Konjunktur

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Datum/Zeit: 06.08.2022 16:58
Quelle: Konjunktur - Presseaussendung

Eurozone verzeichnet im Juli minimale Wachstumseinbußen



Der beschleunigte Rückgang der Industrieproduktion und die weitere Abkühlung im Servicesektor sorgten dafür, dass die Eurozone im Juli erstmals seit Februar 2021 wieder geringfügige Wachstumseinbußen zu verzeichnen hatte.

Abgesehen von den Monaten während der Corona-Lockdowns, schlug beim Auftragseingang das höchste Minus seit Mai 2013 zu Buche, was zeigte, dass der starke Preisanstieg der Nachfrage massiv schadete.

Immerhin schwächte sich der Anstieg der Einkaufs- und Verkaufspreise leicht ab, wenngleich beide Steigerungsraten noch immer höher ausfielen als vor den jüngsten Allzeithochs.

Beim Exportneugeschäft mussten die Unternehmen so starke Verluste hinnehmen wie zuletzt vor über zwei Jahren. Und die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist sanken wegen der Besorgnis über die zukünftige Gasversorgung, Rezessionsrisiken und den anhaltend hohen Preisdruck auf den tiefsten Wert seit dem ersten Virusausbruch in der ersten Jahreshälfte 2020.

Mit 49,9 Punkten nach 52,0 im Juni rutschte der finale S&P Global Eurozone Composite PMI® im Juli erstmals seit Februar 2021 wieder unter die Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum angezeigt wird. Insgesamt waren die Einbußen jedoch nur marginal.

Eine wichtige Rolle spielte in diesem Zusammenhang der Rückgang in der Industrieproduktion - der kräftigste seit Mai 2020. Der Servicesektor setzte seinen Aufwärtskurs zwar fort, allerdings verlangsamte sich das Wachstum und fiel so schwach aus wie seit den Omikron-bedingten Störungen zu Jahresbeginn nicht mehr. Umfrageteilnehmer in beiden Sektoren gaben an, dass die hohe Inflation geschäftsschädigende Auswirkungen habe, denn viele Unternehmen passten ihre Leistung dem niedrigeren Auftragseingang an.

Zudem wurden auch Versorgungsprobleme und die zunehmende Unsicherheit unter den Kunden als negative Faktoren genannt.

Rangliste Composite PMIs Juli:

Spanien 52,7 6-Monatstief
Frankreich 51,7 (Flash: 50,6) 15-Monatstief
Deutschland 48,1 (Flash: 48,0) 25-Monatstief
Italien 47,7 18-Monatstief

Die Composite PMIs sanken in allen von der Umfrage erfassten Ländern. Deutschlands und Italiens Wirtschaftsleistung schrumpfte so stark wie zuletzt vor 25 bzw. 18 Monaten. Frankreich wuchs mit der niedrigsten Rate seit April 2021, und Spanien vermeldete das schwächste Wachstum seit Beginn des Aufschwungs vor sechs Monaten.

Der Gesamt-Auftragseingang von Industrie und Servicesektor zusammengenommen wies erstmals seit Februar 2021 wieder ein Minus aus, das noch dazu so hoch ausfiel wie seit über neun Jahren nicht mehr – abgesehen von den Pandemie- und Lockdown-Monaten. Ausschlaggebend hierfür waren laut Befragten die gestiegenen Preise, die nachlassende Nachfrage und die gesunkene Ausgabenbereitschaft der Kunden. Beim Exportneugeschäft schlug das höchste Minus seit über zwei Jahren zu Buche.

Da das Auftragsminus stärker ausfiel als der Produktionsrückgang, nahmen die Auftragsbestände erstmals seit Februar 2021 wieder ab. Verantwortlich hierfür war jedoch einzig und allein die Industrie, während die unerledigten Aufträge bei den Dienstleistern mit abgeschwächter Rate zulegten.

Der Arbeitsmarkt zeigte sich hingegen recht robust, was der abermals überdurchschnittliche Stellenaufbau zeigte. So waren die Unternehmen bestrebt, Personalengpässe zügig zu überwinden. Insgesamt verlangsamte sich der Stellenaufbau allerdings auf ein 15-Monatstief.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen so wenig optimistisch aus wie seit den ersten Lockdowns in der ersten Jahreshälfte 2020 nicht mehr. Verantwortlich hierfür waren der Krieg in der Ukraine, Sorgen hinsichtlich der zukünftigen Gasversorgung, die hohe Inflation und Rezessionsängste.

Der Inflationsdruck blieb zwar hoch, der Anstieg der Einkaufs- und Verkaufspreise verlangsamte sich jedoch leicht und fiel in beiden Fällen so schwach aus wie zuletzt im Februar.

Mit 51,2 Punkten nach 53,0 im Juni sank der finale S&P Global Eurozone Services-Index auf den tiefsten Wert seit Januar. Ausschlaggebend hierfür waren die nachlassende Aufholjagd nach Aufhebung der Eindämmungsmaßnahmen und die abgeschwächte Nachfrage.

Beim Neugeschäft schlug erstmals seit April 2021 wieder ein Minus zu Buche, was die befragten Dienstleister auf die rückläufige Nachfrage infolge der gestiegenen Preise zurückführten. Bei den Auslandsbestellungen mussten die Unternehmen den stärksten Rückgang seit März 2021 hinnehmen.

Aufgrund der Nachfrageflaute nahm der Auftragsbestand nur noch minimal zu, und der Stellenaufbau fiel so schwach aus wie zuletzt vor fünf Monaten.

Der Kostendruck blieb im Juli hoch, weshalb die Dienstleister ihre Angebotspreise abermals erhöhten. Beide Steigerungsraten schwächten sich gegenüber Juni jedoch ab.

Die Besorgnis über die weitere Entwicklung in der Eurozone-Konjunktur und der Weltwirtschaft sorgte dafür, dass die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist auf den tiefsten Wert seit 21 Monaten absackten.

Chris Williamson, Chief Business Economist bei S&P Global Market Intelligence kommentiert den finalen Eurozone Composite PMI:

„Der Konjunkturausblick für die Eurozone hat sich zu Beginn des dritten Quartals 2022 eingetrübt, und die jüngsten Umfragedaten deuten auf einen BIP-Rückgang im Juli hin. Galoppierende Inflation, steigende Zinssätze und Liefersorgen - vor allem im Energiebereich – zogen die stärksten Rückgänge bei Produktion und Auftragseingang seit fast einem Jahrzehnt nach sich, abgesehen von den Monaten während der Corona-Lockdowns.

Der erhoffte Anstieg der Verbraucherausgaben nach der Lockerung der Pandemiebeschränkungen wurde durch die zunehmende Besorgnis der Haushalte über die steigenden Lebenshaltungskosten vereitelt, was bedeutet, dass die regulären Ausgaben auf lebensnotwendige Dinge wie Nahrungsmittel, Stromrechnungen und die Tilgung von Krediten umgelenkt wurden. Gleichzeitig stieg die Risikoaversion der Unternehmen, die angesichts düsterer Konjunkturaussichten bei den Ausgaben Vorsicht walten ließen.

Durchaus erfreulich ist, dass sich der nachlassende Preisdruck - wie ihn die aktuelle Umfrage signalisiert - in den kommenden Monaten in einer niedrigeren Inflation niederschlagen dürfte. Dieser Effekt könnte allerdings ausbleiben, sollten die Energiepreise mit Blick auf den Winter in die Höhe schnellen. Die Unternehmen sind ebenfalls besorgt, dass Energiebeschränkungen zu weiteren Einschränkungen der Wirtschaftstätigkeit führen könnten, was wiederum neue Versorgungsprobleme nach sich ziehen und einen weiteren Preisanstieg begünstigen würde.“

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