Industrieproduktion in der Eurozone wächst auch im Juli nur geringfügig
Ergebnisse auf einen
Blick:
HCOB Einkaufsmanagerindex Industrie Eurozone bei 49,8 (Juni: 49,5), 36-Monatshoch HCOB Industrie Eurozone Index Produktion bei 50,6 (Juni: 50,8), 4-Monatstief Minimales
Produktionsplus trotz geringfügiger Auftragseinbußen
Die Geschäftslage der
Eurozone-Industrieunternehmen hat sich im Juli weitgehend stabilisiert. Die Produktion wurde erneut
gesteigert, allerdings mit der niedrigsten Rate seit März. Beim Auftragseingang schlug wieder ein
geringfügiges Minus zu Buche, da die Exportnachfrage* rückläufig war. Erfreulicherweise verlangsamte sich
der Stellenabbau und fiel so schwach aus wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr.
Die
Einkaufspreise blieben konstant, was praktisch auch für die Verkaufspreise galt. Die Geschäftsaussichten
binnen Jahresfrist trübten sich zwar leicht ein, der Ausblick fiel jedoch erneut optimistischer aus als
im langjährigen Mittel.
Mit 49,8 Punkten nach 49,5 im Juni stieg der HCOB
Einkaufsmanagerindex™ Industrie Eurozone im Juli auf den höchsten Wert seit drei Jahren und signalisierte
mit einem Wert nur noch knapp unterhalb der neutralen 50-er Marke, dass sich die Geschäftslage im
Verarbeitenden Gewerbe nahezu stabilisiert hat. Der Index spiegelt das Geschäftsklima in der
Eurozone-Industrie in einem Wert wider.
In der PMI-Rangliste war Irland mit abermals
kräftigem, allerdings leicht abgeschwächtem Wachstum Spitzenreiter. In den Niederlanden und Spanien
beschleunigte sich das Wachstum leicht auf ein 14- bzw. 7-Monatshoch. Auch Griechenland blieb im Juli –
wie bereits seit zweieinhalb Jahren – auf Expansionskurs. In den übrigen von der Umfrage erfassten
Ländern stiegen die jeweiligen PMIs zwar, sie blieben jedoch unter der Referenzlinie von 50 Punkten, was
darauf hindeutet, dass sich die Einbußen abgeschwächt haben. So kletterten die PMIs Deutschlands und
Frankreichs minimal, in Deutschland erreichte der Index allerdings den höchsten Wert seit knapp drei
Jahren. Schlusslichter waren diesmal Österreich und Frankreich.
Die Produktion wurde den
fünften Monat in Folge ausgeweitet, wenngleich mit der niedrigsten Rate seit März. Ausschlaggebend
hierfür war der neuerliche leichte Auftragsrückgang, der dennoch so stark ausfiel wie zuletzt vor vier
Monaten. Bei den Exporten schlug erneut ein Minus zu Buche, nachdem sie sich im Juni stabilisiert
hatten.
Gleichzeitig dämpften die Unternehmen ihre Bemühungen um Kosteneinsparungen. So
näherten sich sowohl die Einkaufsmenge als auch die Beschäftigung weiter einem stabilen Niveau an und
sanken mit der niedrigsten Rate seit 37 bzw. 23 Monaten.
Der Druck auf die Lieferketten nahm
im Juli leicht zu. So verlängerten sich die durchschnittlichen Vorlaufzeiten zum zweiten Mal
hintereinander und so stark wie seit November 2022 nicht mehr. Gleichzeitig nahmen die Bestände an
Vormaterialien und Fertigwaren weiter ab, allerdings mit abgeschwächten Raten.
Die Preise
waren im Berichtsmonat stabil. Nach dreimonatigem Rückgang blieben die Einkaufspreise konstant und auch
die Verkaufspreise blieben praktisch unverändert.
Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist
fielen zu Beginn der zweiten Jahreshälfte überdurchschnittlich optimistisch aus, wenngleich nicht mehr
ganz so positiv wie beim 40-Monatshoch im Juni.
Rangliste der Industrie-PMIs im Juli:
Irland 53,2 2-Monatstief Niederlande 51,9 14-Monatshoch Spanien 51,9 7-Monatshoch Griechenland 51,7 8-Monatstief Italien 49,8 16-Monatshoch Deutschland 49,1 (Flash: 49,2)
35-Monatshoch Österreich 48,2 2-Monatshoch Frankreich 48,2 (Flash: 48,4) 2-Monatshoch
Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, kommentiert:
"In der
Eurozone fasst das Verarbeitende Gewerbe vorsichtig wieder Tritt. Es sind vor allem die etwas kleineren
Volkswirtschaften, die Anlass zur Hoffnung geben. So zeigen die PMIs aus Spanien und den Niederlanden
beschleunigte Zuwachsraten an, Irland und Griechenland bleiben im Wachstumsbereich und in den drei
größten Volkswirtschaften sowie Österreich signalisiert der PMI, dass sich die Rezession moderat bis
deutlich abgeschwächt hat. Damit gewinnt die Erholung allmählich an Breite. Mit dem nunmehr vereinbarten
Handelsrahmenabkommen zwischen der EU und den USA sollte die Unsicherheit abnehmen und die Chancen stehen
gut, dass der Aufwärtstrend in den nächsten Monaten anhält.
Frankreich ist derzeit der größte
Bremsklotz in der Industrie der Eurozone. Wenig Mut macht dabei, dass die Produktion in Frankreich in den
vergangenen beiden Monaten gefallen, während die Beschäftigung im gleichen Zeitraum leicht gestiegen
ist.
Das Problem dabei ist die sinkende Produktivität, mit der Wirtschaftswachstum noch
schwieriger zu bewerkstelligen ist. In Deutschland ist es umgekehrt, die Produktion wächst, während
Stellen abgebaut werden. Belastend ist in Frankreich zudem die Aussicht auf einen austeritären Haushalt
und das damit verbundene Risiko eines Rücktritts der derzeitigen Regierung. Auch dies sieht in
Deutschland anders aus, wo ein Großteil der Wachstumshoffnung auf einer expansiven Fiskalpolitik beruht
und die politische Situation deutlich stabiler ist als in Frankreich. Weniger politische und fiskalische
Unsicherheit in dem zweitgrößten Euroland wären wichtig, um der Eurozone insgesamt zu nachhaltigem
Wachstum zu verhelfen.
Die Lieferketten bleiben relativ angespannt und die Lieferzeiten haben
sich verlängert. Angesichts der Fragilität der Erholung ist es also nicht die Nachfrage, die dafür sorgt,
dass Kunden länger auf ihre Ware warten müssen. Hier könnten die wechselhafte US-Zollpolitik sowie die
von den geopolitischen Spannungen ausgehende Unsicherheit eine wichtige Rolle spielen. Wir gehen davon
aus, dass sich Unternehmen langfristig auf plötzliche Lieferkettenengpässe einstellen müssen."
Österreichischer Einkaufsmanagerindex: Industrieproduktion steigt im Juli wieder
Ergebnisse
auf einen Blick
Leichter Produktionsanstieg markiert beste Performance seit Mai 2022 Anhaltender Auftragsrückgang sorgt erneut für Stellenabbau Geschäftsaussichten verbessern sich
deutlich auf 41-Monatshoch
Die Industrieunternehmen Österreichs steigerten ihre Produktion zum
Start ins dritte Quartal wieder. Trotz des stärksten Zuwachses seit Mai 2022 blieb die Rate aufgrund des
anhaltenden Auftragsmangels äußerst mager, und auch die Beschäftigung wurde ein weiteres Mal
reduziert.
Der Geschäftsausblick binnen Jahresfrist verbesserte sich hingegen sprunghaft und
erreichte den höchsten Wert seit knapp dreieinhalb Jahren.
Engpässe bei Produktionsmaterialien
sorgten indes dafür, dass die Einkaufspreise erstmals seit drei Monaten wieder anzogen.
Gleichzeitig verlängerten sich die Lieferzeiten zum zweiten Mal hintereinander. Dass die Unternehmen
den Kostenanstieg anderweitig kompensierten, zeigte sich an den Verkaufspreisen, die den dritten Monat in
Folge gesenkt wurden.
Der saisonbereinigte UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex
kletterte im Juli auf 48,2 Punkte von 47,0 im Juni. Der Hauptindex setzt sich aus den Unterindizes für
Produktion, Auftragseingang, Beschäftigung, Vormateriallager und Lieferzeiten zusammen und spiegelt das
Ergebnis der Juli-Umfrage zur Konjunkturlage der Industrie Österreichs in einem Wert wider.
Der abermals unter der Referenzmarke von 50,0 Punkten liegende Wert deutet auf weitere – wenn auch
abgeschwächte – Geschäftseinbußen hin. Dahinter verbarg sich allerdings die zweite Produktionsausweitung
innerhalb der letzten drei Monate. Diese fiel zwar etwas kräftiger aus als im Mai und war die stärkste
seit über drei Jahren, insgesamt blieb sie jedoch äußert dürftig.
Der Nachfragemangel hielt
weiter an, was die Umfrageteilnehmer mit der zunehmenden Verunsicherung und der Schwäche im Bausektor
begründeten. Trotz Abschwächung gegenüber Juni blieb der Auftragsrückgang signifikant. Bei den Exporten
war die Lage nahezu identisch.
Die Auftragsbestände wurden erneut abgearbeitet, diesmal jedoch
mit der kleinsten Rate seit Beginn des Abbaus Mitte 2022. Und auch die Mitarbeiterzahlen nahmen ein
weiteres Mal deutlich ab.
Die Einkaufsmenge wurde abermals reduziert, der Rückgang fiel aber
so schwach aus wie nie seit Beginn der Reduzierung vor drei Jahren. Ungeachtet dessen sanken die Bestände
an Vormaterialien erneut kräftig, was bei einigen Unternehmen auf die höheren Produktionsanforderungen
zurückzuführen war. Die Fertigwarenlager wurden den zweiten Monat in Folge abgebaut, allerdings nicht
mehr ganz so stark wie zuletzt.
Die durchschnittlichen Lieferzeiten verlängerten sich derweil
zum zweiten Mal hintereinander und ähnlich deutlich wie im Juni. Laut Befragten trugen Verzögerungen im
Seefrachtverkehr sowie Knappheiten bei bestimmten Vorprodukten zu der Verlängerung bei.
Gleichzeitig sorgten Engpässe dafür, dass die Einkaufspreise erstmals seit drei Monaten wieder moderat
zulegten. Aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks wurde der Kostenanstieg jedoch nicht an die Kunden
weitergegeben.
Die Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist verbesserten sich sprunghaft auf den
besten Wert seit Februar 2022. So hoffen viele Branchenakteure auf einen allgemeinen Konjunkturaufschwung
und Erfolg beim Handelsabkommen zwischen der EU und den USA.
BIP im Euroraum um 0,1% und in der EU um 0,2% gestiegen +1,4% bzw. +1,5% im Vergleich zum zweiten
Quartal 2024
Im Vergleich zum Vorquartal ist das saisonbereinigte BIP im zweiten Quartal 2025
im Euroraum um 0,1% und in der EU um 0,2% gestiegen. Dies geht aus einer vorläufigen Schnellschätzung
hervor, die von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, veröffentlicht wird. Im ersten
Quartal 2025 war das BIP im Euroraum um 0,6% und in der EU um 0,5% gestiegen.
Diese
vorläufigen BIP-Schätzungen basieren auf unvollständigen Datenquellen, die weiteren Revisionen
unterliegen.
Im Vergleich zum entsprechenden Quartal des Vorjahres ist das saisonbereinigte
BIP im zweiten Quartal 2025 im Euroraum um 1,4% und in der EU um 1,5% gestiegen, nach +1,5% im Euroraum
und +1,6% in der EU im Vorquartal.
Unter den Mitgliedstaaten, für die Daten für das zweite
Quartal 2025 vorliegen, verzeichnete Spanien (+0,7%) den höchsten Anstieg im Vergleich zum Vorquartal,
gefolgt von Portugal (+0,6%) und Estland (+0,5%). Rückgänge wurden für Irland (-1,0%), Deutschland und
Italien (jeweils -0,1%) registriert. Die Wachstumsraten zum entsprechenden Quartal des Vorjahres waren
für alle Länder positiv.