Die größte Bank des Landes zu verkaufen, ist nirgends eine leichte Übung, bei der Bank Austria war es nicht anders. Von Ausverkauf war damals die Rede. Also wurde 2006 der "Bank der Regionen"-Vertrag zwischen der Bank Austria und dem Käufer, der italienischen Großbank Unicredit, neu gefasst. Fünf Jahre lang garantierten die Italiener die Bank Austria AG zu belassen, wie sie ist – als Indiz ihrer Unabhängigkeit.

Ab 2011 allerdings kann die Unicredit das Österreich-Geschäft der Bank abspalten (und im Ernstfall verkaufen), das Osteuropa-Geschäft würde in eine Holding wandern.
Dann kam die Krise, und die Bank Austria stellt sich derzeit – wie alle anderen auch – um Staatskapital bei der Republik Österreich an.

Nach fünf Jahren soll dieses stimmrechtslose Partizipationskapital zurückgezahlt werden, mit acht Prozent Verzinsung. Das wäre 2014. Eine Abspaltung 2011 wäre daher schwierig.
"Eine Anpassung des Bank-der-Regionen-Vertrages wird sicher Gegenstand der Verhandlungen sein", ist aus involvierten Kreisen zu hören. Offizielle Äußerungen dazu gibt es nicht, die Verhandlungen stehen gerade am Anfang.

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Allerdings findet sich in den Verträgen der Republik mit anderen unterstützten Instituten jeweils ein Passus, wonach strukturelle Veränderungen der Bank nicht ohne Genehmigung des Staates vorgenommen werden dürfen. Und die Regierungsparteien dürften durchaus Interesse daran haben, die Bank Austria in ihrer Erscheinungsform länger zu behalten. Auch der Betriebsrat der Bank, der über Namensaktien verfügt, würde sich vermutlich nicht wehren.

Früher rückzahlen
Einziger Ausweg wäre, dass die Bank Austria das Kapital früher als in fünf Jahren zurückzahlt. Und genau das peilt die Bank Austria an.
Ob das gelingt, wird auch davon abhängen, wie viel Kapital die Bank Austria erhalten wird. Klar ist, dass dem Finanzministerium eine Regelung vorschwebt, bei der die Mutter Unicredit bei der Bank Austria eine Kapitalerhöhung vornimmt, und danach das Staatskapital fließt. Das gilt bereits als sicher. Aber die Unicredit wird sich auch beim italienischen Bankenpaket beteiligen.

Von vier Milliarden Euro ist insgesamt die Rede. Inoffiziell ist aus dem Ministerium zu hören, dass es dabei eine enge Abstimmung mit den italienischen Kollegen geben wird, vergleichbar mit der Lösung zwischen der Kärntner Hypo Alpe Adria und deren Mehrheitseigentümer BayernLB.

Ob 2,7 Milliarden aus Österreich und 1,3 Milliarden aus Italien kommen, ist daher keine ausgemachte Sache. Tendenziell werden es in Österreich eher weniger.
Polster Die Bank Austria betonte stets, dass sie das Kapital nur nimmt, um eine erhöhte Eigenkapitaldecke auszuweisen, mögliche Ausfälle in Österreich und Osteuropa könne sie auch alleine stemmen.

Für Unicredit-Chef Alessandro Profumo kommt die Krise zur Unzeit. Solange Staatskapital in den Banken investiert ist, bleibt es nahezu unmöglich, grenzüberschreitende Zukäufe zu tätigen. Die EU-Kommission hat klargestellt, dass das öffentliche Geld nicht aggressiv am Markt verwendet werden darf, um Wettbewerbsverzerrungen zu reduzieren. Der Appetit der Italiener auf die französische Société Générale dürfte aber immer noch da sein.
Für die nächsten Jahre dürfte es damit vorbei sein. mehrere Hundert Millionen Euro muss die Unicredit in die Kapitalerhöhung der Bank Austria investieren.

http://kurier.at/geldundwirtschaft/305518.php

  

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