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Datum/Zeit: 12.11.2018 13:09
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Der dynamische Weg vom Öl- zum Gaskonzern


OMV-Chef Rainer Seele zu Gast bei TPA Event „Face to Face“

Am Weg vom Öl- zum Gaskonzern befindet sich die OMV aktuell – und ihre Produkte werden in Zukunft „weniger verbrannt, sondern deutlich mehr veredelt“, skizzierte OMV-Chef Rainer Seele den strategischen Weg seines Konzerns in die Zukunft. Auf welche Regionen der Welt Österreichs Vorzeigeunternehmen setzt, wie der Aktienkurs der OMV zu neuen Höhenflügen gelangen soll und warum erneuerbare Energien dabei nur sehr bedingt eine Rolle spielen, erläuterte der Topmanager bei der achten Ausgabe von „Face to Face“, der hochkarätigen Veranstaltungsreihe des Beratungsunternehmens TPA.

Mehr als 90 Gäste folgten der Einladung des Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens TPA ins Wiener Park Hyatt Hotel, um einen der führenden Manager des Landes, OMV-CEO Rainer Seele, im Gespräch mit „Presse“-Chefredakteur und Geschäftsführer Rainer Nowak zu erleben.

Kernthemen der Veranstaltung am Dienstag, 6. November 2018, waren die Highlights und Hürden am Erfolgsweg, den das Unternehmen seit dem Antritt von Rainer Seele im Juli 2015 genommen hat, und die strategische Ausrichtung für die nächsten Jahre.

„Dr. Seele hat mit einer zunächst viel diskutierten Strategie Österreichs größten Industriekonzern wettbewerbsfähiger und deutlich profitabler gemacht. Er setzte neue Schwerpunkte im Portfolio, senkte die Kosten und konnte die Produktion deutlich steigern“ fasste TPA-Partner Leopold Brunner eingangs den Erfolgskurs unter Seele zusammen.

Der Blick in die Zukunft zeigt, dass die OMV weniger Öl und mehr Gas produzieren wird, legte sich OMV-Chef Seele fest – und sie werde sich bei Öl deutlich mehr mit der Höherveredelung beschäftigen als bisher. „Wir wollen unsere Abhängigkeit vom Erdöl reduzieren und investieren daher in Ländern wie Tunesien, Russland und Norwegen intensiv in die Gasproduktion. Der Gaspreis wird für uns die Bedeutung bekommen, die in der Vergangenheit der Ölpreis hatte“, kündigt der OMV-Chef an. Gasreserven gebe es weltweit noch für geschätzt 200-400 Jahre, Öl noch rund 100 Jahre – dabei seien aber schlummernde Reserven noch nicht berücksichtigt, die mit neuen Technologien aufgefunden werden könnten.

„Restrukturierung in schwieriger Phase“

„2015 war die OMV in einer sehr schwierigen Lage“, erinnert sich der OMV-Chef an seine Anfangszeit an der Spitze des Unternehmens. „Es war wichtig, transparent zu machen, warum wir ein starkes Kostensenkungsprogramm fahren, und das ist auch bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angekommen. Wir haben rasch einen Weg mit realistischen Lösungen aufgezeigt und dann gemeinsam angepackt. Der neue Vorstand ist ein gutes Team und rudert gemeinsam in eine Richtung“, zeigt sich Seele hochzufrieden mit dem Engagement seines Teams.

Generell ist der „überzeugte Europäer“ mit dem Headquarter-Standort Österreich sehr zufrieden. „Wir haben zuletzt sehr viel Unterstützung von der Bundesregierung für unseren Kurs bekommen – und daran wird sich auch nichts ändern“, ist Seele überzeugt. Er zeigt auch viel Verständnis für den Miteigentümer Republik Österreich und für den Schritt zur neuen Staatsholding ÖBAG: „Es ist nachvollziehbar, dass sich ein Hauptaktionär mit einer Beteiligung von 31,5% ins Unternehmen einbringen will – und diese direkte Begleitung des Unternehmens ist auch im Interesse des Staates. Ich begrüße die neue Struktur der ÖBAG, sie macht die Abstimmung mit dem Aktionär wieder einfacher.“

Fokus Russland

Derzeit gebe es zwei Regionen in der Welt, in denen die OMV sehr günstig produzieren könne: Russland und der Mittlere Osten. „Die Kosten liegen dort ungefähr bei einem Zehntel dessen, was man in der Nordsee aufwenden muss. Mir war klar: Dort müssen wir Fuß fassen und dafür nicht profitable Zweige abstoßen.“

Dabei seien ihm seine guten Kontakte nach Russland und Abu Dhabi aus der früheren Tätigkeit zugute gekommen. „Mit dem Einstieg in Regionen mit großen Öl- und Gasfeldern ist die OMV heute komfortabel aufgestellt. Und das Geschäft wollen wir noch intensivieren“, kündigt Seele an.

Als Erfolgsmodell – speziell in Abu Dhabi – bezeichnet Seele dabei den Borealis-Konzern, an dem die OMV zu 36% beteiligt ist. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Wien setzt auf Höherveredelung von Mineralölprodukten – ein Weg, den auch die OMV weiter intensivieren will.

Für ihre Diversifizierung habe sich die OMV Asien ausgesucht. „Wir machen zwar 80% unseres Geschäftes in Europa – mit dem Vorteil, dass die Kunden hier auch zahlen. Aber durch die Veränderung der europäischen Märkte ist das Wachstum begrenzt. Denn längerfristig wird etwa der Trend der Automobilindustrie hin zu Elektrofahrzeugen den Absatz von Mineralölprodukten beeinflussen. Deshalb richten wir den Blick auf Asien, wo wir für alle unsere Produktgruppen große Wachstumschancen sehen. Wir gehen den Weg, Anlagen dort aufzubauen, wo die günstigen Rohstoffquellen sind und das Investitionsrisiko gering ist“, skizziert Seele die Richtung.

Erneuerbare Energien: „Nicht das machen, was andere besser können“

Beim Engagement in erneuerbare Energien zeigt sich Seele zurückhaltend. „Solarpanels oder Windräder bauen? Das können andere viel besser als wir.“ Sehr wohl aber werde die OMV auf Technologieentwicklung setzen, wenn es etwa um die Nutzung von Abfällen wie Plastikmüll geht. Herausforderungen dabei sind die Verfügbarkeit und Reinheit des Rohstoffes Plastik. Auch die Wasserstofftechnologie sei ein interessantes Investitionsfeld für die OMV.

Was den Trend zur E-Mobilität betrifft, so kündigt Seele Investitionen in die Infrastruktur an – die Full Service-Tankstellen würden neben Diesel und Benzin künftig jedenfalls auch (zugekauften) Strom bieten. Generell möchte er die Tankstellen künftig zu Dienstleistungszentren ausbauen, die etwa auch Post- oder Bankdienstleistungen bieten.

„Aktienkurs nicht prickelnd“

Den aktuellen Aktienkurs der OMV findet Seele – trotz Aufwärtstrend – „noch nicht prickelnd. Wir haben ein absolutes Ausnahmejahr hinter uns mit hochinteressanten Milliardenakquisitionen und den Erfolgen aus dem Kostensenkungsprogramm – trotzdem ist der Kurs noch nicht dort, wo ich ihn haben will.“ Zu Jahresbeginn 2018 lag die Aktie bei 55 Euro, derzeit bei 49. Er sei jedoch optimistisch, dass die erfolgreiche Performance der OMV mit deutlich höherer Rentabilität und Produktion auch bei den Aktionären ankommen werde.

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