Konjunktur

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Datum/Zeit: 28.06.2020 14:01
Quelle: Konjunktur - Presseaussendung

Eurozone-Talfahrt schwächt sich im Juni den zweiten Monat in Folge spürbar ab



Infolge der Aufhebung weiterer Restriktionen und Beschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie hat sich die Talfahrt der Eurozone im Juni den zweiten Monat hintereinander deutlich verlangsamt. Überdies verbesserten sich die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist ausgesprochen stark.

Der IHS Markit Flash Eurozone Composite Index Produktion legte binnen Monatsfrist um weitere 15,6 Punkte auf 47,5 im Juni zu – der höchste Wert seit Februar. Im April war er auf ein Rekordtief von 13,6 Punkte abgesackt. Bis auf den Indexanstieg im Mai hatte der Index noch nie zuvor so stark zugelegt wie diesmal. Gleichwohl signalisierte er weiter rückläufiges Wachstum.

Die Industrieproduktion sank erneut, noch etwas stärker ging die Geschäftstätigkeit im Servicesektor zurück. In beiden Fällen schwächten sich die Schrumpfungsraten allerdings spürbar ab.

Ausschlaggebend für die erneuten Einbußen war die weiter rückläufige Nachfrage, was eine abermals starke Abnahme der Auftragsbestände nach sich zog. Doch auch hier schwächten sich die jeweiligen Schrumpfungsraten gegenüber Mai deutlich ab.

Hauptursache für die rückläufige Produktion und die abnehmenden Auftragseingänge war erneut die Corona-Pandemie. So blieben nicht systemrelevante Unternehmen wie Hotels, Restaurants, Firmen aus der Reise- und Tourismusbranche sowie aus anderen konsumorientierte Sektoren auch im Juni geschlossen und die Social-Distancing-Maßnahmen weiter in Kraft. Zahlreiche weitere Unternehmen berichteten von einer anhaltend schwachen Nachfrage infolge der niedrigen Ausgabenbereitschaft seitens der Unternehmen und privaten Haushalte.

Allerdings wurden die COVID-19-bedingten Ausgangssperren in der gesamten Eurozone im Monatsverlauf spürbar gelockert, wodurch viele Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit wieder aufnahmen und die Nachfrage nach zahlreichen Gütern und Dienstleistungen wieder anzog.

Die bereits vollzogenen und weitere in Aussicht gestellte Lockerungen trugen mit dazu bei, dass die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist auf den höchsten Stand seit Februar gestiegen sind.

Erstmals seit vier Monaten übertraf die Anzahl der Optimisten wieder die der Pessimisten. Verbessert hat sich der Ausblick in der Industrie und im Servicesektor gleichermaßen, was den zweitstärksten monatlichen Indexanstieg seit Beginn der Erhebung dieser Daten 2012 nach sich zog.

Angesichts der anhaltenden Nachfrageflaute setzte sich der Stellenabbau jedoch den vierten Monat in Folge fort, wenngleich mit der niedrigsten Rate seit Februar. In beiden Sektoren gingen per Saldo weniger Arbeitsplätze verloren als im Mai, in der Industrie blieb der Jobabbau wegen rückläufiger operativer Kapazitäten allerdings stark.

Um die Umsätze anzukurbeln, wurden die Verkaufs- bzw. Angebotspreise für Güter und Dienstleistungen den vierten Monat in Folge reduziert. Aufgrund der verbesserten Preismacht sanken sie diesmal allerdings nicht mehr ganz so stark wie zum 11-Jahresrekord im April. Der entsprechende Index kletterte auf ein 4- Monatshoch.

Vor allem wegen des gestiegenen Lohndrucks legten die Kosten erstmals seit Februar insgesamt wieder zu. In der Industrie sanken die Einkaufspreise jedoch aufgrund der schwachen Nachfrage abermals stark, wenngleich der entsprechende Index auf ein 4-Monatshoch zulegte.

Auf Länderebene war Frankreich diesmal führend, hier wuchs die Wirtschaft sogar erstmals seit Februar wieder, angetrieben durch einen starken Anstieg der Industrieproduktion. Deutschland hinkte hinterher, hier sank die Wirtschaftsleistung stärker als in den übrigen Ländern außerhalb Frankreichs und Deutschlands. Allerdings war Deutschlands Wirtschaft in den letzten vier Monaten am schwächsten geschrumpft, gefolgt von Frankreich und den übrigen Eurozone-Ländern.

Die Vorabschätzung basiert in der Regel auf ungefähr 85% der regulären monatlichen Umfragerückmeldungen und beinhaltet alle von der PMI-Umfrage erfassten Länder. Veröffentlicht werden jedoch nur die Daten für Frankreich und Deutschland.

*Der Fokus dieses Berichts liegt stärker auf dem Index Industrieproduktion als auf dem PMI-Hauptindex, da der PMI Hauptindex auch die Unterindizes für Lieferzeiten und Lager beinhaltet. Diese Unterindizes können die Analyse der Umfragedaten und die Abschätzung der weiteren Produktionsentwicklung verzerren.

Chris Williamson, Chief Business Economist bei IHS Markit, kommentiert den aktuellen Eurozone Flash-PMI:

“Wie der Eurozone PMI-Flash zeigt, hat sich die Talfahrt der Eurozone im Juni abermals substanziell verlangsamt. Produktion und Nachfrage gingen zwar weiter zurück, kollabierten aber nicht mehr. Zwar dürfte das BIP im zweiten Quartal 2020 mit noch nie dagewesener Rate sinken, doch nährt der PMI-Anstieg die Erwartungen, dass die gelockerten Ausgangssperren der Rezession bis zum Sommer ein Ende bereiten werden.

In Frankreich zeichneten sich sogar wieder erste Wachstumstendenzen ab, wenngleich dessen Wirtschaft zum Höhepunkt der COVID-19- Pandemie stärker eingebrochen war als die deutsche. Deutschland und die übrigen Eurozone-Länder vermelden erfreulicherweise ebenfalls abgeschwächte Schrumpfungsraten.

Allerdings kann über den Zeitpunkt der Rückkehr zur Normalität vorerst nur spekuliert werden. Und da die Pandemie-bedingten Restriktionen die Unternehmen auch noch das ganze Jahr hindurch beeinträchtigen werden, bleiben wir sehr vorsichtig, was Stärke und Nachhaltigkeit eines Wirtschaftsaufschwungs anbelangt.

Der Arbeitsmarkt bleibt Sorgenkind Nummer eins, vor allem wenn die Nachfrage in den nächsten Monaten nicht wieder stark anziehen sollte. Aus diesem Grund bleiben wir bei unserer Prognose, dass das BIP 2020 um über 8% sinken wird.

Während es mit dem Aufschwung im dritten Quartal zwar wieder losgehen könnte, besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Dynamik schon bald wieder nachlässt, was bedeuten würde, dass es wahrscheinlich bis zu drei Jahre dauern könnte, bevor das Eurozone-BIP wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht.

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