Kinder, wie die Zeit vergeht: Ein Jahr ist es her, dass wir uns die Aktie des Frankfurt-Legionärs
BioDiesel International (BDI, plant Anlagen für die Erzeugung von Biodiesel) angesehen haben. Unser Fazit
damals: „Die Analysten sind bullish, wir bleiben weiter skeptisch und würden nicht zugreifen.“ Ein Blick
auf den Kursverlauf gibt uns recht, seit damals hat das Papier – trotz einer inzwischen stattgefundenen
Erholungs-Rally – mehr als 38 Prozent verloren. Ob die Analysten nun noch immer bullish sind, lässt sich
nicht sagen, da die Aktie seit Oktober nicht mehr gecovert wurde. Was wir sagen können ist, dass wir das
Papier in Summe weiter skeptisch betrachten – obwohl es auch Dinge gibt, die uns gefallen. Aber der
Reihe nach.
Die am 31. März vorgelegten Jahreszahlen 2008 wiesen einen Umsatzrückgang von 20
Prozent auf 61,7 Millionen € auf. Als Grund gibt BDI die Verzögerung von Abschlüssen neuer Aufträge an –
die Kreditklemme lässt grüßen. Außerdem hätten sich im Vergleich zu 2007 weniger Projekte in der
umsatzstarken Bauphase befunden. Zum Verständnis: BDI unterscheidet zwischen drei Phasen (Engineering,
Bau und Inbetriebnahme), in der Bauphase fließen bis zu 80 Prozent des Umsatzes. Für 2009 hat das
Unternehmen übrigens keine Prognosen abgegeben, begründet wird das mit der „aktuellen Marktlage“.
Allerdings befinden sich heuer nur 1,5 Projekte (ein Teil einer Anlage in Norwegen sowie das Werk in
Hongkong, das Biodiesel aus Altspeiseöl herstellen wird) in dieser umsatzstarken Phase. Aus dem
Hongkong-Geschäft, das ein Volumen von 17 Millionen € hat, sind 2009 weniger als 14 Millionen € zu
erwarten.
Auftrag bitte kommen. Per Ende 2008 belief sich der Auftragsbestand auf 25,3
Millionen € – für ein positives Jahresergebnis 2009 zu wenig. Zum Vergleich: Per ultimo 2007 lag der
Auftragsbestand bei 72,3 Millionen €, das Jahresergebnis 2008 bei 4,6 Millionen €. Laut Geschäftsbericht
werden Vertragsverhandlungen für drei Projekte (Gesamtvolumen 80 Millionen €) geführt. Für sechs Projekte
wurden Detailangebote abgegeben. Unterschrieben ist aber noch nichts – und das ist nicht nur die große
Unbekannte, sondern auch das Risiko, das Aktionäre berücksichtigen müssen. Denn wehe, es kommt kein
Auftrag rein. Um der Marktlage ein wenig gegenzusteuern – von Kompensieren kann keine Rede sein – hat BDI
seit Mitte 2008 den Bereich „After Sales“ etabliert. In diesen fallen die Servicierung der Anlagen sowie
auch die Um- und Aufrüstung von Konkurrenz-Werken. Neben Umsatz soll diese Tätigkeit vor allem
Folgeaufträge bringen.
Doch derzeit macht der niedrige Rohölpreis der BDI einen Strich durch
die Rechnung. Zwar sei laut der Branche fairerweise kein Rohöl-Preis zu nennen, ab dem die Erzeugung von
Biodiesel Break-even mache – weil von Land zu Land der Einkaufspreis der Rohstoffe und auch die Laufzeit
der Verträge für den Einkauf variieren –, Studien nennen aber einen Preis ab 75 bis 80 US-Dollar je
Barrel. Im Moment kostet das Fass rund 52 Dollar (Brent), die Prognosen sprechen auch nicht für BDI.
Aber neben der EU – das EU-Parlament hat im Dezember das Klimapaket verabschiedet, wonach bis
2020 mindestens zehn Prozent aller Kraftstoffe im EU-Verkehrssektor aus erneuerbaren Energien gewonnen
werden müssen – hofft BDI auf den Ölverbraucher Nummer eins, die USA. Denn dort wird nun etwa die
Produktion von Biodiesel aus Abfall- und Reststoffen (Waste to Fuel) mit einem Dollar je Gallone
staatlich unterstützt. Davor waren es nur 50 Cent, Produktion aus pflanzlichen Rohstoffen wurde schon
vorher mit einem Dollar gefördert. Mit den Multi-Feedstock Anlagen (können auf Basis unterschiedlicher
Rohstoffe produzieren) rechnet sich die BDI hier Chancen aus.
Fazit. Wir sind Ihnen noch die
Dinge schuldig, die uns gefallen: liquide Mittel in Höhe von 61 Millionen €, ein positives Finanzergebnis
von 2,7 Millionen € (Veranlagung maximal drei Jahre, Festgeld und Anleihen) und null Schulden bei der
Bank – in Zeiten der Kreditkrise sehr löblich. Zudem könnte sich unserer Meinung nach das erste Mal seit
dem IPO eine Dividende ausgehen. Trotzdem würden wir uns noch zurückhalten und erst zugreifen, wenn unter
den in Schwebe befindlichen Projekten die Unterschrift glänzt.
http://www.wirtschaftsblatt.at/home/boerse/analysen/370498/index.do?_vl_backlink=/home/in
dex.do&_vl_pos=12.1.DT