zum Originalbeitrag

>Tuesday May 12, 2020
>One of the greatest investors of our time, Stanley Druckenmiller,
>Chairman & CEO, Duquesne Family Office LLC,
>discusses today's market strategies with the moderator Scott Bessent.
>
>https://www.youtube.com/watch?v=wKwoMuB2Tck

Schlechte Tonqualität, ein Mann, der in Trump'scher Manier oft in Assoziationsfetzen und Halbsätzen spricht, aber ein Mann mit einer konsistenten Botschaft.

Wesentliche Punkte des Interviews (frei, aber sinngemäß, in meinen Worten interpretiert):
Auf die Frage nach dem paradoxen Kursgeschehen bei Aktien:
Es sei weniger paradox, als es den Anschein mache. Ab dem Zeitpunkt des Schockabsturzes im März, an dem die FED eingegriffen habe, habe sein (Druckenmillers) Credo gegriffen, dass Liquidität die Märkte wesentlich stärker bestimme, als Gewinne. Es sei in kürzester Zeit der Notenbankzins von über 2% auf 0% gesenkt worden. Zugleich habe die FED zu vorteilhaften Kursen Bonds jeglicher Risikoklasse aufgekauft und damit Milliarden an spontaner Liquidität freigesetzt. Diese würden wohl kaum postwendend in zinsarme Treasuries gesteckt werden, sondern klarerweise in den etwas risikoreicheren Aktienmarkt, dem ab sofort Unterstützung von allerhöchsten Gnaden in nahe unbeschränkter Menge zugesagt worden war. Damit war ein Mythos des unfehlbaren Marktes erzeugt worden. Aber das sei hohles Theatergedonnere, denn es sei damit zugleich vor allem eine Vermögensverteilung an Einzelpersonen bewirkt worden, zum einen Investoren-seitig, zum anderen an Menschen, denen kurzfristig nahegelegt worden sei, es sei günstiger, bezahlt nicht zu arbeiten. Es sei damit keine Investition in Wachstum gewesen, sondern eine künstliche Eigenkapitalkonsolidierung, die die Aktienbewertung ohne Substanzupgrade erhöhe. Die Liquiditätsschwemme sei zudem, bei allen gegenteiligen Beteuerungen, zwangsläufig endenwollend, bis spätestens September. In Wirklichkeit sei ein Platzen der Kreditblase verhindert worden, die eigentlich unvermeidlich gewesen sei, aufgrund des fast kostenfreien Zugangs zu Geld, weil die FED bereits im Vorfeld verabsäumt hatte, durch entsprechende Zinspolitik (d.h. höhere Zinsen) die Kosten für Kapital angemessen zu steuern. Und es sei nun einmal ein Wesensmerkmal von (gesundem) Kapitalismus, dass Liquidität kein Geschenk sei, sondern Kosten habe, also dass eine gewisse Hürde für Investitionen vorhanden sein müsse, als Darwinistischer Ansatz. Die Flurbereinigung, die das Geschehen jetzt bedeuten hätte können, sei durch die Gießkannenrettungstechnik ausgefallen, was damit vielen Zombiefirmen zugute gekommen sei, die ohne das Corona-Debakel auf jeden Fall der natürlichen Selektion zum Opfer gefallen wären.
Jedenfalls sei die V-förmige Erholungsform der Märkte eine inszenierte Fantasie. Und die FED hätte sich bei früher sinnvollerer Zinspolitik (die sie auf Druck von Trump vermieden hatte) jetzt Milliardenenbeträge an Kosten erspart.
Stattdessen seien jetzt die Kurs-Gewinn-Verhältnisse in noch abnormaleren Dimensionen festgeklebt worden, als sie es schon vorher gewesen seien und damit eigentlich beängstigend am Höchststand seiner (Druckenmillers) Finanzerfahrung.
Er findet, dass die gewählten Kombinationen und Timings von Wirtschaftsbeschneidung zugunsten der Corona-Bekämpfung und Pseudo-Belebung durch Fiskalmassnahmen in zukünftigen Generationen zum Paradebeispiel verfehlter Reaktion auf Krisen dieser Art in die Geschichte eingehen werde ("Trump a poster child for bad response").
Er verstehe auch wenig, dass Märkte wegen eines möglichen Medikamentes in unverhältnismäßigerweise aufwallen, weil sich deswegen kaum irgendein allgemeines Verhalten verändern würde. (Zum Zeitpunkt des Interviews gab es erst Remmidemmi um Remdesivir und noch garnicht um das noch plakativere Moderna-Impfzeug).
Auf die Frage zum kolportierten Fiskalansatz der Negativzinsen fielen ihm nicht einmal ein gültiges Argument ein, das diese unterstützen würde, da ja seiner Meinung nach erst jetzt die Kreditblase notwendigerweise zu platzen beginne, die eine der größten Gefahren gewesen sei, mit oder ohne Corona. Also sei er völlig verständnislos über den Denkansatz, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben.
Außerdem sei er ziemlich Fan von Amazon, denen er zugute halte, in der Krise nahezu als soziale Einrichtung die Welt zusammengehalten zu haben, noch dazu durch Anpassung an die Notwendigkeiten der Situation, faires Verhalten innerhalb der Firma und ohne die Situation durch mögliche Preistreiberei ausgenützt zu haben.

  

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