Konjunktur

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Datum/Zeit: 09.02.2019 18:02
Quelle: Konjunktur - Presseaussendung

Wirtschaftswachstum der Eurozone schwächt sich im Januar weiter ab



Mit aktuell 51,0 Punkten nach 51,1 im Dezember gab der finale IHS Markit Eurozone Composite Index (PMI®) im Januar zum fünften Mal hintereinander nach und notiert damit auf dem tiefsten Wert seit fünfeinhalb Jahren. Die Vorabschätzung wurde allerdings um 0,3 Punkte übertroffen.

Besonders ausgeprägt war die Wachstumsschwäche in Frankreich und Italien. In Frankreich schrumpfte die Wirtschaftsleistung zum zweiten Mal hintereinander, diesmal sogar so stark wie zuletzt vor über vier Jahren. Und in Italien fielen die dritten Wachstumseinbußen innerhalb der letzten vier Monate so gravierend aus wie seit über fünf Jahren nicht mehr.

Gebremst wurde das Wachstum im Januar vor allem vom Industriesektor, wo die Produktion mit der niedrigsten Rate seit über fünfeinhalb Jahren zulegte. Und der Servicesektor bewegte sich vom Vier-Jahrestief im Dezember nicht vom Fleck.

Das Produktionswachstum in der Industrie resultierte einzig und allein aus der Abarbeitung der Auftragsbestände und einem Rekordaufbau der Fertigwarenlager. Überdies wies der Auftragseingang hier das höchste Minus seit April 2013 aus, was der Hauptgrund dafür war, dass beim Gesamt-Auftragseingang die höchsten Einbußen seit über vier Jahren zu Buche schlugen. Und die Dienstleister vermeldeten nur einen minimalen Auftragszuwachs.

Der seit November 2014 anhaltende Jobaufbau setzte sich im Januar zwar fort, er fiel jedoch so schwach aus wie zuletzt vor 28 Monaten. In Italien sank die Beschäftigung sogar erstmals seit September 2015 wieder.

Die Auftragsbestände nahmen den zweiten Monat in Folge und so stark ab wie seit Ende 2014 nicht mehr.

Der Kostenanstieg verlangsamte sich erneut und fiel so schwach aus wie zuletzt vor eineinhalb Jahren. Während Löhne und Gehälter im Servicesektor weiter zulegten, verbilligten sich mineralölbasierte Produkte in der Industrie. Die Verkaufspreise wurden indes wieder etwas stärker angehoben als in den beiden Vormonaten.

Trotz der Aufhellung gegenüber November und Dezember fielen die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im Januar so wenig optimistisch aus wie zuletzt vor vier Jahren. Belastet wurde der Ausblick von den internationalen Handelsstreitigkeiten, dem Brexit und den anhaltenden politischen Spannungen, sowohl auf regionaler wie globaler Ebene.

Servicesektor

Der finale IHS Markit Eurozone Service-Index notierte im Januar mit 51,2 Punkten unverändert auf dem 49-Monatstief von Dezember.

Auch hier wirkten sich vor allem die Geschäftseinbußen in Frankreich und Italien als Wachstumsbremse aus, während die Geschäfte in Deutschland und Spanien besser liefen als im Dezember.

Da das Wachstum größtenteils aus der Abarbeitung der unerledigten Aufträge resultierte, nahmen die Auftragsbestände so rasant ab wie zuletzt vor über vier Jahren. Der Auftragseingang stagnierte weitgehend, hier sank der Index auf ein Fünf-Monatstief.

Der Jobaufbau verlangsamte sich zum vierten Mal hintereinander und fiel so schwach aus wie seit Ende 2016 nicht mehr.

Trotz der stärksten Anhebung der Angebotspreise seit sieben Monaten blieb der Kostenanstieg im Berichtsmonat überdurchschnittlich stark, was die Gewinnmargen schmälerte.

Der Ausblick hellte sich zwar etwas auf, der Index Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist notierte jedoch nur geringfügig über dem Vier-Jahrestief von Dezember.

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei IHS Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite-PMI:

„Die Eurozone ist ohne Schwung ins Jahr 2019 gestartet. Das Wachstum stagnierte nahezu, und die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen war rückläufig. Der PMI signalisiert, dass das BIP mit lediglich 0,1% auf Quartalsbasis zugelegt hat, was auf das schlechteste Quartal seit 2013 hindeutet. Ein derart schwacher Jahresauftakt würde bedeuten, dass die derzeitige Konsens-Schätzung von 1,5% BIP-Wachstum wahrscheinlich nach unten revidiert werden muss und folglich eine eher lockere Geldpolitik der EZB nach sich ziehen dürfte.

Was als eine von der Industrie und den Exporten ausgehende Abkühlung begann, hat in zunehmendem Maße auch den Servicesektor erfasst. Die PMI-Daten aus der Industrie deuten darauf hin, dass der Sektor in die Rezession abgleiten dürfte, während es dem Servicesektor so schlecht geht wie zuletzt vor vier Jahren. Doch Schlimmeres steht wohl erst noch bevor: In der Industrie sinkt der Auftragseingang momentan so rasant wie zuletzt vor knapp sechs Jahren, bei den Dienstleistern stagniert das Neugeschäft - der stärkste Nachfragerückgang seit Mitte 2013.

Dass auch die Einstellungsbereitschaft der Firmen unter der zunehmenden Zurückhaltung, die Kapazitäten auszuweiten, leidet, zeigt der schwächste Stellenaufbau seit über zwei Jahren.

Allem Anschein nach geht es auf breiter Front bergab. Italien steckt in der tiefsten Rezession seit über fünf Jahren, Frankreichs Wirtschaftskraft ist so stark geschrumpft wie zuletzt vor über vier Jahren. Die Belebung in Deutschland und Spanien steht auf wackligen Beinen, weil die Auftragsbücher auch dort Verluste ausweisen.

Unsere Umfrage deutet darauf hin, dass die politische Unsicherheit auf globaler wie lokaler Ebene in zunehmendem Maße ihren Tribut fordert - beim Wachstum und bei der Nachfrage, und dass die Risikoaversion steigt. Zusammen mit den zunehmenden globalen Handelsstreitigkeiten, der Unsicherheit beim Brexit, den Protesten der ‚Gelbwesten’ in Frankreich und der Krise des Automobilsektors wird klar, dass die Konjunktur vor ihren größten Herausforderungen seit dem Höhepunkt der Staatsschuldenkrise steht.”

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