A-Tec - Hintergründe der Bilanz-Verschiebung
Spätere Zahlen-Publikation könnte A-Tec dabei helfen, die Kriterien für eine Dividendenausschüttung 2007 zu erfüllen.


Das Rätselraten, ob A-Tec für das Geschäftsjahr 2007 eine Dividende ausschütten wird, geht in die Verlängerung und wird um einiges spannender. Denn die Industrieholding hat heute bekanntgegeben, die Publikation der endgültigen Zahlen für 2007 vom 15. auf den 30. April 2008 zu verschieben. Das Datum der Hauptversammlung wandert vom 7. Mai auf den 10. Juni.

Damit wird es für die A-Tec voraussichtlich leichter, die Kriterien für die Ausschüttung einer Dividende zu erfüllen. Denn die Industrieholding kann aufgrund einer im Jahr 2005 begebenen Anleihe nur dann eine Dividende ausschütten, wenn die Eigenkapitalquote zumindest 20% beträgt. Ansonst hätten die Anleihezeichner - es geht um eine Volumen von 100 Mio. Euro - ein Kündigungsrecht.

Die Dividende basiert nun zwar auf dem Jahresstichtag. Sollte somit eine Dividende beschlossen werden und die Eigenkapital-Quote sinkt unter 20%, dann wird die Anleihe grundsätzlich kündbar. Dieses Kündigungsrecht erlischt aber, falls der Kündigungsgrund vor wirksamer Ausübung des Kündigungsrechts geheilt ist. Sprich, entschliesst sich die A-Tec zur Ausschüttung einer Dividende und rutscht damit per 31.12.2007 unter eine Quote von 20%, liegt aber per 30. April - an diesem Tag wird der Abschluss veröffentlicht - wieder darüber, liegt kein Grund für eine Kündigung der Anleihe vor.

Und zwischen Ende Dezember und Ende April sind etliche Massnahmen eingetreten bzw. vorgesehen, die für eine geringere Nettoverschuldung sprechen. So hat die A-Tec etwa ihr Cumerio-Aktienpaket verkauft. Auch die neu vorgeschlagenen Zahlungsbedingungen für die serbische RTB sehen vor, dass der Restbetrag von 86 Mio. Dollar erst am 7. Mai fliessen soll.

Analysten sind unterschiedlicher Meinung, ob A-Tec für 2007 eine Ausschüttung vornehmen wird. Während die Experten von Erste Bank und Deutsche Bank in ihren zuletzt veröffentlichten Analysen zu A-Tec keine Dividende für 2007 ansetzen, schätzt Goldman Sachs die Dividende auf 2,6 Euro und Unicredit (CA IB) auf 2,94 Euro. Laut vorläufigen Zahlen beläuft sich die Nettoverschuldung der A-Tec per Ende 2007 auf 632 Mio. Euro. Sollte sie allerdings niedriger ausfallen, was laut Unicredit (CA IB)-Analyst Harald Weghofer möglich ist, dann könnte durchaus eine Eigenkapital-Quote von 20% erreicht werden, wobei Weghofer in seinen Berechnungen von einer Ausschüttungsquote von 30% ausgeht.

Mit Blick auf die Bilanzerstellung dürfte die Bilanzierung des Anteils an der Norddeutschen Affinerie (NA) Probleme bereiten. Denn A-Tec hat im Vorjahr ein NA-Paket im Ausmass von 10% von der Commerzbank erworben, weitere Stücke wurden über den Markt zugekauft. Im Februar dieses Jahres entschied allerdings das deutsche Kartellamt gegen die ATec, das NA-Paket sei zu verkaufen. Wie A-Tec-Chef Kovats jüngst gegenüber Medien sagte, hat die A-Tec seitdem bereits etliche NA-Aktien verkauft. Über das restliche 10%-Paket laufen Vereinbarungen mit der Commerzbank, denn A-Tec dürfte sich hier eine Rückgabe-Option einräumen haben lassen.

Spiessen dürfte es sich aber an der Frage, ob nun A-Tec oder die Commerzbank Anspruch auf die NA-Dividende für 2007 haben. Dabei handelt es sich um rund 6 Mio. Euro, die seit Anfang März ihrer Ausschüttung harren. Mit dem Entscheid des Kartellamts kam es zu einer Trennung von Stimmrechten und Besitz der Aktien. Während die A-Tec weiterhin im Besitz der Papiere ist, wanderten die Stimmrechte zur Commerzbank. Und diese dürfte auf dem Standpunkt stehen, dass damit auch das Recht auf Dividende verbunden ist. Aber vielleicht lässt sich ja auch das bis Ende April lösen. (bs)

Aus dem Börse Express vom 9. April 2008

  

Beitrag dem Admin melden | Urheberrechtsverletzung melden
Thema #40273

Erstes Thema | Letztes Thema

0
Powered by DCForum+ Version 1.27
Copyright 1997-2003 DCScripts.com
0.06