Konjunktur

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Datum/Zeit: 21.09.2018 17:51
Quelle: Konjunktur - Presseaussendung

Stagnierende Exporte sorgen im September für gedämpftes Eurozone-Wirtschaftswachstum



Die Eurozone wuchs im September mit der zweitniedrigsten Rate seit Ende 2016. Verantwortlich hierfür war der schwächelnde Industriesektor, wo das Exportneugeschäft erstmals seit über fünf Jahren stagnierte.

Der IHS Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion gab gegenüber August um 0.3 Punkte auf 54.2 nach und notiert damit auf dem tiefsten Wert seit November 2016. Die neutrale Wachstumsmarke von 50 Punkten wurde jedoch abermals deutlich überschritten. Die aktuelle Vorabschätzung beruht auf rund 85% der regulären Umfragerückmeldungen.

Der Auftragszuwachs war der zweitniedrigste seit Oktober 2016, und die Auftragsbestände legten so verhalten zu wie zuletzt im September 2016. Trotz geringfügiger Verlangsamung blieb der Jobaufbau hingegen fast genauso stark wie zum 18- Jahreshoch im August.

Zurückzuführen war die Abkühlung auf den Industriesektor, wo die Produktion mit der niedrigsten Rate seit Mai 2016 gesteigert wurde.

Gleichzeitig wies der Auftragseingang den zweitschwächsten Zuwachs seit Februar 2015 aus, da das Exportneugeschäft erstmals seit Juni 2013 wieder stagnierte.

Folglich sanken die Auftragsbestände in der Industrie erstmals seit April 2015 wieder, was auch die Einstellungsbereitschaft der Industrieunternehmen dämpfte. So legte die Beschäftigung mit der niedrigsten Rate seit über eineinhalb Jahren zu.

Im Servicesektor beschleunigte sich das Geschäftswachstum hingegen zum zweiten Mal hintereinander, wenngleich die hohen Zuwachsraten von Jahresanfang nicht mehr erreicht wurden. Der Jobaufbau fiel abermals so kräftig aus wie zuletzt im Oktober 2017. Das Auftragsplus verringerte sich jedoch, und die Auftragsbestände legten mit der zweitniedrigsten Rate seit über einem Jahr zu. Beides deutet darauf hin, dass sich Geschäfts- und Beschäftigungswachstum in den nächsten Monaten verlangsamen dürften.

Der Anstieg der Einkaufspreise beschleunigte sich leicht, die Zuwachsrate war die dritthöchste seit über sieben Jahren. Die Verkaufspreise wurden mit exakt der selben Rate wie im August erhöht, womit auch diese Steigerungsrate zu einer der höchsten in den zurückliegenden sieben Jahren zählte.

Im Servicesektor legten die Einkaufspreise wegen der höheren Lohn- und Energiekosten so rasant zu wie zuletzt vor über sieben Jahren, die Industrie vermeldete hingegen die zweitniedrigste Inflationsrate seit über einem Jahr.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist verbesserten sich gegenüber August zwar leicht, der Grad an Optimismus war jedoch der zweitniedrigste seit über zwei Jahren. In der Industrie sank der entsprechende Index auf den tiefsten Wert seit knapp vier Jahren, im Servicesektor legte er gegenüber dem 21- Monatstief von August hingegen leicht zu.

Auf Länderebene vermeldeten Deutschland und Frankreich zwar eine Abkühlung, sie schnitten jedoch besser ab als die übrigen von der Umfrage erfassten Länder, wo die Wachstumsrate weitgehend auf einem Zwei-Jahrestief verharrte.

In Deutschland verlangsamten sich Wirtschafts- und Auftragswachstum im September, und auch der Stellenaufbau verlor an Tempo, er blieb jedoch fast so stark wie zum 7-Jahreshoch von August.

Insgesamt fällt das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal 2018 dennoch höher aus als im zweiten Quartal. Die Hauptwachstumsimpulse lieferte im September der Servicesektor, hier legten die Geschäfte wegen des stärksten Auftragszuwachses seit Juni 2011 so kräftig zu wie zuletzt vor acht Monaten. Und die Beschäftigung wuchs so rasant wie seit Oktober 2007 nicht mehr. Im Gegensatz dazu fiel das Produktionswachstum in der Industrie wegen des stärksten Rückgangs der Exportneuaufträge seit Juni 2013 so schwach aus wie zuletzt im April 2016. Gleichzeitig schwächte sich der Anstieg der Verkaufspreise vom annähernden Rekordwert im August ab, er blieb aber stark.

In Frankreich fielen Wirtschafts- und Auftragswachstum so schwach aus wie zuletzt Ende 2016, während der Stellenaufbau trotz leichter Abschwächung gegenüber August stark blieb. Der Servicesektor vermeldete die zweitniedrigste Wachstumsrate seit Anfang 2017. Noch schlechter schnitt hier die Industrie ab. Hier blieb die Produktionssteigerungsrate wegen der zweiten Exportorderverluste in den letzten drei Monaten weitgehend auf ihrem Zwei-Jahrestief. Wegen des scharfen Wettbewerbs wurden die Verkaufspreise nur mäßig angehoben, obwohl die Einkaufspreise mit einer der höchsten Raten seit sieben Jahren zulegten. In den übrigen von der Umfrage erfassten Eurozone-Ländern beschleunigte sich das Wirtschaftswachstum gegenüber dem 22- Monatstief von August nur minimal, womit das dritte Quartal 2018 so schlecht ausfällt wie zuletzt vor zwei Jahren.

Chris Williamson, Chief Business Economist bei IHS Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-EMI:

„Die annähernde Stagnation beim Exportneugeschäft trug mit dazu bei, dass die Eurozone im September ihren schlechtesten Monat seit knapp zwei Jahren zu verzeichnen hatte. Handelskriege, Brexit, die nachlassende globale Nachfrage (insbesondere in der Autoindustrie), die zunehmende Risikoaversion, der Lagerabbau und die zunehmende politische Unsicherheit sowohl in der Eurozone als auch in den angrenzenden Ländern verschärften die Abkühlung zusätzlich.

Zum Glück blieb die Abschwächung auf die Industrie beschränkt. So florierte der Servicesektor dank der boomenden Binnennachfrage infolge des starken Jobaufbaus, womit die Region im dritten Quartal um solide 0.5% wachsen dürfte.

Dass die Neuaufträge und die Auftragsbestände deutlich langsamer zulegten als zum Jahresbeginn, das Exportneugeschäft sich in Luft aufgelöst hat und die Geschäftsaussichten auf dem ZweiJahrestief verharrten, bedeutet jedoch, dass die Gefahr einer Abwärtsspirale durchaus realistisch ist.”

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