BIP-Prognose: Österreich 2026 mit +0,9 Prozent bei EU-Schlusslichtern
Für gesamte EU wird Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent
erwartet - Auch heimisches Budgetdefizit in kommenden Jahren
über erlaubter 3-Prozent-Grenze - GRAFIK
Österreich ist wie erwartet bei der
Wirtschaftsentwicklung 2026 unter den Schlusslichtern in der EU: Die
am Montag in Brüssel präsentierte EU-Herbst-Konjunkturprognose sagt
Österreich ein Wachstum von 0,9 Prozent voraus. Schlechter schneiden
nur Irland mit 0,2 und Italien mit 0,8 Prozent ab.
Wachstumslokomotive ist Malta mit 3,8 Prozent; gefolgt von Polen mit
3,5 Prozent. Für die gesamte EU wird ein BIP-Anstieg von 1,4
Prozent, für die Eurozone von 1,2 Prozent prognostiziert.
Für das laufende Jahr erwartet die EU-Kommission für Österreich
ein Wachstum von 0,3 Prozent, für 2027 von 1,2 Prozent. Die Werte
sind immerhin besser als noch in der Frühjahrsprognose vom Mai:
Damals war für heuer noch ein Schrumpfen des BIP vorhergesagt
worden, und zwar das dritte Jahr in Folge. Nicht rosig bleiben die
Budgetdefizitwerte: Dieser wird heuer mit 4,4 Prozent der
Wirtschaftsleistung den zulässigen Wert von 3,0 Prozent deutlich
übersteigen. Kommendes Jahr soll das Defizit laut Prognose leicht
auf 4,1 Prozent sinken, aber das Jahr darauf wieder auf 4,3 Prozent
steigen (EU-Schnitt heuer: 3,3 Prozent).
Österreich mit hohem Budgetdefizit nicht alleine
Österreich ist mit den schlechten Defizitwerten aber nicht
alleine: Neben Deutschland schaffen auch Belgien, Estland,
Frankreich, die Slowakei, Finnland, Ungarn, Polen und Rumänien die
3-Prozent-Maastricht-Grenze 2026 nicht. Die EU-Kommission wird
kommende Woche das sogenannte Herbstpaket des Europäischen Semesters
mit wirtschafts- und haushaltspolitischen Empfehlungen an die
EU-Länder vorlegen. Auf Österreich wird hier aufgrund des laufenden
EU-Defizitverfahrens ein besonderes Augenmerk gelegt.
Auch bei der Inflation liegt Österreich 2025 laut heutiger
Prognose erneut mit 3,5 Prozent deutlich über dem EU-Schnitt mit 2,5
Prozent und dem Eurozonen-Schnitt mit 2,1 Prozent. 2026 soll die
heimische Teuerungsrate auf 2,4 und 2027 auf 2,2 Prozent sinken. Die
Inflation im Euroraum soll kommendes Jahr mit 1,9 Prozent und 2027
mit 2,0 Prozent den Zielwert der Europäischen Zentralbank von 2
Prozent schaffen; für die gesamte EU werden kommendes Jahr 2,1 und
2027 2,2 Prozent erwartet.
Die Kommission betont in einer Aussendung, dass das Wachstum in
den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 die Erwartungen
übertroffen habe. Die Entwicklung sei zunächst durch einen Anstieg
der Exporte in Erwartung von Zollerhöhungen angetrieben worden, die
EU-Wirtschaft sei aber auch im dritten Quartal weiter gewachsen. Mit
Blick auf die Zukunft erwartet die Brüsseler Behörde "trotz eines
schwierigen externen Umfelds im Prognosezeitraum" weiterhin ein
moderates Wachstum.
Plakolm: Bürokratie abbauen
"Wir müssen das Thema Standort ganzheitlich betrachten, denn
unsere Unternehmerinnen und Unternehmer sind sehr stark
exportorientiert", kommentierte Europaministerin Claudia Plakolm
(ÖVP) die schlechte Prognose für Österreich am Montag in Brüssel.
"In erster Linie exportieren und handeln wir mit unseren EU-Nachbarn
und EU-Mitgliedstaaten". Sie fordert daher "spürbare Ergebnisse und
spürbare Entlastungen" beim Abbau von Bürokratie. Bürokratie koste
"unglaublich viel Geld", so die Ministerin. "Wir brauchen aber einen
starken Standort, wenn wir die Herausforderungen der Zukunft stemmen
wollen."
(Redaktionelle Hinweise: 1433-25-SLIDES, 1080 x 1350 px, 5
SLIDES - Herbstprognose im Überblick; 1434-25)
fan/tpo