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Ronny Pecik gilt als Architekt des S-Immo-Kaufs. Doch der Immofinanz-Chef hielt sich laut eidesstattlicher Erklärung aus allem heraus.

„Es ist ein Affentheater“, heißt es aus der Immobilienbranche. Von Kopfschütteln bis lautes Lachen, ein pikantes Schreiben ruft eine ganze Palette an Reaktionen bei Experten hervor. Es sei bekannt, „dass ich betreffend S Immo in der Immofinanz nichts zu melden habe und auch in der Immofinanz nichts tun kann, wenn es um den Kauf oder Verkauf von S Immo geht“, lässt Immofinanz-Chef Ronny Pecik in einer eidesstattlichen Erklärung wissen.
Der Großinvestor wurde mit schnellen und äußerst gewinnbringenden Aktiendeals berühmt. Doch als er neben seiner Rolle als Großaktionär im Frühjahr 2020 auch noch Vorstandsvorsitzender der Immofinanz wurde, sorgte das für Aufsehen. Gerüchte um eine S-Immo-Übernahme ließen nicht lang auf sich warten. Nur zwei Monate später beschloss er eine Kapitalerhöhung unter Ausschluss der Kleinaktionäre.

Nun steht das Geld für die Übernahme der S Immo bereit. Doch plötzlich will Pecik nichts mit der Sache zu tun haben. „Die Kommission verlangte, dass ich im Vorstand der Immofinanz an keiner Fusion mit der S Immo mitwirken darf“, versichert der Immofinanz-CEO. Er kenne zwar die Meldungen zum Angebot, aber „die Entscheidungen dazu im Vorstand“ seien von seinen „beiden Kollegen Dietmar Reindl und Stefan Schönauer gefasst“ worden. „Ich war auch in die Anträge dazu an den Aufsichtsrat nicht involviert“, so Pecik weiter.

Käufer warten auf Deal
Auch Aufsichtsratsvorsitzende Bettina Breiteneder, deren Bruder S-Immo-Aktionär ist, gibt eine eidesstattliche Erklärung ab: Pecik sei nach ihrer „Wahrnehmung in keine der Vorstandsentscheidungen im Zusammenhang mit dem angekündigten Übernahmeangebot“ eingebunden. Reindl und Schönauer erklären ebenfalls: „Herr Ronny Pecik hat daran nicht mitgewirkt.“

Die Schreiben wurden beim Handelsgericht eingereicht, nachdem Aggregate eine einstweilige Verfügung gegen Pecik erzielen wollte. „Wir befürchten Insiderhandel, weil er heimlich das Übernahmeangebot vorangetrieben hat“, sagt der Anwalt von Aggregate, Clemens Trauttenberg, der „Presse“. Aggregate ist ein Immo-Investor um Günther Walcher, der von Cevdet Caner beraten wird und der unter anderem bei der deutschen Adler Group beteiligt ist. Die Holding ist an deutschen Immobilien interessiert und liebäugelte zuletzt mit Beteiligungen an S Immo und Immofinanz, beides Konzerne an der Wiener Börse mit deutschen Immobilien im Portfolio. Geschäftspartner dafür war Pecik. Man kaufte von ihm S-Immo-Aktien unter folgender Abmachung: Pecik verkauft seine Immofinanz-Aktien, tritt dann sofort als CEO zurück und lässt von der S-Immo-Übernahme ab.

Aufmerksame Leser wissen, es kam alles anders. Die Immofinanz legte ein Übernahmeangebot für die S Immo. Und auch der Verkauf seiner Immofinanz-Aktien an die Aggregate hängt derzeit in der Luft. Sein Geschäftspartner habe dem Verkauf nicht rechtzeitig zugestimmt, wehrte sich Pecik zuletzt.

Das Vertrauen ist weg
Für Aggregate seien das „Warnsignale“, sagt Trauttenberg. Das Handelsgericht habe den Antrag auf einstweilige Verfügung zwar abgelehnt, aber Aggregate ist in Rekurs gegangen und verlangt inzwischen auch eine Rückabwicklung. Das würde bedeuten, dass Pecik das Geld an Aggregate zurückzahlen müsste und dafür seine Aktien wiederbekommt. „Für Aggregate ist Herr Pecik keine Vertrauensperson mehr“, sagt Trauttenberg. Das Unternehmen wolle „keine geschäftliche Verbindung“ mehr zu ihm.

Pecik weist in dem Schreiben jede Schuld von sich: „Ich habe verstanden, dass sich die Käufer jetzt wegen des Übernahmeangebots der Immofinanz betreffend die S Immo aufregen und mir vorwerfen, ich hätte daran mitgewirkt.“ Für Aktionäre ist das überraschend. In einer Pflichtmeldung zu seinen Antritt als Vorstand ist zwar von einer unternehmerischen Verantwortung die Rede. Dass er bei dem Immo-Deal nicht mitwirken darf, steht da nicht.

Pecik machte sich Sorgen um Immofinanz
„Ich habe mir damals große Sorgen über die Entwicklung der Immofinanz gemacht“, erklärt Pecik. Deswegen wollte er „auch persönlich Engagement zeigen“. Bevor er CEO wurde, sei grünes Licht von der Übernahmekommission gegeben worden. Die habe allerdings schon gesehen, „dass es eine heikle Situation ist“. „Wir haben der Kommission erklärt, dass ich ja im Falle meiner Bestellung als CEO der Immofinanz nur den bereits bestehenden Zweier-Vorstand ergänzt hätte. Im Vorstand hätte ich keine Mehrheit und könnte gegen Willen meiner Vorstandskollegen keine Entscheidung durchsetzen, daher auch kein Einfluss auf das Aktienpaket der Immofinanz an S Immo nehmen.“

Der Aufsichtsrat habe eine Geschäftsverteilung festgelegt, nach der die ausschließliche Zuständigkeit für Angelegenheiten betreffend S Immo bei Reindl und Schönauer liege, so Breiteneder. Welche Zuständigkeiten Pecik hatte, wird in den Dokumenten nicht genannt. Schließlich ist die Übernahme das derzeitige Hauptprojekt der Immofinanz, für das viel Geld bereit liegt. Inzwischen schauen die Behörden genauer hin. Wie „Der Standard“ berichtet, ist eine Anzeige gegen Pecik bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft eingegangen. Auch die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Übernahmekommission beschäftigen sich mit seinen Geschäften. Derzeit brütet die Kommission über ihr Verdikt zum Übernahmeangebot der S Immo. Solang sie kein grünes Licht gibt, geht nichts vorwärts.

  

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