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Datum/Zeit: 13.03.2018 14:14
Quelle: APA

Strafzölle - WIIW: Höhere Zölle auf Autos würden Europa stark treffen


Direkte Auswirkungen von US-Zöllen auf Stahl begrenzt - GRAFIK



Die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium werden nach Einschätzung des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) in Europa keine sehr großen Auswirkungen bezogen auf Gesamtexporte und Bruttoinlandsprodukt (BIP) haben. Wesentlich gravierender wären Zölle auf Autos. Die Eskalation zu einem Handelskrieg etwa durch höhere Kfz-Zölle würde Europa stark treffen.

Die EU reagiere zur Zeit relativ besonnen mit einer sanften strategischen Reaktion, so WIIW-Experte Robert Stehrer am Rande einer Pressekonferenz zur WIIW-Frühjahrsprognose für Osteuropa. Es sei aber unsicher, was passieren werde. Unsicher sei derzeit beispielsweise, ob es Ausnahmen für Australien oder Europa geben werde. Wenn US-Präsident Donald Trump Zölle auf Autos einführen sollte, könnte das quasi ein Handelskrieg sein, der große Auswirkungen auf Deutschland und aufgrund der Lieferantenkette auch auf Mittel- und Osteuropa haben werde.

Die Stahlexporte würden wegen der Zölle um 20 bis 30 Prozent einbrechen. Insgesamt würden die direkten Auswirkungen der Stahl- und Aluminiumzölle für die EU, Österreich und Zentral-, Ost- und Südosteuropa (CESEE) aber begrenzt sein, heißt es in einer WIIW-Analyse. Klarer Gewinner bei Stahl sei Kanada, das von den Zöllen ausgenommen sein wird. Eisen, Aluminium und die dazugehörigen Produkte machen nur rund 0,2 Prozent aller Exporte der EU- und CESEE-Länder aus. Innerhalb der EU sei der Anteil in den Niederlanden und in Irland am höchsten, er betrage aber auch dort nur knapp über 1 Prozent der Gesamtexporte. In Osteuropa seien Russland (0,8 Prozent der Gesamtexporte), die Ukraine und die Türkei (je 0,6 Prozent) am stärksten betroffen.

In Österreich würden nach einer ersten Schätzung die Gesamtexporte um 230 Mio. Dollar (186,96 Mio. Euro) sinken. Zum Vergleich: 2017 lagen Österreichs Ausfuhren bei insgesamt rund 142 Mrd. Euro. Für die EU insgesamt geht das WIIW von einem Exportrückgang durch die US-Zölle auf Stahl und Aluminium um 2,7 Mrd. Dollar aus, für CESEE um 1,5 Mrd. Dollar.

Die Weltmarktpreise für Eisen und Stahl dürften angesichts des geringen Anteils der US-Importe an der globalen Produktion nicht wesentlich beeinflusst werden. Die USA seien zwar der weltweit größte Importeur von Roheisen und Eisenerzeugnissen, die Einfuhren hätten aber nur einen Anteil von 0,3 Prozent bzw. 2 Prozent der Weltproduktion.

Keines der untersuchten europäischen Länder werde betreffend Stahl signifikante Nettowohlstandsverluste oder - gewinne verzeichnen. Produzenten würden rund 100 Mio. Dollar verlieren, Konsumenten durchschnittlich rund 90 Mio. Dollar gewinnen. Für die USA wird mit einem Nettowohlstandsverlust von 2,3 Mrd. Dollar durch den Bereich Stahl und von 233 Mio. Dollar durch Aluminium gerechnet.

Sollte es zu einem US-Zoll von 35 Prozent auf Autos kommen, wären die EU-15 allerdings stark betroffen, heißt es in der Analyse. Deutsche Autoexporte in die USA machten rund 2,7 Prozent der Gesamtexporte aus, in Österreich seien es 0,7 Prozent.

Generell scheine klar zu sein, dass durch neue Zölle und zu erwartende Gegenmaßnahmen der Handelspartner die meisten oder alle Beteiligten darunter zu leiden hätten.

(Schluss) itz/kre

 ISIN   
 WEB   http://www.wiiw.ac.at/

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