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Datum/Zeit: 10.01.2019 10:27
Quelle: APA

Agrana-Chef Marihart: Stehen dank Diversität gut da


Rechnet beim Zucker mit Normalisierung im kommenden Jahr - Zuckersegment nur mehr drittwichtigster Geschäftsbereich des Konzerns hinter Frucht und Stärke



Der Chef des börsennotierten Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzerns Agrana, Johann Marihart, hat keine Freude mit dem Zuckersegment-bedingten Gewinneinbruch seines Unternehmens, beruhigt aber zugleich, weil der Konzern diversifiziert aufgestellt ist. "Reine Zuckerunternehmen ohne eine Diversifikation wie die unsrige, die heuer Gewinn machen, wird es nicht geben", so der Konzernchef zur APA.

"Wir werden in der europäischen Landschaft dank unserer Diversität trotzdem gut dastehen", sagte Marihart als Ausblick für das gesamte Geschäftsjahr 2018/2019, für das der Konzern am Donnerstag sein Ergebnis nach neun Monaten präsentiert hat. Bei der Agrana ist der Zucker inzwischen nur mehr das drittgrößte Segment hinter Frucht und Stärke.

Der Konzernchef geht davon aus, dass vor allem westeuropäische Zuckerunternehmen und Zuckerrübenbauern im kommenden Geschäftsjahr ihre Flächen preisbedingt wieder um rund 10 Prozent reduzieren werden. Derzeit gibt es nur 320 Euro je Tonne. Der langjährige Unternehmenschef kann sich an solch ein Preistief nicht erinnern. Nach dem Aus der EU-Zuckerquote stieg die EU-weite Anbaufläche um rund 13 Prozent. Ein geringerer Lagerbestand gepaart mit einem geringeren Anbau werde zu einer "gewissen Normalisierung" führen. "Damit ist aus meiner Sicht ab der neuen Ernte mit einer Besserung zu rechnen", sagte Marihart am Donnerstag.

Dank der Notfallzulassung für Neonicotinoide geht der Konzernchef davon aus, dass hierzulande die Flächen zumindest auf dem selben Niveau gehalten werden. Davon geht er auch in den Agrana-Märkten Tschechien, Slowakei, Ungarn und Rumänen aus. Kommende Woche beginnen die Gespräche ("Kontrahierungsversammlungen") mit den Rübenbauern in Österreich, dann geht es in den anderen Ländern weiter.

Marihart sagt, dass die Agrana dann kommendes Jahr am Ende wieder auf den Normalwert von rund 5 bis 5,5 Millionen Tonnen Zuckerrüben und 850.000 Tonnen Weißzucker aus all ihren Märkten kommt. Die Erntefläche der Agrana belief sich zuletzt auf insgesamt 83.000 Hektar - davon gut 30.000 Hektar in Österreich (witterungs- und schädlingsbedingt zurückgegangen) - und soll zumindest stabil bleiben. Im laufenden Geschäftsjahr werden es laut Marihart witterungsbedingt nur 700.000 Tonnen sein. "Neben der preislichen Misere gab es extrem schwierige Kampagnenverhältnisse." Es brauchte großen Energieeinsatz um den verhältnismäßig geringen Zuckeranteil aus den Rüben zu extrahieren. "Die erhöhten Kosten im witterungsbedingten Katastrophenjahr haben wir im dritten Quartal verdaut", sagte Marihart.

Das Stärkesegment ist inzwischen vor dem Zucker zum zweitgrößten des Konzerns hinter dem Fruchtsegment aufgestiegen. Die meisten Investitionen sollen im kommenden Geschäftsjahr auch dorthin fließen. "Von 180 Millionen Euro an Investitionen im Geschäftsjahr 2019/20 fließt mehr als die Hälfte in den Stärkebereich." Gewisse Ausbauten im Stärkebereich (Gmünd, Aschach) sind bereits getätigt, bis Spätherbst 2019 fließen 100 Mio. Euro in den Ausbau der Weizenstärkekapazitäten in Pischelsdorf.

"Im Fruchtbereich wachsen wir stetig", sagte Marihart. "Jetzt gerade werden in unserem neuen Werk in China die ersten Chargen produziert. Seit Montag haben wir die Lebensmittelproduktionsgenehmigung. Ab jetzt geht es los." Die Produktion des Weltmarktführers soll dort über die kommenden Jahre um 30.000 Tonnen pro Jahr gesteigert werden. Das wären umsatzmäßig rund 45 Mio. Euro. Bei einer 7- bis 8-prozentigen EBIT-Marge sind das ungefähr 5 bis 6 Mio. Euro beim EBIT (Betriebsergebnis) selbst. Insgesamt hat die Agrana eine Gesamtkapazität für Fruchtzubereitungen von über 500.000 Tonnen.

In Nordamerika schaut die Agrana im Fruchtbereich, wo sie bisher sehr viel auf große Key-Accouts geschaut hat, jetzt mehr auf "Food-Service" bzw. Spezialitätenkundschaft. So geht es künftig mehr in Richtung von Kaffeehaus- und Restaurantketten. Fruchtzubereitungen werden in Flaschen oder Beuteln geliefert. "In diesen Bereich gehen wir verstärkt, wie auch in den Bäckereibereich, nicht mehr nur in Richtung Molkereien. Der Anteil in der weltweiten Fruchtjoghurtszene liegt bei über 50 Prozent", so der Konzernchef.

(Schluss) phs/itz

 ISIN  AT000AGRANA3
 WEB   http://www.agrana.com

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