirtschaft wegen des nachlassenden globalen Nachfragewachstums und des gedmpften Geschftsklimas weiter nur mit uerst verhaltenem Tempo wchst.

Die Umfrageergebnisse deuten auerdem darauf hin, dass sich das Wachstum des Eurozone-BIP auf knapp unter 0,2% auf Quartalsbasis verlangsamt hat. hnlich niedrig drfte die Rate fr Deutschland ausfallen, whrend Frankreich stagnierte und sich die brigen Lnder der Stagnation angenhert haben.

Sorgenkind Nummer 1 blieb die Industrie, hier wurde die Produktion so stark zurckgefahren wie selten zuvor in den vergangenen sechs Jahren. Die Frhindikatoren signalisieren zwar eine leichte Verbesserung, sie stecken jedoch weiter tief im negativen Bereich und deuten an, dass sich die Misere bei den Herstellern fortsetzen drfte.

Die Abkhlung hat mittlerweile auch den Dienstleistungssektor erfasst, hier vermeldeten die Manager eine der niedrigsten Wachstumsraten seit 2016. Ein Hoffnungsschimmer kommt hier immerhin vom Arbeitsmarkt, wenngleich die Rate an Neueinstellungen mittlerweile so niedrig ist wie zuletzt vor zweieinhalb Jahren.

Die anhaltend schwachen Konjunkturumfragewerte werfen die Frage auf, ob die Wirtschaft 2019 um mehr als 1% wachsen kann.

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