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Datum/Zeit: 14.03.2018 13:06
Quelle: APA

Lenzing-Chef: Importzölle sind für die gesamte Welt schlecht


Aktionären winkt nach Rekordjahr höhere Dividende - Nach Umsatz- und Gewinnplus wird 2018 ein niedrigeres Ergebnis erwartet - Faserhersteller will bei Endkunden sichtbarer werden



Zwar produziert Lenzing weder Stahl noch Aluminium, sondern Fasern, doch "Importzölle helfen uns überhaupt nicht". "Das ist für die gesamte Welt schlecht und ein Unsicherheitsfaktor", sagte Lenzing-Chef Stefan Doboczky am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz. Lenzing betreibt in den USA ein Werk, das gerade ausgebaut wird. Von dort aus exportiert der Konzern in den asiatischen Raum.

Die Frage sei, wie China reagieren würde, wenn die USA ihnen Strafzölle auferlegten, so Doboczky. Derzeit hat sich die Politik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump noch nicht negativ auf Lenzing ausgewirkt. "Ich sage mal so, wir können uns nicht über die US-Steuerreform beschweren", sagte Finanzchef Thomas Obendrauf.

Die neuen Steuergesetze der US-Regierung sollen Firmen durch eine Senkung der Unternehmenssteuern von 35 auf 21 Prozent auf längere Sicht entlasten. Die Entscheidung, am bestehenden US-Standort in Mobile (Alabama) eine neue Tencel-Faseranlage um umgerechnet 275 Mio. Euro zu bauen, sei aber schon vorher getroffen worden und habe nichts mit der Steuerentlastung zu tun, stellte Doboczky klar.

In einer ähnlichen Größenordnung wie in den USA plant der Konzern auch ein neues Werk in Thailand. Die endgültige Entscheidung dafür soll im Herbst 2018 fallen, kündigten die Vorstände an.

Der knapp 6.500 Mitarbeiter zählende Konzern will in Zukunft mehr Spezialfasern produzieren, weil er daran besser verdient als an Viskosefasern. Der Viskosemarkt ist zudem sehr volatil, was das Unternehmen in den vergangenen Jahren immer wieder in die Bredouille brachte. Der Fokus auf Spezialfasern mache Lenzing "deutlich resilienter", sagte Doboczky. Derzeit macht Lenzing 42 Prozent des Umsatzes mit Spezialfasern, bereits 2020 soll dieser Anteil bei 50 Prozent liegen.

Mit seinen Spezialfasern wie Tencel will Lenzing künftig auch beim Endkunden sichtbarer sein. In Deutschland kooperiert Lenzing etwa mit dem deutschen Sportbekleidungshersteller Schöffel. An einigen Standorten wurde die Ware mit Lenzing-Faser prominent platziert - quasi als Shop-in-Shop-Konzept. Der Faserhersteller agiert als Rohstofflieferant sonst nur im Hintergrund.

Anfang 2017 launchte Lenzing die Spezialfaser "Refibra", ein Recyclingprodukt aus den Stoffen, die beim Zuschnitt in Fabriken abfallen. Als Partner schnappte sich Lenzing den größten Modekonzern der Welt, die spanische Inditex-Gruppe, zu dem Marken wie Zara, Bershka, Massimo Dutti oder Pull&Bear gehören. Die Modekette Zara verkauft seither T-Shirts, Pullover und Tops aus der Lenzing-Faser "Refibra". Die Nachfrage bezeichnete der Vorstand als "sehr erfreulich". Zwar gebe es bereits zahlreiche weitere Kooperationspartner, die man aber aufgrund von Verschwiegenheitsklauseln nicht nennen dürfe.

2017 war das Marktumfeld für Lenzing äußerst günstig. "2017 war ein fantastisches Jahr. Wir hatten durch die Bank Rekordergebnisse", so der Vorstandschef. Umsatz und Gewinn stiegen dank höherer Faserpreise deutlich, was auch die Aktionäre freuen wird, die eine auf 5 Euro je Aktie (davor 4,20 Euro) erhöhte Gewinnausschüttung bekommen sollen. An der Wiener Börse kamen die Rekordzahlen trotzdem nicht an, das Papier notierte gegen 13.00 Uhr bei 102,6 Euro um 1,16 Prozent tiefer.

Die Umsatzerlöse des Konzerns stiegen im Geschäftsjahr 2017 um 5,9 Prozent auf 2,26 Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich um 17,3 Prozent auf 502,5 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) legte um ein Viertel auf 371 Mio. Euro zu. Unter dem Strich verdiente das oberösterreichische Unternehmen 281,7 Mio. Euro, um fast ein Viertel (23 Prozent) mehr als 2016. Die bereinigte Eigenkapitalquote verbesserte sich auf 61,2 Prozent (Ende 2016: 53 Prozent).

Ein neuerliches Rekordergebnis wird sich bei Lenzing aber nicht einstellen. 2018 werde herausfordernder, prognostizierte Doboczky. Es gebe mehrere Unsicherheiten wie Wechselkursentwicklungen, den Preisdruck bei Viskose sowie höhere Preise einiger Schlüsselrohstoffe wie Natronlauge. Für heuer wird daher ein Ergebnis erwartet, das unter den letzten beiden Jahre liegen wird.

Lenzing hat im vergangenen Jahr viel Geld in die Hand genommen. Aufgrund von Kapazitätserweiterungen haben sich die Investitionen auf 238,8 Mio. Euro mehr als verdoppelt. Für 2018 geht der Finanzchef von Investitionen in Höhe von 300 Mio. Euro oder mehr aus.

(Schluss) kan/kre

 ISIN  AT0000644505
 WEB   http://www.lenzing.com

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