Konjunktur

Konjunktur

Datum/Zeit: 28.06.2020 13:27
Quelle: Konjunktur - Presseaussendung

Deutsche Wirtschaft kämpft sich im Juni weiter aus der Talsohle heraus



In der deutschen Wirtschaft zeichnete sich im Juni zunehmend eine Trendwende ab, nachdem das Wachstum Anfang des zweiten Quartals 2020 mit Rekordrate eingebrochen war. Dies signalisiert der IHS Markit Flash Deutschland Composite Index Produktion, der gegenüber Mai um 13,5 Punkte auf 45,8 stieg und damit ein 4-Monatshoch erreichte. Positiv ausgewirkt haben sich laut aktueller Umfrage nicht nur die gelockerten Ausgangssperren, sondern auch das optimistischere Geschäftsklima.

Mit den niedrigsten Wachstumseinbußen seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März näherte sich die Konjunktur der Stabilisierung weiter an.

Detailergebnissen der Umfrage zufolge schrumpften die Industrieproduktion und die Geschäftstätigkeit im Servicesektor im Juni mit exakt gleicher Rate.

Ausschlaggebend für das rückläufige Wachstum waren die Nachfrageausfälle infolge der nach wie vor vorherrschenden Unsicherheiten bezüglich der Corona-Pandemie sowie Auftragsverschiebungen oder -stornierungen. Ungeachtet dessen nahmen zahlreiche Betriebe aufgrund des Nachfragestaus ihre Geschäfte wieder auf und fuhren ihre Produktionskapazitäten hoch. Folglich war das Auftragsminus im Juni das niedrigste seit vier Monaten. Der Exportorderrückgang fiel zwar nicht mehr ganz so gravierend aus wie im Mai, er blieb jedoch stärker als der Rückgang des GesamtAuftragseingangs.

Dass die Kapazitäten auch im Juni bei Weitem nicht ausgelastet waren, zeigten nicht nur die erneut zügig schwindenden Auftragsbestände, sondern auch der vierte Beschäftigungsrückgang in Folge. Gleichwohl schwächte sich der Jobabbau von dem Rekordwert im April weiter ab. Per Saldo am meisten Arbeitsplätze gingen abermals in der Industrie verloren, wo sich die Stellenkürzungen deutlich weniger stark verlangsamte als im Dienstleistungssektor.

Preisnachlässe waren auch im Juni verbreitet an der Tagesordnung. So sanken die Verkaufs- bzw. Angebotspreise für Güter und Dienstleistungen infolge des scharfen Wettbewerbs zum vierten Mal hintereinander. Dass die operativen Margen im Servicesektor zunehmend unter Druck gerieten, lag an den erstmals seit drei Monaten wieder steigenden Einkaufspreisen. Im Gegensatz dazu sanken die Einkaufspreise in der Industrie abermals stark, wenngleich mit abgeschwächter Rate.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen im Juni erstmals seit vier Monaten wieder positiv aus. In beiden von der Umfrage erfassten Sektoren blicken die Unternehmen demnach optimistischer in die Zukunft, wobei sich die Dienstleister zuversichtlicher zeigen als die Hersteller. Im historischen Vergleich blieben die Erwartungen allerdings in beiden Fällen gedämpft.

Der Flash PMI für die Industrie legte binnen Monatsfrist um 8 Punkte auf 44,6 zu und erholte sich damit weiter von seinem 11-Jahrestief im April. Mit zum Indexanstieg beigetragen haben die abgeschwächten Einbußen bei Auftragseingang, Produktion und Beschäftigung. Dämpfend wirkten sich jedoch der beschleunigte Abbau der Vormateriallager und – noch bedeutsamer – die Stabilisierung der Lieferzeiten aus. Diese hatten zuletzt eine COVID-19-bedingte Unterbrechung der Lieferketten signalisiert.

Phil Smith, Principal Economist bei IHS Markit und Autor des Flash-PMI, kommentiert:

„Der Juni-Flash zeigt, dass sich der PMI von seinem Tiefpunkt im April weiter erholt hat und auf den höchsten Wert, seit Ausbruch der CoronaPandemie geklettert ist. Demnach kämpft sich die deutsche Wirtschaft weiter mit aller Kraft aus der Talsohle heraus.

Die gelockerten Ausgangssperren hatten durchaus einen positiven Effekt auf Teile der Wirtschaft. Dass der PMI dennoch im negativen Bereich verharrte, deutet darauf hin, dass sich eine tatsächliche Belebung wohl noch etwas hinziehen wird. Vor allem die Coronavirus-bedingten Betriebsschließungen und die Unsicherheit wirken sich weiterhin negativ auf die Nachfrage aus.

Beim Rückgang der Industrieproduktion und der Geschäftstätigkeit im Servicesektor gab es im Juni keinen Unterschied, wenngleich beide Sektoren das Schlimmste wohl hinter sich haben dürften.

Langsam aber sicher sind die Unternehmen auch wieder ein bisschen optimistischer bei der Einschätzung der Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist. Allerdings verfolgen viele die weitere Entwicklung am Arbeitsmarkt mit Sorge, denn die Stellenstreichungen lassen kaum nach.“

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