Hotellerie/Gastronomie-KV - Gespräche schon vorm Start ausgesetzt
Zuständige Fachverbände fordern Entschuldigung von vida-Chef
für harte Worte - Der geht darauf nicht ein und bekräftigt
Kritik an System, das aus seiner Sicht in moralischer
Schieflage ist
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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Neufassung nach neuer Stellungnahme der Gewerkschaft
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Die Stimmung in Hotellerie und Gastronomie ist seit
Mittwoch getrübt. Dabei war kürzlich erst über
Rekordnächtigungszahlen für 2025 berichtet worden. Doch noch vor dem
eigentlichen Start der Kollektivvertragsverhandlungen am morgigen
Donnerstag sind diese ausgesetzt worden. Die Arbeitgeberseite setzte
diesen Schritt wegen "Entgleisungen" des Chefs der zuständigen
Gewerkschaft vida, Roman Hebenstreit. Dieser müsse sich für solche
"entschuldigen", bevor man verhandeln könne.
Auslöser waren aus Sicht der Obleute der Fachverbände Hotellerie
und Gastronomie in der Wirtschaftskammer, Georg Imlauer und Alois
Rainer, allzu scharfe Worte Hebenstreits in einer OTS vom Montag,
die dieser am Mittwoch zum Teil bekräftigte. Man sei die
Angriffigkeit des vida-Chefs zwar gewohnt, auch Kritik könne immer
geäußert werden, diesmal sei es aber zu weit gegangen. Der
Gewerkschafter habe diesmal "eine rote Linie überschritten". Es sei
versucht worden, den ganzen Wirtschaftszweig zu "kriminalisieren und
diskreditieren". Vertrauen sei zerstört, das sei aber die "Basis der
Sozialpartnerschaft".
Hebenstreit äußerte daraufhin sein "Bedauern" über den
"überzogenen Schritt" der Arbeitgebervertreter auf Basis
"berechtigter Kritik". "Verhandlungsverweigerung löst keine
Probleme." Und: "Gerade um die vielen rechtschaffenen Betriebe nicht
in Verruf zu bringen, ist es notwendig, Negativbeispiele klar zu
benennen." Auf den Ruf nach einer Entschuldigung ging der
Gewerkschafter erst gar nicht ein. Er forderte die Arbeitgeberseite
auf, rasch Gespräche aufzunehmen.
Harte Gewerkschafter-Worte: "System" mit "moralischer Schieflage"
Der Gewerkschafter verwies etwa auf ein "Zwischenparken" von
Arbeitnehmenden zum Stempeln beim AMS, einen kürzlich aufgedeckten
Registrierkassenbetrug, in dem es rund 20 Beschuldigte gibt, und
einen Schwarzgeldfund bei einem Betrieb in Salzburg. Er empfahl der
Branche beispielsweise "endlich unternehmerische Verantwortung zu
lernen". Zum kürzlichen Nächtigungsrekord hatte Hebenstreit gemeint:
"Was uns hier als Erfolg verkauft wird, ist in Wahrheit ein System,
das von massiven Fehlentwicklungen, moralischer Schieflage und
fiskalischer Malversation geprägt ist. Hinter den Jubelmeldungen
verbirgt sich eine Branche, die Rekordgewinne privatisiert, aber
ihre Risiken zu 100 Prozent sozialisiert."
Das hatte die Arbeitgeberseite nicht auf sich sitzen lassen.
Hebenstreits Aussagen seien pauschal verunglimpfend und
inakzeptabel. "Solange von Ihrer Seite keine Bereitschaft zu einer
konstruktiven Zusammenarbeit erkennbar ist, fehlt die Grundlage für
seriöse Verhandlungen", schrieben Imlauer und Rainer in einem
offenen Brief an Hebenstreit.
Offen, wie es für gut 200.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
weitergeht
Laut vida-Angaben arbeiten rund 200.000 bis 240.000 Menschen im
Regime des Hotellerie-/Gastro-Kollektivvertrags. Saisonbedingt gibt
es Schwankungen. In Tourismusbundesländern gibt es einzelne eigene
KV-Regelungen. Wie es nun mit den eigentlich anstehenden Gesprächen
zu ihrem neuen Kollektivvertrag weitergehen soll, ließen sowohl ihre
Vertreter der Arbeitgeber von der Wirtschaftskammer (WKÖ) als auch
jene der Arbeitnehmer von der Gewerkschaft vida am Mittwoch offen.
phs/tpo
ISIN
WEB https://www.wko.at/oe/news/pressestelle-wkoe
http://www.vida.at
ISIN AT0000937503
WEB http://www.voestalpine.com