zum Originalbeitrag

Der Roiss kommt übrigens recht unsympathisch rüber. Die Sache mit der Redezeitglocke, usw.

Cateringkosten 35.000 Euro bei vielleicht 500 Besuchern. Was übrig bleibt, ist laut Anweisung wegzuschmeissen, Nachschlag war ausdrücklich untersagt.

Nachfolgend Auszug HV-Bericht boerse-social. com,
den überlangen Buffetteil hab ich weggelassen,
das interessiert ja niemanden, hab es am Anfang meines Beitrags
eh kompakt zusammengefasst

"Die Verbund-HV am 23.4.2018 dauerte insgesamt 5 Stunden, davon entfielen nur 1,5 Stunden auf die Präsentationen, die Abstimmungsprozedur war recht kurz und unaufgeregt, der große Rest entfiel auf die zu einem großen Teil hitzig geführte Generaldebatte. Was unter anderem auch am Abdrehen des Mikrofons für einen Aktionär gelegen haben dürfte, der kritisierte, dass die geplante Salzburger 380-kV-Leitung nicht unter die Erde verlegt würde. Die Freileitung würde durch Stürme kaputt gehen. Von Seiten der Gesellschaft wurde ausgeführt, dass die Verlegung unter die Erde aufgrund der dortigen topographischen Lage das Zwölffache der Freileitung koste, ausserdem würde durch die vielen Muffen Strom verloren gehen. Mit einer für den Verbund hoffentlich positiven Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts sei in den nächsten Wochen zu rechnen, so das Management. Die Verfahrenskosten für die Salzburg-Leitung seien 72 Mio. Euro, wenn ich das richtig verstanden habe. Die abgelösten Grundstücke seien jedenfalls werthaltig und verwertbar, egal wie das Verfahren ausgehe. Ein nicht zum Verbund gehörender Techniker erklärte mir später, dass ein Problem der Erdleitung vor allem das austretende Isolieröl sein könne. Meine persönliche Meinung dazu? Das Kostenargument ist nachvollziehbar, insbesondere auch spätere Reparaturen inkl. unzähliger Aufgrabungen würden wohl teuer werden. Wahrscheinlich finden es die Anrainer schade, dass ihre Gegend durch eine Hochspannungsleitung verschandelt würde. Finde ich verständlich, aber andere Gegenden haben auch Hochspannungsleitungen und sogar ganze Wälder aus Windkraftanlagen, die sind ohne Zweifel auch irgendwie hässlich, aber man gewöhnt sich daran.

Das zweite Hauptthema waren auch dieses Jahr wieder die hohen Personalkosten im Verbund-Konzern. Man war gut vorbereitet und erklärte, dass der Verbund nur deshalb so hohe Personalkosten habe, weil die Mitarbeiter vorwiegend in Österreich und Deutschland arbeiten würden, bei uns sei das Einkommensniveau höher als in Ost- und Südosteuropa. Wenn man (es wurde teils über den "männlichen Akademiker", teils über den "Durchschnitt" geredet, es kam für mich nicht klar heraus, auf wen sich die Aussage genau bezieht) bei der Erste die anderen Länder abziehe, würden die österreichischen Mitarbeiter dort 142.000 Euro verdienen, bei der OMV 160.000 Euro, im Vergleich zu den 111.000 Euro im Verbund-Konzern, man habe nur 0,4% der Mitarbeiter in Rumänien. Das EBIT/Mitarbeiter sei jedenfalls 2017 bei RWE 61.000 Euro, bei E.ON 72.000, bei Vattenfall 90.000, beim Verbund 142.000. Der Branchenkollektivvertrag NEU bedeute bereits hohe Einsparungen gegenüber dem Branchenkollektivvertrag ALT, man bemühe sich um einen Brachenkollektivvertrag NEU-NEU. Man wolle aber keine Änderungskündigungen durchführen. Meine persönliche Meinung dazu? Sicher wäre es wünschenswert, wenn wir weniger Personalkosten hätten. Andrerseits sollten wir unser Personal aber korrekt behandeln, erstens um eine Abwanderung zu verhindern (gut ausgebildete Techniker werden wohl auch woanders einen adäquaten Job finden), zweitens um unsere Reputation zu wahren (man stelle sich vor, die Zeitungen würden vor allem über Arbeitsgerichtsauseinandersetzungen mit dem Verbund schreiben), und drittens um das Betriebsklima nicht zu verderben (Existenzängste führen oft zu Mobbing mit allen negativen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der betroffenen Mitarbeiter).

Das Hauptthema des Vorstands war die Versorgungssicherheit, man brauche Mellach noch, man müsse zeitweise den Stromhandel unterbinden, auf dass das Netz nicht zusammenbreche, an 300 Tagen habe ins Stromnetz eingegriffen werden müssen, um es zu stabilisieren, 170% öfter als im Jahr davor. Die Instabilität gehe vor allem von Deutschland aus, das zeitweise im Süden zuviel Sonnenstrom produziere, der aufgrund fehlender Leitungskapazitäten nicht in den Norden weitergeleitet werden könne. Gleichzeitig betonte man, wie schlecht die vorgesehene Trennung des bis dato gemeinsamen Strommarkts mit Deutschland sei. Für 2018 seien 80% des Stroms gehedgt, für 2019 45%. Man gehe von steigenden Strompreisen aus. Die Pumpspeicherkraftwerke würden für 10 Tage reichen. Ein Verbund-Angestellter meinte auf meine Frage zur Loyalität von Verbund-Kunden, dass sie durchschnittlich 5 Jahre bleiben. Das entspricht meiner Überschlagsrechnung nach etwa 10% Fluktuation pro Jahr. Was verkraftbar wäre, im Hinblick darauf, dass man Neukunden 4 Gratismonate schenkt. Das und der billigere Strom z.B. für Großabnehmer führt dazu, dass der Verbund 3 Cents pro kWh als durchschnittlichen Umsatz macht, während der Konsument, sofern er kein Neukunde ist, rund 5,5 Cents ohne Umsatzsteuer zahlen muss.

Ich denke, es waren etwa zwei HAK-Klassen, die als Gäste anwesend waren. Ich freute mich schon darauf, sie für ihr Interesse an der echten Wirtschaft und Börse zu preisen, aber leider verliessen sie alle kurz nach den Präsentationen schon den Saal. Schade. Nichts wird es mit einer neuen Generation Aktionäre. Ich zu meiner Zeit hätte mich gefreut, auf eine HV eingeladen zu werden, ich hätte das ganz sicher bis zum Ende ausgekostet, so etwas bekommt man in diesem Alter ja wohl nur einmal geschenkt.

Nach den Präsentationen waren 524 Aktionäre mit insgesamt 304,187.048 Aktien anwesend, 87,55% des Grundkapitals. In dieser Zahl enthalten wohl die vielen Fonds, die sich vertreten ließen. Die Republik Österreich war mit 177,182.000 Aktien vertreten, die EVN mit 43,881.760, die Wiener Stadtwerke mit 40,685.821, die Tiwag mit 28,549.755, Wienenergie mit 5,499.526, DJE Investment mit 1,178.640, die Norges Bank mit 1,032.842. Größter Pensionsfonds war mit 74.338 Stück das California Public Employees Retirement System. Aufsichtsratspräsident Roiss verlangte, die Fragen kurz und präzise zu stellen und bat, sich an einen Zeitrahmen von 5 oder höchstens 10 Minuten zu halten, ein akustisches Signal wies die Redner darauf hin, dass die Redezeit zu Ende ist. Roiss wollte das ausdrücklich nicht als Anordnung einer Redezeitbeschränkung verstanden wissen. Mir fiel kein Redner auf, der diese Zeit überschritt. Eine spätere erneute Wortmeldung war zulässig. Zur Abstimmung waren bei nur noch spärlich gefülltem Saal noch 275,117.319 Aktien anwesend, 79,19% des Grundkapitals, es dürfte also nicht nur Kleinaktionären das Sitzfleisch für 5 Stunden HV gefehlt haben. Die Zustimmungsquote variierte von 99,97% bis 99,99%."

  

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