Aufgrund der aktuellen Unsicherheit an den Aktienmärkten sind viele Small Caps bereits deutlich gefallen.
Bei vielen Unternehmen in zyklischen Sektoren scheint dies auch gerechtfertigt – es wird sich wohl kaum
jemand von der Finanzmarktkrise verstecken können.
Bei BDI – Biodiesel International scheint
mir der Kursabschwung aber doch deutlich übertrieben zu sein – ich kann mich nicht erinnern überhaupt
jemals ein operativ profitables Unternehmen gesehen zu haben dass so tief unter dem Cash-Bestand
gehandelt wird.
Hier die Highlights: - per 30.06. betragen die liquiden Mittel
€ 55,1 Mil., der Buchwert liegt bei € 65,5 Mil. – aber der Börsewert der BDI liegt gerade
einmal bei unglaublichen € 22,6 Mil. Je Aktie betragen die liquiden Mittel € 14,5, der Buchwert €
17,23 (vs. aktueller Kurs € 5,95). - in 2008 läuft das operative Geschäft profitabel - Vorstände sind auch die Mehrheitsaktionäre des Unternehmens – geringe Interessenskonflikte
Marktumfeld
Operativ wird sich natürlich auch für BDI das Umfeld verschlechtern, was
sich auch im Auftragsstand bemerkbar macht, der per 30.06. mit € 54,9 Mil. um 35 % unter dem
Vergleichswert des Vorjahres liegt. Die Kreditklemme dürfte auf Kundenseite die Finanzierung neuer
Biodiesel-Anlagen schwieriger machen und Investitionen könnten verschoben werden.
Andererseits
könnte sich die deutliche Korrektur bei Rohstoffpreisen mittelfristig positiv auf die Nachfragesituation
auswirken. Steigende Agrarrohstoffpreise – als ein wesentlicher Preistreiber wurde auch immer wieder die
zunehmende Verwendung von Agrarprodukten für die Kraftstoffproduktion genannt – ließ die
Biodiesel-Produktion zunehmend unattraktiver werden. BDI hat sich in diesem Markt als weltweit
führender Spezialist für Multi-Feedstock-Anlagen positioniert, die im Gegensatz zu rein pflanzlichen
Rohstoffe höhere Flexibilität bieten und auch billigere Rohstoffe wie etwa Altspeiseöl und tierische
Fette verarbeiten können.
Unabhängig davon scheint der langfristige Trend zur höheren
Verwendung von Biokraftstoffen ungebrochen zu sein, auch wenn fossile Energieträger zuletzt wieder etwas
günstiger geworden sind. Die von der EU Kommission diskutierte Biokraftstoff-Beimischungsquote von 10%
des Kraftstoffverbrauchs bis 2020 verdeutlicht das enorme Wachstumspotential – so beträgt der Anteil von
Biokraftstoffen am Kraftstoffverbrauch aktuell nur etwa 2%.
Das Unternehmen hat auf das
temporär schwächere Umfeld für Biokraftstoffe reagiert und stößt derzeit durch Akquisitionen in neue
Geschäftsfelder vor. So wurde beispielsweise im ersten Quartal ein 25%-Anteil an der VTU Holding erworben
und im April die UIC-Gruppe übernommen, die auf den Bau von Destillationsanlagen spezialisiert ist. BDI
erhofft sich so neue Kundenkreise zu erschließen – beispielsweise in der Nahrungsmittel-, Pharma- und
Energieindustrie.
BDI Aktie
Die tiefe Bewertung der BDI unter Cash-Bestand
ist wirklich einmalig. Ich habe gestern ein Screening für den deutschsprachigen Raum vorgenommen: nur
ganz wenige Unternehmen haben einen ähnlich hohen Abschlag des Börsewerts zum Nettofinanzvermögen – bei
den meisten handelt es sich aber um Firmen, die nahe am Konkurs stehen und bei denen die Verluste im
operativen Geschäft die Finanzmittel innerhalb von 1-2 Jahren aufbrauchen könnten. Das ist bei BDI aber
ganz bestimmt nicht der Fall.
Von solchen Chancen gesunde Unternehmen zu weniger als der
Hälfte der liquiden Mittel zu erwerben träumt man in „normalen“ Börsephasen nur.
Zum
Kursziel: Ein Abschlag zum Buchwert/Nettofinanzmittelbestand ist jedenfalls gerechtfertigt, ich
würde ihn aber nicht bei mehr als 20% ansetzen. Daraus würde sich derzeit auf Basis des Buchwerts
ein Kursziel von € 13,78 und auf Basis des Nettofinanzmittelbestands ein Kursziel von € 11,60 ergeben.
Dort erwarte ich mir die Aktie auch in einigen Monaten wieder zu sehen.
Am 07. November
werden übrigens die Zahlen zum dritten Quartal sowie ein aktualisierter Ausblick zur weiteren
Geschäftsentwicklung geliefert..