Ökonomen: Iran-Wandel brächte Österreich mehr Wirtschaftswachstum
Ende der Sanktionen würde 2,5 Mrd. Euro BIP-Plus für
Österreich bedeuten - Irans Wirtschaft könnte sich
vervielfachen - Entspannung bei Energiepreisen und Migration
erwartet
Ein grundlegender politischer Umbruch im
Iran und die Rückkehr des Landes in die Weltwirtschaft würden auch
Österreich spürbare Wohlstandsgewinne bescheren. Laut einer am
Donnerstag veröffentlichten Studie eines Teams von Ökonomen rund um
Wifo-Chef Gabriel Felbermayr könnte das heimische
Bruttoinlandsprodukt (BIP) langfristig um 0,5 Prozent wachsen. Euro.
Voraussetzung für dieses Szenario wäre jedoch ein strikt
regelbasierter Systemwechsel in Teheran.
Die im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
erstellte Analyse eines internationalen Teams von Ökonomen des
Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo), des
Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) und
der Drexel University in Philadelphia zeigt das enorme
wirtschaftliche Potenzial einer Re-Integration des Iran. Allein die
Aufhebung der EU-Sanktionen würde die iranische Wirtschaftsleistung
langfristig um mehr als 80 Prozent steigern. Die Europäische Union
insgesamt könnte mit einem BIP-Zuwachs von 0,3 Prozent rechnen, was
einer zusätzlichen Wertschöpfung von mehr als 54 Mrd. Euro
entspräche. Für Österreich würde das einen Zuwachs von 2,5 Mrd. Euro
bedeuten. Felbermayr begründet dies mit einer effizienteren
internationalen Arbeitsteilung und ausgeweiteten Handelsbeziehungen.
Noch deutlichere Effekte prognostizieren die Forscher, wenn die
politische Öffnung mit einem wirtschaftlichen Wiederaufbau und einer
Steigerung der Produktivität einherginge. In Szenarien, in denen
sich der Iran produktivitätsseitig an Länder wie Türkei oder
Südkorea annähert, könnte das iranische BIP um 240 Prozent bis fast
400 Prozent steigen. Diese dynamische Entwicklung würde auch die
Gewinne für Europa weiter erhöhen, da der Iran Zugang zu
Technologien und Märkten erhielte und gleichzeitig seine
Wettbewerbsfähigkeit steigerte.
Dämpfende Effekte auf die Inflation
Abseits der reinen Wachstumszahlen identifiziert die Studie
dämpfende Effekte auf die Inflation. Eine Rückkehr des Iran auf die
globalen Energiemärkte könnte das Öl- und Gasangebot erhöhen, die
Preise senken und die Volatilität an den Märkten verringern. Dies
würde insbesondere in Europa den Preisdruck reduzieren. Zudem
könnten stabilere politische Verhältnisse in der Region die
Sicherheit wichtiger Seehandelsrouten verbessern und den
Migrationsdruck Richtung Europa abschwächen.
Österreich profitiert in den Modellrechnungen
überdurchschnittlich stark. Mit einem prognostizierten BIP-Zuwachs
von 0,5 Prozent liegt der Effekt für Österreich höher als für
Deutschland (0,32 Prozent) oder den EU-Durchschnitt. Das ist auf die
Wirtschaftsstruktur und potenzielle Exportchancen für
österreichische Unternehmen zurückzuführen. Zudem könnte Österreich
aufgrund seiner Neutralität eine Rolle als diplomatischer Vermittler
bei einer politischen Neuordnung zukommen.
Voraussetzung: Fundamentaler politischer Wandel
Die Studienautoren betonen jedoch ausdrücklich, dass diese
ökonomischen Gewinne untrennbar an einen fundamentalen politischen
Wandel geknüpft seien. Eine Lockerung der Sanktionen unter dem
derzeitigen Regime wird in der Untersuchung nicht befürwortet.
"Moralische Klarheit und wirtschaftliche Vorsorge schließen sich
nicht aus", erklärte Studienleiter Felbermayr. Ziel der Analyse sei
es, Europa nüchtern auf die wirtschaftlichen Konsequenzen möglicher
politischer Veränderungen vorzubereiten.
ivn/kre
ISIN
WEB https://www.wifo.ac.at/
http://www.wiiw.ac.at/
ISIN AT0000A21KS2
WEB http://www.immofinanz.com