Konjunktur

Konjunktur

Datum/Zeit: 14.03.2019 15:17
Quelle: ifo Institut

ifo Konjunkturprognose Frühjahr 2019: Deutsche Wirtschaft im Abschwung



Der langjährige Aufschwung der deutschen Wirtschaft ging im letzten Jahr zu Ende. Im Sommer 2018 schien es noch, als handele es sich nur um eine vorübergehende Konjunkturdelle, die mit Produktionsschwierigkeiten in wichtigen deutschen Industrien zusammenhing. Deren Ursache waren unter anderem Probleme der Automobilindustrie bei der Zertifizierung von Neuwägen nach dem neuen Abgastestverfahren WLTP und ein langanhaltendes Niedrigwasser auf deutschen Wasserverkehrsstraßen. Allerdings kam es im Verlauf des vergangenen Jahres auch zu einer Abkühlung der Weltkonjunktur.

Die Unwägbarkeiten im Hinblick auf die Wiedereinführung von Zöllen, den Ausgang der Brexit-Verhandlungen und die wirtschaftspolitischen Weichenstellungen der neuen italienischen Regierung haben tiefe Spuren auf den wichtigsten deutschen Absatzmärkten hinterlassen. Dies versetzte der exportorientieren deutschen Industrie einen zusätzlichen Dämpfer. Ihre hohen Auftragsbestände wurden allmählich abgebaut, Neuaufträge waren in der Tendenz rückläufig. In der zweiten Jahreshälfte 2018 kam es sogar zu einem Rückgang der Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe und die Warenausfuhren waren Ende 2018 niedriger als ein Jahr zuvor. Lediglich die binnenorientierten Wirtschaftsbereiche konnten das Abgleiten in eine gesamtwirtschaftliche Rezession verhindern. Vor allem die Baukonjunktur setzte ihren Höhenflug fort, gestützt durch niedrige Zinsen, sichere Beschäftigungsperspektiven und eine weiterhin wachsende Bevölkerung.

In diesem Jahr dürfte die deutsche Konjunktur im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2018 wieder etwas kräftiger zulegen, da die Produktionsschwierigkeiten der deutschen Industrie allmählich überwunden werden dürften. Die binnenwirtschaftlichen Antriebskräfte sind weiterhin intakt. Die Beschäftigung wird wohl ihren Rekordwert vom Vorjahr übertreffen, auch wenn sich das Tempo des Beschäftigungsaufbaus abschwächen dürfte. Gleichzeitig dürften kräftige Lohnsteigerungen, eine niedrige Inflationsrate, Steuer- und Abgabenentlastungen sowie eine Ausweitung der Transferleistungen für ein dickes Realeinkommensplus bei den Haushalten sorgen. Dies befördert den privaten Konsum und die Baukonjunktur, die aufgrund der weiterhin niedrigen Zinsen ohnehin lebhaft bleiben dürfte. Allerdings wird die deutsche Industrie als Konjunkturmotor weitgehend ausfallen. Die weltweite Nachfrage nach deutschen Produkten ist schwach, da die internationale Konjunktur weiter an Dynamik verliert. Darauf deutet eine Vielzahl von Frühindikatoren hin, die aus Unternehmensbefragungen abgeleitet werden. Solange die globalen wirtschaftspolitischen Belastungen bestehen bleiben, wird sich an dieser Situation wenig ändern. Insgesamt dürfte sich damit das Wirtschaftswachstum in Deutschland in diesem Jahr mit 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbieren. Im kommenden Jahr dürfte sich der Anstieg der Wirtschaftsleistung wieder auf 1,8 Prozent erhöhen; kalenderbereinigt ergibt sich wegen der höheren Zahl von Arbeitstagen jedoch nur ein Zuwachs von 1,4 Prozent. Die Auslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten wird damit im Prognosezeitraum weiter abnehmen und ihren langfristigen Durchschnitt erreichen. Damit befindet sich die deutsche Wirtschaft im Abschwung. Bei alledem ist unterstellt, dass es zu keiner weiteren Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA auf der einen Seite und China und der Europäischen Union auf der anderen Seite kommt. Auch wird weiterhin angenommen, dass das Vereinigte Königreich die Europäische Union geordnet verlässt und zunächst keine Barrieren im grenzüberschreitenden Warenverkehr aufgebaut werden. Darüber hinaus wird davon ausgegangen, dass die Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen nicht weiter zunehmen und dadurch die Stabilität von Finanzinstituten in Italien und in anderen EU-Mitgliedsstaaten nicht gefährdet wird.

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