Konjunktur

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Datum/Zeit: 06.12.2018 10:45
Quelle: Konjunktur - Presseaussendung

Eurozone-Wirtschaftswachstum schwächt sich im November weiter ab



Mit aktuell 52,7 nach 53,1 im Oktober sank der finale IHS Markit Eurozone Composite Index (PMI®) im November auf den tiefsten Wert seit September 2016. Die Vorabschätzung wurde jedoch um 0,3 Punkte übertroffen.

Besonders stark war die Abkühlung in Deutschland, hier legte die Wirtschaftsleistung im Berichtsmonat mit der niedrigsten Rate seit knapp vier Jahren zu.

Zum zweiten Mal hintereinander geschrumpft ist sie in Italien, das in der Index-Rangliste Schlusslicht blieb. Beschleunigt hat sich das Wirtschaftswachstum hingegen in Irland, Frankreich und Spanien, wenngleich der Aufschwung hier deutlich schwächer ausfiel als zum Jahresanfang.

Ungeachtet der Abkühlung verzeichnet die Eurozone nun bereits seit fünfeinhalb Jahren Wachstum. Die Industrieproduktion wurde im November allerdings mit der niedrigsten Rate seit Beginn des Aufschwungs im Juli 2013 ausgeweitet, und der Servicesektor vermeldete das schwächste Geschäftswachstum seit über zwei Jahren.

Ausschlaggebend für die Wachstumsdelle war der niedrigste Auftragszuwachs seit 27 Monaten. Gleichzeitig verlangsamte sich der Stellenaufbau und fiel so schwach aus wie zuletzt Anfang 2017. In Deutschland, Frankreich und Irland wurden per Saldo weniger neue Stellen geschaffen als im Oktober.

Der Jobaufbau stand in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Auftragsbestände. Da die Auftragsbestände in Deutschland und Italien sanken und sich die Zunahme in Frankreich verlangsamte, legten die unerledigten Aufträge auch insgesamt nur noch minimal zu.

Der Anstieg der Einkaufspreise blieb wegen höherer Lohnkosten und der Verteuerung von Energie und Kraftstoffen überdurchschnittlich stark.
Die Verkaufspreise wurden insgesamt mit der niedrigsten Rate seit sechs Monaten angehoben, da die Preismacht der Unternehmen in Italien, Frankreich und Spanien infolge des Wettbewerbsdrucks schwach war.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist sanken indes auf den tiefsten Wert seit knapp vier Jahren. Belastet wurde der Ausblick von der politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit, vor allem in Handelsfragen.

Servicesektor

Mit aktuell 53,4 nach 53,7 im Oktober sank der finale IHS Markit Eurozone Service-Index auf den tiefsten Wert seit über zwei Jahren.

Auch hier war Deutschland mit der niedrigsten Wachstumsrate seit Mai ausschlaggebend für die Abkühlung. Frankreich vermeldete hingegen robustes Wachstum, und auch in Spanien liefen die Geschäfte der Dienstleister rund. Italien verzeichnete nach den Einbußen im Oktober wieder leichtes Wachstum.

Der Auftragseingang wies zwar das niedrigste Plus seit über zwei Jahren aus, die Auftragsbestände legten dennoch ein weiteres Mal moderat zu. Seit zweieinhalb Jahren stapeln sich die unerledigten Aufträge der Dienstleister nun bereits ununterbrochen.

Trotz des 6-Monatstiefs blieb der Jobaufbau solide. Am meisten neue Stellen geschaffen wurden erneut in Deutschland und Irland, wo folglich auch der Kostendruck wegen gestiegener Lohnausgaben am stärksten ausfiel.

Wegen der Verteuerung von Energie und Kraftstoffen legten die Einkaufspreise ein weiteres Mal deutlich zu, weshalb auch die Angebotspreise erneut angehoben wurden. In Frankreich, Italien und Spanien war die Preismacht der Dienstleister jedoch schwach.

Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist fielen im November so wenig optimistisch aus wie zuletzt im August 2016. In Deutschland und Frankreich sanken die Erwartungen jeweils auf ein 2-Jahrestief.

Chris Williamson, Chef-Ökonom bei IHS Markit, kommentiert den finalen Eurozone Composite-PMI:

„Der finale Eurozone Composite PMI fiel zwar etwas höher aus als die Vorabschätzung, er deutet für das vierte Quartal 2018 jedoch lediglich auf ein BIP-Wachstum von circa 0,3% hin – womit die Eurozone weiter in der Wachstumsdelle steckt.
Produktion und Auftragseingang legten jeweils mit der niedrigsten Rate seit über zwei Jahren zu, da die Schwäche des Industriesektors zunehmend auf den Servicesektor übergesprungen ist. Verstärkten Gegenwind liefern der Brexit, die Handelsstreitigkeiten, die Flaute im Automobilsektor sowie die gestiegene politische und wirtschaftliche Unsicherheit.

Gleichzeitig sanken die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist auf den tiefsten Wert seit 2014, womit die Abwärtsrisiken für 2019 gestiegen sind. Und der Jobaufbau, der trotz nachlassender Nachfrage erstaunlich robust geblieben ist, verliert jetzt ebenfalls an Tempo. Im November wurden per Saldo so wenig neue Stellen geschaffen wie zuletzt vor knapp zwei Jahren.

Am stärksten erwischt hat es Italien, hier schrumpfte die Wirtschaftsleistung im November zum zweiten Mal hintereinander – womit wohl das ganze vierte Quartal verloren ist. Und weil auch Deutschland so langsam gewachsen ist wie zuletzt vor knapp zwei Jahren, stellt sich die Frage, ob sich das BIP-Wachstum in Q4 überhaupt noch großartig berappeln kann. In Frankreich und Spanien sieht die Lage dank der robusten Servicesektoren besser aus.”

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