Konjunktur

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Datum/Zeit: 08.09.2018 20:12
Quelle: Konjunktur - Presseaussendung

Eurozone im August weiter auf solidem Wachstumskurs, Geschäftsaussichten weniger optimistisch als zuletzt



Die Eurozone verzeichnete im August stabiles Wachstum. Dies signalisiert der finale IHS Markit Eurozone Composite Index (PMI®), der mit 54,5 Punkten minimal über der Vorabschätzung liegt und den Vormonatswert ebenfalls nur um 0,2 Punkte übertrifft.

Zwar hält die Wachstumsphase nun bereits seit über fünf Jahren an, seit dem Jahreswechsel 2017/2018 hat sich das Tempo jedoch spürbar abgekühlt. Industrieproduktion und Geschäftstätigkeit im Servicesektor wurden im August mit leicht beschleunigten und nahezu identischen Raten gesteigert.

Wie bereits im Juli zeigen die nationalen Composite-PMIs, dass die Wirtschaftsleistung wieder in allen von der Umfrage erfassten Ländern wuchs. Irland belegte mit einem 7-Monatshoch Platz eins. Deutschland (6-Monatshoch) und Frankreich (2- Monatshoch) folgten mit jeweils beschleunigten Wachstumsraten auf Rang zwei und drei, und in Spanien legte die Wirtschaftskraft etwas stärker zu als zum 56-Monatstief im Juli. Italien blieb Schlusslicht, hier sank der Composite-PMI auf ein 22-Monatstief.

Der Auftragseingang wies wieder ein etwas höheres Plus aus als im Vormonat, doch die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist trübten sich weiter ein und fielen so wenig optimistisch aus wie zuletzt vor 23 Monaten. Verantwortlich hierfür waren die angespannten globalen Handelsbeziehungen und die Unsicherheit über deren Auswirkungen auf den weiteren Konjunkturverlauf. In Italien und Spanien sank der entsprechende Index jeweils auf den tiefsten Wert seit knapp fünf Jahren, in Frankreich auf den tiefsten Wert seit über eineinhalb Jahren.

Ungeachtet dessen beschleunigte sich der Jobaufbau und fiel sogar wieder stärker aus als in den zurückliegenden fünf Monaten. Deutschland vermeldete das höchste Stellenplus seit März 2011.

In Italien wurden hingegen so wenig neue Arbeitsplätze geschaffen wie zuletzt vor einem Jahr. Trotz leichter Abschwächung gegenüber den beiden Vormonaten blieb der Kostenauftrieb kräftig, und auch bei den Verkaufspreisen war die Entwicklung ähnlich. In Deutschland war der Preisdruck diesmal am stärksten, in Italien am schwächsten (hier sanken die Verkaufspreise leicht.)

Servicesektor

Der finale IHS Markit Eurozone Service-Index kletterte binnen Monatsfrist um 0,2 Punkte auf 54,4 und bestätigte damit auch die Vorabschätzung. Alle von der Umfrage erfassten Länder verzeichneten auch diesmal wieder Wachstum. Beschleunigt hat es sich in Frankreich, Deutschland und Irland, in Spanien blieb es weitgehend konstant, und in Italien schwächte es sich gegenüber den drei Vormonaten ab.

Der Auftragseingang wies – analog zur Geschäftstätigkeit – ein leicht höheres Plus aus als im Juli, doch auch hier fiel die Zuwachsrate erheblich schwächer aus als zum Jahreswechsel.

Die angespannten geopolitischen Handelsbeziehungen sorgten dafür, dass die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist im August auf ein 21- Monatstief sanken. Auf die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen hatte dies jedoch keine negativen Auswirkungen, was der stärkste Stellenaufbau seit knapp elf Jahren zeigt.

Mit ein Grund hierfür war der hohe Kapazitätsdruck, zu erkennen an der rasanten Zunahme der Auftragsbestände. In Deutschland fiel der Jobaufbau so kräftig aus wie zuletzt im Oktober 2007, Frankreich und Irland vermeldeten 4- bzw. 8- Monatshochs. In Spanien blieb er trotz leichter Verlangsamung robust, während es in Italien nur zu einem mäßigen Stellenaufbau kam.

Die höheren Lohnkosten (vor allem in Deutschland) und die Verteuerung von Kraftstoffen trieben die Kosten erneut kräftig in die Höhe. Folglich wurden auch die Angebotspreise deutlich angehoben. In Deutschland fiel die Erhöhung der Angebotspreise erneut rekordverdächtig aus, Irland vermeldete ein 5- Monatshoch. In den übrigen Ländern war die Preismacht hingegen gedämpft, vor allem in Italien, wo die Angebotspreise den siebten Monat in Folge reduziert wurden.

Paul Smith, Direktor bei IHS Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite-PMI:

„Der finale Composite-PMI zeigt, dass Geschäftstätigkeit, Auftragseingang und Beschäftigung auch im August kräftig zulegten. Allerdings laufen die Entwicklungen auf Länderebene zunehmend auseinander, und das Geschäftsklima hat sich während des Sommers verschlechtert.

Unsere bisherigen Umfragedaten zum dritten Quartal 2018 deuten darauf hin, dass das BIPWachstum der Eurozone mit 0,4% zumindest wieder genauso hoch ausfallen dürfte wie im Vorquartal. Der nachlassende Optimismus nährt jedoch die Zweifel, ob dieses Tempo auch im vierten Quartal gehalten werden kann.

So sind die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist wegen zunehmender Sorgen über die Auswirkungen eines Handelskriegs und der zunehmenden politischen Unsicherheit auf den tiefsten Wert seit knapp zwei Jahren gesunken.

Alarmierend ist auch, dass die Wachstumsraten auf Länderebene immer weiter auseinander laufen. Zwar ist die Wirtschaft in allen großen EurozoneLändern im Jahresverlauf abgekühlt, doch solide Steigerungsraten verzeichnet eigentlich nur noch Deutschland, und zu einem schwächeren Ausmaß auch noch Frankreich.

Dass die italienische Wirtschaft im August stark abgekühlt ist, deutet darauf hin, dass sich die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone auf die niedrigste Wachstumsrate seit zwei Jahren gefasst machen muss, und dass Spanien das schlechteste Quartal seit knapp fünf Jahren bevorsteht, wenn die Wirtschaft im September nicht kräftig anzieht.

Auch bei den Preisen laufen die Entwicklungen auseinander. Deutschland verzeichnet eine annähernde Rekord-Inflation, während die Preise in Italien sinken. Anscheinend sind die Deflationsgefahren in der Eurozone doch noch nicht ganz gebannt."

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